Laser-Frauen-WM: Start der Olympia-Qualifikation – Acht Deutsche wollen nach Japan

Bemühen um den Nachweis der "Endkampfchance"

Nach dem grandiosen WM-Gold von Philipp Buhl wollen die Laser-Radial-Frauen an selber Stelle nachlegen. Acht Seglerinnen sind angetreten. Sie haben aber ein anderes Ziel als Medaillen.

Eigentlich ist Deutschland in der Laser Radial Klasse schon für Olympia qualifiziert. Svenja Wegers 26. Platz bei der WM 2018 in Aarhus hat ausgereicht, den Nationenplatz auf Position 18 zu sichern. Aber das heißt noch lange nicht, dass auch tatsächlich eine deutsche Laserseglerin 2020 in Enoshima starten darf.

Zwar ist in keiner Segel-Disziplin die Olympia-Qualifikation so einfach wie bei den Laser Frauen, weil 36 Athletinnen an den Start gehen dürfen und sie die mit Abstand größte Flotte stellen werden. Aber die Deutschen haben sich eigene Regeln gegeben, die deutlich schwerer zu erfüllen sind.

Sie müssen die Norm des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) erfüllen, den sogenannten “Nachweis der Endkampfchance”. Das ist für alle Sportarten gleich. Deutschland will nur Athleten nach Tokio schicken, die in der Lage sind Spitzenergebnisse abzuliefern.

(SR hat bereits 2013 über Pia Kuhlmann berichtet)

Die Definition liest sich wie folgt: “Die Olympiakandidaten müssen die vom DOSB festgelegte Olympianorm erfüllen und sich gegen die Konkurrenz aus den eigenen Reihen durchsetzen. In jeder Disziplin gibt es drei Qualifikationsregatten. Wer nach Abschluss dieser drei Wettbewerbe unter den Top-Ten-Nationen ist und mindestens einmal in die Top 12 gesegelt ist, hat die DOSB-Kriterien zur „Endkampfchance“ erfüllt.”

Petra Niemann, dreimalige Einhand-Olympia-Starterin für Deutschland, zuletzt 2008 im Laser. © MK

Das war bei den vergangenen beiden Olympischen Spielen für die Laserseglerinnen eine  große Hürde. Zuletzt segelte die Berlinerin Petra Niemann auf höchstem Niveau. Nach 2006 und 07 jeweils mit WM-Silber und -Bronze dekoriert, trat sie 2008 in China als Mitfavoritin an, und wurde schließlich 15. Zuvor war sie zweimal in der Europe bei Olympia am Start (2004 10. Platz, 2000 13.).

Nach ihrem Abtritt qualifizierte sich 2012 noch einmal Franziska Goltz im Laser Radial  für die Olympischen Spiele. Die Schwerinerin belegte in London Rang 2012. Vier Jahre später schaffte keine deutsche Einhandseglerin die Qualifikation für Rio.

Laser Radial Worlds Oman

Frauensegeln at it’s best im Laser Radial. Die Finnin Tenkanen © Mark Lloyd

Nun startet in Melbourne der nächste Versuch. Als Qualifikations-Runde zählt diese WM 2020, die Trofeo Princesa Sofía (Palma/Mallorca/Spanien, 27. März – 4. April 2020)
und die EM 2020 (Kalamata/Griechenland, 16. – 23. Mai 2020). Es gilt, in der Gesamtwertung unter die Top Ten Nationen zu kommen.

Auf dem Papier ist das nicht so einfach. Wenn man nach der Weltrangliste geht, liegen die besten deutschen Seglerinnen auf den Plätzen 24 (Svenja Weger), 47. (Pauline Liebig), 64. (Pia Kuhlmann), 67. (Julia Büsselberg).

Aber das muss nicht so viel heißen. Das deutsche Team umfasst in Melbourne acht Seglerinnen. Sie trainieren zwar in unterschiedlichen Gruppen aber eine große Konkurrenz im eigenen Land hilft immer dabei, das ganz Team auf ein höheres Niveau zu puschen. Wenn die Vorbereitung gut funktioniert hat – viele Deutsche segeln schon seit Wochen auf dem WM-Revier – können einige Seglerinnen zum Saisonhöhepunkt über sich hinauswachsen.

Bei der von den internationalen Trainern organisierten Regatta im Vorfeld, zeigt Julia Büsselberg auf Rang sechs eine gute Form. Aber auch Svenja Weger bestätigte mit einem dritten Einzelplatz, dass sie in die Spitze segeln kann. (Ergebnisse Coaches Regatta). Es waren allerdings längst nicht alle Top-Seglerinnen dabei. Bei der WM dagegen warten 110 Teilnehmerinnen aus 41 Nationen.

Die deutschen Starterinnen bei der Laser Radial WM 2020.

Lena Weißkichel hat für SR mit Weger gesprochen. Die Favoritin für die deutsche Qualifikation äußert sich erwartungsfroh und positiv über das Revier. “Man muss nicht weit rausfahren, der Wind ist sehr verlässlich und schöne Wellen gibt es auch. Die Temperaturschwankungen sind ab und zu ziemlich extrem aber daran gewöhnt man sich.”

Ihre Erwartungen an die WM. “Es ist die WM im olympischen Jahr, das Niveau wird sehr sehr hoch sein. Sollten wir ähnliche Bedingungen wie größtenteils bei den Trainings haben, also viel Wind und Welle, wird es physisch sehr anspruchsvoll.” Vorbereitet fühle sie sich gut. “Wir haben jetzt lange hier trainiert, alle Bedingungen kennengelernt und wichtige Erfahrungen sammeln können.”

Spannend ist die Stimmung im Bootspark unter den acht deutschen Mädels. Ändert sich etwas, wenn sie jetzt um den Olympiastartplatz segeln? Weger sagt: “Ich empfinde die Stimmung immer noch als entspannt. Es ist ja nicht so, dass wir schon in irgendeiner Form direkt gegeneinander um den Olympiastartplatz Segeln. Ich denke es gilt zum jetzigen Zeitpunkt erstmal, einfach selber eine gute Leistung abzurufen. Was dann bei den nächsten Qualis passiert, muss man abwarten.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Laser-Frauen-WM: Start der Olympia-Qualifikation – Acht Deutsche wollen nach Japan“

  1. avatar Laser-Fan sagt:

    Leider haben die Laser/ILCA Radial Damen nicht das Wind-Glück der Männer, Sie kämpfen mit eher schwachem und unbeständigen Windbedingungen.
    Es sind nach 2 Tagen erst 2 Fleet Races in der Qualification in der Wertung, alles ist punktetechnisch bei den deutschen Frauen noch sehr eng beieinander und niemand ist aktuell in den Top Teeny.
    also für die Olympia -Ausscheidung ist noch deutlich “Luft nach Oben”.
    Also mal die Daumen drücken…
    Heute Nacht / deutscher Zeit soll die Qualfication mit 3 Rennen abgeschlossen werden.

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