Les Sables – Acores: Start am Sonntag, Strecke verkürzt – „unsere“ Helden zuversichtlich

„Bei Nacht so schnell wie am Tag!“

Was machen enthusiastische Ministen, wenn sie nach zwei Leichtwind-Etappen im Sturm auf die dritte Etappe warten müssen? Schlafen, basteln und hoffen: auf mehr Wind im (verkürzten) letzten Rennen.

Burke: Und dann hab’ ich das Feld von vorne kontrolliert © blanchard

Eigentlich hätten die 72 Ministen bereits am Mittwoch zur dritten und letzten Etappe der modifizierten Einhandregatta Les Sables – Acores – les Sables starten sollen. Doch die Wettergötter zeigten sich (weiterhin) schlecht gelaunt und piesackten die Mini 6.50-Segler mit mehreren äußerst ungemütlichen Tiefs, die über den Etappenort Roscoff und dem Ärmelkanal zogen. Und das, nachdem die Nerven der Segler bereits während der ersten beiden Etappen mit extrem leichten Winden, stundenlangen Flautenlöchern, die sich mit 30 Knoten-Böen auf der Kreuz abwechselten, vor der buchstäblichen Zerreißprobe standen (SR-Artikel). Nach dem teils öden Warten auf mehr Wind auf See war nun Warten auf weniger Wind im Hafen angesagt. 

50 Knoten, sechs Meter Welle

Die Wettfahrtleitung wollte ihre Protagonisten verständlicherweise nicht in eine See schicken, die von 50-Knoten-Böen und bis zu 6,5 m hohen Wellen regelrecht kochte. Entsprechend verlegte man den Start der dritten Etappe auf Sonntag Morgen (23.8.), 9 Uhr.

Die Meteorologen gehen davon aus, dass sich bis dahin die Wetterlage so weit beruhigen wird, dass zwar mit einer alten Welle im Bereich von zwei Metern Höhe weiterhin zu rechnen ist, die Windstärken jedoch deutlich nachlassen werden. „Hoffentlich nicht zu deutlich,“ unkte es aus den Reihen der Teilnehmer zurück. Auf eine weitere Etappe in schwachen Winden scheint derzeit keine(r) unter den Ministen „scharf“ zu sein. 

Melwin Fink. © SAS Mini

Aufgrund der relativ langen Standby-Zeit im Hafen von Roscoff geriet der Zeitplan der Organisation gehörig durcheinander. Wohl wissend, dass der größte Teil der Teilnehmer aus beruflichen und familiären Gründen spätestens am letzten Regattatag (28.8.) wieder im Start- und Zielhafen Les Sables d’Olonnes sein will und muss, wurde diese dritte und ursprünglich längste Etappe deutlich gekürzt. Statt der geplanten 880 sm-Route durch den Ärmelkanal bis vor England, dann durch die Biskaya bis vor Spanien und schließlich zurück nach Les Sables d’Olonnes, wurde  heute Morgen um 11:30 h eine auf 500 Seemeilen gekürzte Route bekannt gegeben. Jetzt führt die Strecke von Roscoff in den Ärmelkanal, dann entlang der bretonischen und vendée’ischen Küste bis zu Ile d’Olerant, danach wieder nordwärts rund um die Ile d’Yeu und schließlich nach Les Sables. 

Warten hat auch sein Gutes

Die drei deutschen Teilnehmer Lina Rixgens, Melwin Fink und Lennart Burke sowie der österreichische Maxi-Minist Christian Kargl geben sich im Vorfeld er dritten Etappe zuversichtlich und können der unerwartet langen Standby-Zeit in Roscoff durchaus Positives abgewinnen. 

So berichtet etwa der 18-jährige Melwin Fink (nach 2 Etappen auf Rang 21 in der Serienwertung), dass er sich während der Wartezeit in Roscoff viel mit dem Thema „Schlaf“ beschäftigt habe. Womit er nicht nur das dringend notwendige Ausschlafen nach dem Festmachen im Hafen meinte, sondern auch eine Problematik, die ihm vor allem gegen Ende der zweiten Etappe zu schaffen machte. „Ich habe während der gesamten Strecke nicht in einen Schlafrhythmus gefunden. Diese Treiberei in den Flauten war furchtbar, das Schlagen der Segel, die Windstriche, die immer dort waren, wo ich nicht bin. An erholsamen Schlaf war für mich nicht zu denken,“ beschreibt Melwin. „Wenn du richtigen Schlafmangel verspürst, erhöht sich die Fehlerrate – und schon ziehen die anderen an dir vorbei.“ Doch in Roscoff habe er mit einigen Ministen gesprochen, die schon länger als er dabei sind, sagt Melwin weiter. „Ich habe gute Tipps bekommen, wie ich das besser in den Griff kriegen kann!“ 

Melwin freut sich jedenfalls enorm auf die anstehende dritte Etappe und hofft, wie wohl alle anderen, auf mehr Wind. „Dann ist ja auch der Zustand des Bootes wichtig,“ ergänzt er. „Und auf meinem Boot habe ich bis jetzt noch keinen einzigen Ausfall gehabt, es ist nichts kaputt gegangen. Bei vielen anderen gab es zum Beispiel Probleme mit der Energieversorgung, weil die Sonne nicht genug schien. Auf „Sunovation“ klappte immer alles!“ 

„Segeln zum Abgewöhnen“

Auch Lina Rixgens (bisherige Gesamtplatzierung mit ihrem noch nicht serienreifen Wevo: Rang 15 bei den Prototypen) empfindet die zusätzlichen Wartetage in Roscoff nicht unbedingt als aufreibend, zeigt sich aber mit ihrem bisherigen Regattaverlauf eher unzufrieden. „Es hat ja schließlich einen Grund, warum wir hier warten. Wer möchte schon bei 6 Meter Welle da draußen segeln? Ich habe die Zeit genutzt, Schlaf getankt, hab’ einige Reparaturen am Boot durchgeführt. ich freue mich richtig auf diese dritte Etappe: Endlich Segeln ohne Flaute! Ich will endlich mal zeigen, was mein Boot draufhat!“ Die ersten zwei Etappen seien „richtig hart gewesen“, stellt Lina klar. „Eine Flaute nach der anderen, zwischendurch 30 Knoten bei der Ile d’Ouessant dann wieder Flauten – das war wirklich Segeln zum abgewöhnen!“ 

Lina Rixgens Wevo © blondsign

Außerdem komme ausgerechnet in den Flautenphasen der Schlaf viel zu kurz, erklärt Lina. „Bei wenig bis null Fahrt kann der Autopilot nicht mehr steuern. Also sitzt du stundenlang am Ruder, die Segel schlagen, jeder Windstrich muss ausgenutzt werden und das über Tage und Nächte hinweg. Nervtötend!“ Entsprechend sei sie von ihrem bisherigen Ergebnis enttäuscht: „Ich habe wirklich was anderes erwartet,“ sagt Lina. „Das war zwar der erste Sprung ins kalte Wasser mit dem neuen Boot und es stand hinter allem ein großes Fragezeichen. Außerdem hat mich in er zweiten Etappe der Autopilot auf Höhe Ouessant verlassen, so dass ich bis zum Ende alles selbst steuern musste. Ausgerechnet auf der Zielgeraden hab’ ich dann den Spinnaker eingeholt, weil ich unbedingt schlafen musste. Es war wirklich nicht glorreich, bisher!“ 

„Wie werden wir schneller als die Pogos?“

Der Österreicher Christian Kargl, der bereits vor 15 Jahren eine Mini Transat absolvierte und sich derzeit auf einem Maxi-Plattbug auf die kommende Atlantiküberquerung im nächsten Jahr vorbereitet, sieht sein bisheriges Ergebnis (Rang 20, einen Platz vor Melwin) eher gelassen, wenn auch nicht unsportlich. „Ich nutze die Zeit auf dem Wasser vor allem für den direkten Vergleich mit der Konkurrenz, insbesondere mit den Pogo 3. In den Flautenzonen oder am Wind bei Welle sind wir mit den Scow-Bug-Maxis noch nicht schnell genug, um mit Seglern wie Lennart und Co. mithalten zu können.

Christian Kargl im Öl © kargl

Wir haben hier eine kleine Maxi-Gruppe gebildet, die sich jetzt im Hafen untereinander austauscht. Außerdem stehen wir in engem Kontakt mit der Werft und versuchen so, unsere Boote schneller zu machen.“ Da erstaunt es wenig, dass sich Kargl für die letzte Etappe möglichst lange Raumschotkurse unter Spi wünscht. „Dann können wir endlich mal zeigen, was in unseren Maxis steckt!“ 

„Am liebsten die Biskaya zwei Mal durchquert!“ 

Lennart Burke (bisheriger Rang 3 bei den Serienbooten) sprach mit SR nach Bekanntgabe der Streckenverkürzung. „Ich segle die richtig langen Kurse ja sehr gerne. Und bei diesem Rennen hätte ich mich besonders darüber gefreut, die Biskaya zwei Mal zu durchqueren. Wann macht man sowas schon? Und dann auch noch im Rennmodus! Jetzt, mit der deutlich kürzeren Route, segeln wir im Prinzip auf einer ähnlichen Strecke wieder zurück, wie wir hierher gekommen sind. ich hoffe allerdings, dass wir wirklich mehr Wind bekommen werden als auf dem Hinweg.

Freude über Rang fünf. Burke bestätigte seine Form auf der zweiten Etappe. © SAS Mini

Die Aussichten sind nach heutigem Stand sehr durchwachsen: von Null bis 20 Knoten. Strategisch wird das eher tricky. Wir werden viel unter der Küste segeln, die Flotte wird wieder dicht zusammen bleiben – das wäre alles ganz anders geworden, wenn wir bis hinunter nach Spanien gesegelt wären. Trotzdem, ich freue mich drauf, endlich wieder aufs Wasser zu kommen!“ 

Was sich Lennart für diese dritte Etappe besonders wünsche? „Dass ich endlich bei Nacht genauso schnell segle wie am Tag!“ 

 

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Michael Kunst

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