Laser Worlds: Titelverteidiger Philipp Buhl auf Platz sechs nach großer Aufholjagd

Kopftreffer

Philipp Buhl hat eine schwierige Laser Weltmeisterschaft in Barcelona noch in einen Erfolg gedreht. Der letzte Renntag wurde von einem Unfall überschattet.

Wenn bei einer Weltmeisterschaft drei von sechs Renntagen ausfallen, wiegen Ausrutscher besonders schwer. Wenn man dann noch die Serie mit einem vermeintlichen Streichresultat beginnt, droht eine Katastrophe. Laser WM-Titelverteidiger Philipp Buhl langte in Barcelona schon im ersten Rennen mächtig zu. Platz 36 nach schlechtem Start und 39. in der Gesamtwertung – nach gutem 7. Platz.

Philipp Buhl in Barcelona. © Anna Susslova

Der nächste Tag fiel einer hartnäckigen Flaute zum Opfer. Danach schob sich Buhl mit 5/16/17 im zweigeteilten Feld der 136 Boote auf Rang 21 vor. Und nach 16/5/12 in der Goldflotte war er schon sechster. Unerwartet geriet plötzlich sogar noch die Bronzemedaille in Reichweite. Drei Rennen waren für den Finaltag geplant. Aber dieser fiel aufkommendem Starkwind zum Opfer. Ärgerlich für Buhl, der seine Aufholjagd fortsetzten wollte. Aber Platz sechs bei einer Laser-WM ist aller Ehren wert.

Zumal der drehende Wind auf den ersten beiden Plätzen für echte Überraschungen sorgte. Der Neuseeländer Thomas Saunders nahm bei seiner elften Laser-WM in Folge teil, war 2017 schon mal 8. Und zuletzt in Melbourne 21. Aber nun erlebte er die Woche seines Lebens. ER holte den Titel mit 14 Punkten Vorsprung.

Top 13 Laser Worlds 2021

Auch der Silber-Gewinner Finn Lynch aus Irland segelt schon seit neun Jahren Laser, war zuletzt WM 31. und erlebte nun eine ganz besondere Rennserie ohne echten Ausrutscher.

Gleich 28 Punkte dahinter zeigte aber eine echte Klassen-Legende, dass beileibe keine Zufallsergebnisse zur Entscheidung führten. Der Kroate Tonci Stipanovic sicherte sich als einer der großen Favoriten seine dritte Medaille bei seiner 18. Laser-Weltmeisterschaft. Er knüpfte mit 35 Jahren nahtlos an sein zweites Olympia-Silber von Tokio an.

Am Kopf getroffen

Wie schnell eine Rennserie dramatisch schieflaufen kann, zeigt die Geschichte von Michael Beckett, dem aufstrebenden jungen Briten, der vor wenigen Wochen erstmalig Europameister geworden war. Er nahm sein Hochgefühl mit zur WM und lag erneut auf Titelkurs.

Dann folgte im letzten Quali-Rennen eine Disqualifikation, nachdem er kurz nach dem Start einem Italiener vor den Bug gewendet war. Im achten Lauf passierte schließlich ein Unfall. Bei starkem Wind und hoher Dünungswelle startete ausgerechnet Teamgefährte Elliott Hansen eng in Luv, der nach fünf Rennen die WM-Führung innehatte.

Nik Willim

Dieses Bild von der Laser EM 2019 zeigt, wie eng sich die Laser bei starkem Wind und Welle in der Nachstartphase kommen. Kontakte zwischen gegnerischem Bug und Kopf gibt es jedoch selten – Nik Willim rechts im Bild.  © Neuza Aires Pereira

Es kam zu einem harten Zweikampf in extremer Ausreithaltung. Dabei heben und senken sich die Bugspitzen eines Lasers enorm. In einer Welle schlug Hansens Bug plötzlich gegen Becketts Kopf. Der Schlag war so hart, dass dieser für etwa Sekunden bewusstlos war.

Er wurde von Jurymitgliedern gerettet und Trainerin Penny Clarke übergeben, die per RIB mit ihm zum Krankenhaus raste. Nach ausgiebiger Untersuchung wurde Beckett abgeraten, am Finaltag noch einmal bei der WM-Regatta anzutreten.

Teamkollege Hansen war untröstlich. Er gab das Rennen auf und entging damit einer Disqualifikation. Beckett erhielt zwar für das letzte Rennen eine Punkt-Wiedergutmachung, aber diese rettete seine Serie auch nicht. Er landete auf Platz 13.

Gemischte Bilanz

Philipp Buhl eine gemischte Bilanz: „Ich bin ein bisschen stolz darauf, dass ich mich am Ende noch auf Platz sechs vorarbeiten konnte. Wie alle anderen Top-Leute hätte ich aber am Finaltag sehr, sehr gerne noch gesegelt. Hier herrschten heute mit 18, 20 Knoten und zwei Metern Welle beste Bedingungen, für die wir als Olympiasegler ein Leben lang trainieren und für die wir brennen. Da wäre dann auch für mich noch alles möglich gewesen.“

Philipp Buhl. © Anna Susslova

Buhl kritisierte auch die unterschiedliche Qualität der gestellten Jollen, die wie neuerdings beim ILCA 7 Dinghy erlaubt von verschiedenen Herstellern gefertigt werden dürfen. In Barcelona wurden sie die Boote dreier Hersteller ausgelost (Video). Es war der erste Test, wie unterschiedlich die Qualität neuerdings ist. Es hat offenbar nicht funktioniert.

„Die Boote waren nicht gleich”, urteilt Buhl. “Dabei wünschen wir uns als Segler nichts mehr als einen fairen Wettkampf, der die Laserklasse sonst immer kennzeichnet. Für die nächste Weltmeisterschaft, die schon in einem halben Jahr in Mexiko stattfindet, soll das glücklicherweise wieder anders werden.“

Zwei direkte Olympia-Gegner geschlagen

Beim DSV heißt es: “Buhl hat zwar noch nicht offiziell über die Fortsetzung seiner Leistungssportkarriere entschieden, blickt dem kommenden Jahr mit seinen sportlichen Höhepunkten aber optimistisch und tatendurstig entgegen.

Das German Sailing Team in Barcelona: Philipp Buhl, Nik Aaron WIllim, Linus Klasen, Philip Walkenbach. © Anna Susslova

DSV-Trainer Alexander Schlonski sagte in Barcelona: „Philipp ist hier in WM-Teil zwei ein gutes Comeback gelungen. Dabei hat er die bei den Olympischen Spielen noch vor ihm gelegenen Herrmann Tomasgaard und Pavlos Kontides hinter sich lassen können. Natürlich will ein Segler wie Philipp bei jeder Weltmeisterschaft eine Medaille gewinnen oder siegen. Dieses Mal hat es nicht geklappt, doch die nächste Chance kommt schon sehr bald.“

Buhls Teamkamerad Nik Aaron Willim (24) vom Norddeutschen Regatta Verein musste sich auf WM-Platz 56 unter Wert geschlagen geben. Sein 21-jähriger Teamkamerad Linus Klasen vom Verein Seglerhaus am Wannsee segelte auf Platz 61. „Der Verlauf der WM war für unsere jüngeren Segler unglücklich. Ich hätte ihnen eine vernünftige und faire WM mit mehr Wettfahrten gewünscht. Das hätten sie nach ihren zuletzt in Trainings gezeigten guten Leistungen und den wenigen Events in den vergangenen zwei Jahren mehr als verdient.“

Ergebnisse Laser Worlds 2021

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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