Laser Schlammschlacht: Neuer Name, altes Boot – Eskalation im Patent-Streit

"The Boat Formerly Known as Laser"

Der Streit zwischen der Laser-Klassenvereinigung ILCA und der größten Werft LaserPerformance hat sich weiter zugespitzt. Immer neue Vorwürfe stehen im Raum. Nun soll das Boot einen neuen Namen haben.

 

ILCA-Dinghy

So präsentiert die Klassenvereinigung ILCA die Namensänderung. © ilca sailing

Eigentlich hätten die Olympia-Aspiranten RS, Melges und Devoti keine Chance haben sollen, tatsächlich 2024 den Einhand-Dinghy-Slot in Paris besetzen zu können. Gegen 215.000 verkaufte Boote weltweit, 14.000 aktive ILCA-Mitglieder, und 50.000 aktive  Lasersegler sollten die neuen Konstruktionen keine Chance haben.

Unerheblich, dass sie sich einen Tick schicker, leichter, oder schneller auf dem Wasser fortbewegen. Die Trials in Valencia schienen nur das Wohlwollen der europäischen Wettbewerbshüter erlangen und den Monopolisten-Vorwurf gegen den Laser-Vertrieb abschwächen zu sollen.

Aber nun zerlegt sich die Klasse selbst. Am 31. August läuft eine seit mehr als 20 Jahren bestehende Vereinbarung aus, die der internationalen Klassenvereinigung ILCA die Rechte zur Nutzung der Marke Laser einräumt. Lizenz-Inhaber ist Laser Performance, die größte von drei Werften, die den Markt in Europa und USA beliefert. Die Verhandlungen über eine Verlängerung sind aus bisher nicht klar erkennbaren Gründen ins Stocken geraten. Und jetzt eskaliert der Streit immer weiter.

Das neue “ILCA Dinghy”

Jüngste Entwicklung ist die ILCA-Bekanntmachung, dass ab sofort alle neuen, klassenkonformen Boote unter dem Namen “ILCA Dinghy” verkauft werden. In der Erklärung heißt es: “Diese Änderung wird keine Auswirkungen auf bestehende von ILCA autorisierte Boote und Ausrüstungen haben, die neben den ILCA Dinghies bei Veranstaltungen segeln können.”

 Laser-Plakette

Die neue Laser-Plakette für das ILCA-Dinghy am Mast. © ILCA

Diese Aktion folge dem Schritt, die Zusammenarbeit mit der langjährigen Laser-Werft LaserPerformance (LP), zu beenden. ILCA führt an, dass LP gegen die Bestimmungen des Laser Construction Manual Agreement verstoßen habe, das darauf abzielt, die Identität aller Boote der Laserklasse zu gewährleisten, unabhängig davon, wo sie gebaut werden.

“Eine solch große Veränderung hat unsere Klasse in ihrer fast 50-jährigen Geschichte noch nicht gesehen”, sagt der amerikanische Klassenpräsident Tracy Usher. “Unsere Mitarbeiter und unser Netzwerk von Interessengruppen haben unermüdlich an einer Lösung gearbeitet, um die ILCA-Mitglieder in allen Regionen der Welt dadurch so wenig wie möglich zu stören.”

Usher weist darauf hin, dass die Namensänderung für alle drei von den ILCA Class Rules erlaubten Rigggrößen (Standard, Radial und 4.7) gilt und die neuen klassenkonformen Segel für jedes Rigg das aktualisierte ILCA-Logo tragen werden.

Lieferengpässe wahrscheinlich

Der Präsident bedankt sich für die überwältigende Resonanz aus den Reihen der Segler und der Industrie, aber es ist längst nicht geklärt, wie die nun folgenden Produktionsengpässe ohne den bisher größten Hersteller in kürzester Zeit aufgefangen werden sollen.

Die beiden verbleibenden Werften Performance Sailcraft Australia (PSA) und Performance Sailcraft Japan (PSJ) bereiten sich zwar darauf vor, die Produktion des neuen ILCA Dinghy zu maximieren, aber es ist schwer vorstellbar, wie die bisherigen Zahlen erreicht werden können.

Caldecoat, der an den vielen Bemühungen mit aktuellen und zukünftigen Lieferanten und Händlern mitgewirkt hat. Sowohl PSA als auch der Hersteller Performance Sailcraft Japan haben vereinbart, den neuen ILCA-Namen und das neue Branding für alle ihre von der Klasse zugelassenen Angebote zu verwenden. Deshalb hat die ILCA eine Ausschreibung gestartet, um weiteren Werften die Produktion nach den strikten Laser-Onedesign-Vorgaben zu gestatten.

Lieferanten unverändert

ILCA-Klassensekretär Eric Faust ist davon überzeugt, den Weltseglerverband auf seiner Seite zu haben. “Nach den jüngsten Gesprächen mit der Führung von World Sailing sind wir sicher, dass wir ihre volle Unterstützung bei dieser Umstellung haben.” Er betont, dass es auch in Zukunft keinen Leistungsunterschied beim Material geben wird.

Die Hauptlieferanten für Masten, Segel und Beschläge bleiben unverändert. Sie werden nur unter einem anderen Markennamen produzieren. Hyde Sails und North sollen die  Segel mit dem neuen ILCA Branding schon in den nächsten Wochen verkaufen.

Usher gibt zu, dass der Zeitpunkt der Situation nicht ideal ist. “Leider mussten wir diese Änderung zu einem Zeitpunkt in der Saison vornehmen, wenn die meisten Bootskäufe getätigt werden. Und wir können nicht versprechen können, dass die nächsten Monate perfekt laufen werden.” Aber er gehe davon aus, dass die beiden bestehenden Werften “eine beträchtliche Anzahl von Booten” nach Europa oder Nordamerika bringen können.

LP will eigenes Territorium schützen

Genau das dürfte aber zu großen rechtlichen Problemen führen, glauben jedenfalls die Anwälte der Gegenpartei von Laser Performance (LP). Niemand dürfe Boote ohne Genehmigung im Territorium von LP verkaufen. Das sei schon früher von den Australiern versucht worden, aber LP habe immer seine Eigentumsrechte verteidigen können.

LP hatte zuvor seine Vorschläge öffentlich gemacht “um die Implosion der Laser-Klassenorganisation” zu verhindern:

“A. ILCA unterzeichnet die Verlängerungsvereinbarung zum Vertrag von 1998, um die eingeräumten Markenrechte weiter zu nutzen.
B. ILCA zieht mit seinem Hauptquartier aus den USA zurück nach Europa, wo 75 Prozent der Lasersegler leben und segeln.
C. ILCA ernennt ein professionelles Führungsteam. Die Mehrkosten sollen von den Werften getragen werden.”

Segler “unmittelbar betroffen”

Unter den Seglern sind die Sympathien für beide Seiten unterschiedlich verteilt. Die deutsche Laser-Klassenpräsidentin Alexandra Behrens hat sich mit folgenden Worten an die Mitglieder gewandt:

“Anders als bei dem seit Jahren andauernden Streit über irgendwelche Lizenzrechte sind wir als Segler von dieser Entscheidung unmittelbar betroffen. Wenn alles nach den Plänen der ILCA verläuft, werden wir dann bald “The Boat Formerly Known as Laser” segeln, da die Markenrechte im Besitz von Laser Performance sind.

Der EURILCA-Vorsitzende Jean-Luc Michon und ich waren entschieden gegen diesen Schritt, konnten uns gegen die übrigen Mitglieder des World Councils aber leider nicht durchsetzen.

Mediation abgelehnt

Als DLAS-Vorsitzende habe ich folgende Gründe, dieser einseitigen Kündigung weiterhin sehr kritisch gegenüber zu stehen: 

– Jean-Luc Michon und ich haben wiederholt eine Mediation vorgeschlagen. Dies wurde von der ILCA abgelehnt mit der Begründung, dass man eine Mediation schon bei mehreren anderen Streitigkeiten erfolglos versucht hätte.

– Für das Verbleiben des Lasers bei Olympia ist ein Rechtsstreit zwischen der Klassenvereinigung ILCA und dem größten Bootsbauer Laser Performance aus meiner Sicht eher kontraproduktiv. Am Ende müssen die Bootsbauer auch den olympischen Vertrag unterzeichnen, und ein Ersatz für Laser Performance ist noch nicht in Sicht. Nach dem erfolgreichen Testsegeln in Valencia ist der Laser in einer sehr guten Position, um bei Olympia zu verbleiben.

– Ein weiterer Grund für die Kündigung ist die schlechte Versorgungslage mit Booten und Ausrüstung in einigen Ländern. Davon ist Europa jedoch nicht betroffen. Im Gegenteil wird sich die Versorgungslage mit klassenlegalen Booten in Europa zumindest über einen gewissen Zeitraum erheblich verschlechtern. Eine Versorgung über den australischen Bootsbauer halte ich für unpraktikabel und teuer. Wie neue Bootsbauer sich etablieren sollen und wer dafür überhaupt in Frage kommt, ist ungeklärt.”

Illegale Laser aus Australien?

Das ist wohl noch nicht das Ende der Laser-Saga. Vermutlich muss der Streit endgültig von einem Gericht entschieden werden. Gut vorstellbar auch, dass sich World Sailing diesen Kampf der Streithähne nicht länger antut. Vielleicht ist es auch wirklich einmal Zeit, mit anderem Material um Olympia-Einhand-Ehren zu kämpfen.

So wurde gerade bekannt, dass einige Laser-Spitzensegler bis zu zehn Segel pro Saison verbrauchen. Ein neues MK2 Standard-Segel kostet immerhin 625 Euro. Außerdem hat LP im Verlauf der Schlammschlacht öffentlich gemacht, dass es durchaus Unterschiede zwischen den produzierten Lasern gibt.

2014 habe eine Überprüfung von Rümpfen des australischen Herstellers ergeben, dass sie teilweise mehr als zwei Kilogramm leichter waren und Segler einen bestimmten Mastfall vorbestellen konnten. Er ist durch die Neigung der Rumpf-Hülse vorbestimmt, in die das Mast-Unterteil gesteckt wird.

Außerdem sollen Rümpfe im Bug-Bereich verstärkt gewesen sein. ILCA habe keine Bestrafung der Australier erwirkt, sondern die übrigen Hersteller  zur gleichen Laminat-Verstärkung aufgefordert. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gab es nicht.

Das Gute an dem Laser-Prinzip ist aber nach wie vor, dass bei den wichtigsten Regatten wie Weltmeisterschaft und Olympia das Material vom Veranstalter gestellt wird. Es lohnt sich also eigentlich nicht, viel kriminelle Energie in das illegale Pimpen des Bootes zu stecken. Dennoch ist es brandgefährlich, wenn Zweifel an der Gleichheit des Materials aufkommen. Dann hat die Klasse ihre Daseinsberechtigung verloren.

 

 

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Carsten Kemmling

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3 Kommentare zu „Laser Schlammschlacht: Neuer Name, altes Boot – Eskalation im Patent-Streit“

  1. avatar Christian sagt:

    Tja, die besten Zeiten des Laser dürfen wohl vorbei sein. Es gibt ja gute Alternativen. Für Olympia allemal. Kein Grund zur Trauer.
    25 kg leichtere Boote sind für alt wie jung auch an Land besser zu handeln.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 15 Daumen runter 2

  2. avatar Till sagt:

    Was ich an der ganzen Geschichte nicht so ganz verstehe ist: LP hat die Namensrechte am Laser, wer hat denn die rechte am Design, und wenn sie nicht bei LP/PS.Ltd liegen wie kommt es dass der Name der Klasse bei einem anderen liegt als dem Rechteinhaber des Designs? Eine solche Situation ist immer suboptimal und führt früher oder später immer zu Problemen.

    Insgesamt liegt da scheinbar ziemlich viel in argen bei der laser Klasse und evtl. Gibt dies einem der moderneren Boote die Chance jetzt durchzustarten, da gibt’s nämlich deutlich mehr für’s geld.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 1

  3. avatar Mike Langefeld sagt:

    Nicht nur wegen des Streites wäre es gut den Laser als olympische Klasse nun ab zu lösen. Neue Boote wie der Aero scheinen besser geeignet zu sein. Warum soll der keine Chance bekommen? Die weite Verbreitung des Lasers kann doch nicht für immer das Gegenargument. Daran wird sich nie etwas ändern. Deshalb muss trotz dem ein neues Boot verbreitet werden. Gruß Mike Langefeld

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