Laser EM: Starkwind-Faszination Einhand-Dinghy – Buhl 6. aber mit EM-Bronze

Auf Augenhöhe

Philipp Buhl hat sich mit EM-Bronze endgültig in der Laser-Weltspitze zurückgemeldet. Aber die Entwicklung im Hinblick auf Olympisches Edelmetall könnte ihm dennoch Sorgen machen.

Als habe sich die Laserklasse nach der überstandenen Olympia-Wahl noch einmal angemessen präsentieren wollen, zeigte sie an den letzten Tagen der Europameisterschaft noch einmal Action-Sport auf höchstem Niveau. Nachdem die ersten Rennen auf dem Atlantik vor dem portugiesischen Porto noch von Leichtwind geprägt waren, war im Finale die Physis gefragt.

Nik Willim

Start-Fight vor Porto. Nik Willim (r.) auf Augenhöhe mit den Besten. © Neuza Aires Pereira

Philipp Buhl hatte in der Woche gezeigt, dass er wieder zurück ist. Nach einem problematischen Saison-Auftakt und einer selbst verordneten Zwangspause, kam er insbesondere bei wenig Wind beeindruckend stark in die Regatta.

Philipp Buhl (4.v.r.) auf dem EM-Podium. © Joao Ferrand

Und auch als der Wind stärker wurde, zeigte er, dass aufkommende Selbstzweifel unbegründet sind. Am vorletzten Tag gelang ihm mit den Rängen 2/7 das beste Tages-Ergebnis in der 55 Boote starken Goldflotte. „Ich spiele wieder oben mit. Das war mir wichtig. Für mich und auch in der Wahrnehmung der anderen“, sagt Buhl bei DPA.

Philipp Buhl

Philipp Buhl auf dem Vowind-Kurs. © Joao Ferrand

Angesichts dieses Hochgefühls, erlitt der 29 Jahre alte Bayer am letzten Tag der Regatta schon fast wieder einen Rückschlag. Er war mit EM-Titelchancen in das Finale gestartet, kam aber mit Rang 15 wieder mächtig unter Druck, und gehörte dann im letzten Lauf zu acht Frühstartern, die disqualifiziert wurden. So musste er den Briten Nick Thompson – Weltmeister 2015/16) – vorbei lassen, konnte aber den Doppelweltmeister-Kollegen Pavlos Kontides (2017/18) aus Zypern gerade noch mit dem Glück des Tüchtigen um einen Punkt distanzieren.

Buhl kann nun aufatmen. Sein Training in den vergangenen Monaten war offenbar alles andere als kontraproduktiv, wie die ersten Leistungstests in der Saison hätten vermuten lassen können. Er hat seinen Platz im Kreise der Weltbesten wieder eingenommen, segelt wieder auf Augenhöhe und hat ordentlich Selbstbewusstsein getankt.

Drei dominante Nationen

Allerdings muss ihm eine andere Entwicklung Sorgen machen. So schön der dritte Platz in der EM-Wertung ist – in der Gesamtwertung segelte der Deutsche auf Rang sechs. Das ist immer noch gut, aber die Dominanz dreier Nationen ist beeindruckend.

Luvkenterung, Laser

Starkwind am vorletzten Renntag. Klassische Luvkenterung. © Neuza Aires Pereira

Der Australier Matthew Wearn gewann überlegen mit 14 Punkten Vorsprung vor dem Olympia-Bronze-Gewinner Sam Meech aus Neuseeland und dem besten Europäer Lorenzo Chiavarini aus England. Fünf Aussies, drei Kiwis und vier Briten belegen unter den 17 Besten gleich 12 Plätze. Die Nationalmannschaften dieser Länder sind so stark, dass ihre internen Trainings eine Qualität aufweisen, die von anderen Nationen nicht erreicht werden.

Laser

24/05/19 – Porto (POR) Laser springt auf der Atlantik-Welle. © Neuza Aires Pereira

Das war schon immer eine der wichtigsten Zutaten für Erfolge in der Laserklasse, in der das Material keine Rolle spielt. Die drei Nationen drohen, sich immer weiter vom Rest der Welt zu entfernen. Und das wäre für Buhl keine gute Nachricht. Er hat nur noch Nik Aaron Willim an seiner Seite, der in Porto auf Rang 37 segelte (25. EM-Wertung). Theo Bauer hat inzwischen aufgehört.

Ergebnisse Laser EM 2019 Männer

Bei den Radial-Frauen gibt es diese Dominanz einzelner Nationen nicht. Unter den Top 20 rangieren Seglerinnen aus 16 Nationen. Allerdings ist die deutsche Flotte seit Jahren breit aufgestellt. Nur der echte Durchbruch bis ganz nach vorne hat noch nicht funktioniert. Pia Kuhlmann war diesmal als 21. die beste Deutsche. Sie segelte insbesondere bei Starkwind ganz vorne mit den Besten.

Laser-Radial, Frauen

Die besten Frauen beim bisher wichtigsten Laser-Wettkampf der Saison. © Joao Ferrand

Das gilt inzwischen auch für Svenja Weger, die seit Jahren die deutschen Farben am weitesten vorne vertritt. Auf dem Weg zum Starkwind-Speed mag sie aber irgendwo ihre Leichtwind-Qualitäten verloren haben, die ihr sogar schon einmal einen EM-Titel beschert haben. Jedenfalls sammelte sie diesmal in der Qualifikationsphase zu viele Punkte, als dass ihre Aufholjagd weiter als Rang 24 nach vorne gehen konnte.

Ergebnisse Laser EM 2019 Frauen

avatar

Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *