Les Sables – Acores: Fink und Burkes erster großer Mini-Auftritt – Biskaya und Ärmelkanal

Ran an den Tracker

Vorhang auf für die erste Mini-Regatta des Jahres. Wie in diesen pandemischen Zeiten üblich, wurde auch diese Regatta mit einem Kuriosum versehen. Statt zu den Azoren und zurück geht’s dieses Jahr ein paar Mal „kreuz und quer durch die Biskaya und den Ärmelkanal“. 

Start zur letzten Azoren-Mini-Regatta. Als es dann auch wirklich zu den Azoren ging… © les sables acores/Breschi

Der Mini-Klassiker „Les Sables-Acores-Les Sables“, als Langstrecken-Qualifier für die alle zwei Jahre stattfindende Mini-Transat die wohl zweitwichtigste Regatta der Mini-Szene, kann in diesem Jahr aus den allseits bekannten Gründen nicht die Azoren anlaufen. Die portugiesische Regierung hat sich seit Beginn der COVID 19-Pandemie klar gegen ein Anlanden ihrer atlantischen Insel-Vorposten ausgesprochen.

Auf dem Plakat wurden die Azoren schon besser versteckt. Aber: sehen so Minis aus? © les sables acores

Sind mittlerweile einzelne Langfahrtsegler wieder mehr oder weniger akzeptiert, stand für teilnehmerstarke Regattafelder bis zuletzt die Seuchen-Ampel auf „Rot“. 

Von Corona gebeutelt

Obwohl die Classe Mini mit ihren vielfältigen Qualifier-Regatten ähnlich wie andere Event-starke Klassen (etwa Figaro) von der 2020-Pandemie besonders stark betroffen war und ist, entschloss man sich zur Organisation des Langstreckenklassikers „Les Sables-Acores-Les Sables“, allerdings mit anderer Routenführung. Dass man dennoch den ursprünglichen Namen beibehielt, mag etwas mit dem Wiedererkennungswert zu tun haben. Es wirkt aber dennoch irgendwie seltsam. 

So ist nun eine der bislang spannendsten Langstreckenregatten im Mini-Zirkus (Cat. A) in drei Teile aufgeteilt worden – und zählt somit „nur noch“ Cat. B.  Etappe 1 ist 197 Seemeilen lang und führt von Les Sables mit hoher Wahrscheinlichkeit rund Belle Ile wieder zurück nach Les Sables (es kann noch kurzfristig wetterbedingte Änderungen geben). Diese Etappe ist Qualifier für die nächstfolgende Etappe. Wer also die 1. Etappe nicht beendet, kann nicht mehr bei der zweiten teilnehmen. 

Etappe 2 startet logischerweise erneut in Les Sables d’Olonnes und wird ca. 470 Seemeilen betragen. Die Strecke führt entlang der Ile de Rè durch den Ärmelkanal zum britischen Land’s End und zurück nach Frankreich in das Städtchen Roscoff. Auch Etappe 2 gilt als Qualifier für Etappe 3. 

Hoffentlich kein symbolträchtiges Bild: Lennart Burke vor dem berühmten Wrack in der Einfahrt von La Base/Lorient © Sam Cade 

Die wiederum wird ca. 870 Seemeilen lang werden und von Roscoff nach Les Sables führen, dabei einen weiten Bogen hinauf zum „Wolf Rock“ in Großbritannien und hinunter zum Cap Estacia de Bares vor der nordspanischen Atlantikküste führen. 

Deutsche Youngster 

Unter den 72 Teilnehmern (17 Prototypen, 55 Serienboote) sind u.a. die Deutschen Lennart Burke (SR Artikel) und Melwin Fink (SR-Artikel) auf ihren Pogo 3 dabei. Beide trainieren seit Monaten im Hochsee-Mekka Lorient unter der Fuchtel des renommierten Trainers Tanguy Leglatin. Die Szene hält mittlerweile große Stücke auf die beiden deutschen Youngster.

Nicht zuletzt, weil sie im Training gute bis sehr gute Leistungen zeigen. Zudem hat sich besonders Melwin den Ruf erworben, den „Kanal nicht vollkriegen“ zu können.  Mehrfach setzte er nach einem (meist anspruchsvollen) Trainingstag inklusive Debriefing nochmal die Segel, um ein paar weitere Stündchen auf dem Wasser rumzuturnen. Aber vielleicht fühlt er sich auf dem Wasser ja einfach nur wohler als in seinem Campingbus, den er zwischen zwei sinistren Bunkeranlagen geparkt hat. Weckfunktion durch frühen Baggerlärm an einer der mittlerweile unzähligen Baustellen in La Base inklusive. 

Melwin in typischer “hinterm Horizont geht’s weiter”-Pose © fink

Melwin musste übrigens bis ganz zuletzt um seine Teilnahme an der Fake-Les-Sables-Acores-Regatta bangen: Der gerade mal 18-Jährige musste noch sein Funkzeugnis machen. Er schreibt auf seiner FB-Site:

„glücklich & geschafft !!!! Im wahrsten Sinne des Wortes. Das längst fällige Funkzeug wurde noch kurz vor der Abgabe zur anstehenden Regatta final ergattert. Das war ein Akt in mehreren Teilen mit komischen Versprechungen von komischen Leuten. Fast schon Kinofilm-reif und -füllend!“ 

Serienboot oder (noch) Prototyp?

Auch Lina Rixgens wird mit dabei sein. Die deutsche Ärztin, die bereits vor zwei Jahren die Mini-Transat beendet hatte, will bekanntlich im nächsten Jahr auf ihrem neuen Wevo-Mini in der Serienwertung möglichst weit vorne mitmischen. Bei dieser Regatta wird Lina jedoch nicht  in der Serienwertung aufgeführt. Die Classe Mini verlangt für ihren Serienstatus, dass mindestens 10 Boote von einem Typ gebaut und verkauft sein müssen. Davon ist die italienische Werft noch etwas entfernt. 

Lina Rixgens im Hafen von Les Sables © rixgens

Entsprechend muss sich Lina mit ihrem Boot bei den mit einigen Quadratmetern mehr Segelfläche und Karbonmasten besser bestückten Prototypen einreihen. Was unterm Strich zunächst einmal nur sekundär wichtig sein dürfte: Wer das Rennen auf dem Tracker verfolgen will, sollte also Lina eher  im Vergleich mit den anderen Serienbooten sehen. 

Ob allerdings die Wevos bis zur nächsten Mini Transat von der Classe Mini tatsächlich als Serienboote anerkannt werden (können), steht auf einem anderen Blatt. 

Ran an den Tracker

Wie auch immer man das kommende Rennen in der Biskaya und im Ärmelkanal betrachten will – es dürfte außerordentlich spannend werden. Die Szene ist sich sicher, dass sich die Ministen in diesem Rennen tatsächlich untereinander messen wollen und nicht nur eine „Test-Qualifier-Regatta“ wie etwa die „Sables-Antarctique“ im Sinn haben. Zusätzlichen Reiz erhält die Regatta durch ihren Debut-Status: Erstmals sind (fast) alle Top-Segler und Favoriten-Aspiranten für die nächste Mini-Transat am Start. 

Etappe 3

Wie sich die Deutschen – Lennart und Melwin zeigen sich ebenfalls erstmals im französischen Mini-Zirkus – in diesem Feld schlagen werden, könnte also durchaus richtungsweisenden Charakter haben. 

Es gilt: Ran an den Tracker!

Start zu Etappe 1: Dienstag, 4. August 2020. Ende der Regatta: Voraussichtlich 28. August. 72 Boote und Einhandsegler aus neuen Nationen am Start, darunter 9 Frauen. 

Event-Website (FRA)

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

2 Kommentare zu „Les Sables – Acores: Fink und Burkes erster großer Mini-Auftritt – Biskaya und Ärmelkanal“

  1. avatar Andreas sagt:

    Miku, Du hast Melvin und Lennart vertauscht. Lennart ist in Lorient in der Trainingsgruppe. Melvin hat Abi machen müssen und ist erst jetzt dazu gestoßen. Müsstest Du nochmal richtig stellen 😉

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  2. avatar breizh sagt:

    Ist die Lilienthal bzw. das Offshore Team Germany hier eigentlich auch am Start? Oder haben die sich aus dem aktiven Mini-Zirkus verabschiedet?
    Freut mich das weitere junge deutsche Skipper in diese Klasse drängen. Allen viel Erfolg und das sie bis zum Schluss dabei sind.

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