Les Sables – Azoren – Les Sables: Riechers schlägt sich gut im ungeliebten Leichtwind

Das Problem mit dem Wetter

Riechers, Les Sables – Azoren - Les Sables

Jörg Riechers auf dem OTG-Mini “Lilienthal” © breschi

Wer erwischt wann die besten Winde aus der richtigen Richtung? Auch bei den Ministen stehen gerade wichtige Entscheidungen an – liegt Riechers in nördlicher Position richtig?

Logisch, Segeln ist nun mal eine Sportart, die mehr vom Wetter abhängig ist als die meisten anderen.  Denn mit den jeweiligen meteorologischen Situationen vor Ort steigt und fällt die Anzahl Knoten bei der Windmessung… und Wind ist nun mal das elementare Element beim Segeln. 

So kam es beispielsweise, dass übers Wochenende von der Ostsee ( Bundesliga Travemünde) bis in die Biskaya zwar allerfeinstes Kaiserwetter herrschte, das aber eben nur flaue Winde mit maximal 10 Knötchen Stärke mit sich brachte. 

Was auch die Ministen bei Les Sables – Acores – Les Sables (SAS) zu spüren bekamen. Gefälliger Start unter blauem Himmel, eine kleine Leichtwind-Showrunde vor dem Strand von Les Sables gedreht und dann raus in die Biskaya. 

Bei drei bis (kurz) maximal 11 Knoten Fahrt,  dürften so die eher „vorsichtigen“ Segler mit reichlich Respekt vor dem Ruf der Biskaya und dem bald folgenden Kap Finisterre zufrieden gewesen sein, während Typen wie ein Jörg Riechers mehr als ein Mal bei Geschwindigkeiten um die drei Knoten die Wettergötter verflucht haben dürfte. Denn bei Herrn Riechers muss ordentlich „Druck in der Luft“ sein, damit sein Plattbug „Lilienthal“ mit dem speedsüchtigen Skipper in Hochstimmung kommen. Und nur mit allerbester Laune kann man Außergewöhnliches leisten – was sich Jörg Riechers bei diesem Langstreckenrennen ja durchaus vorgenommen hat (SR berichtete). 

Doch trotz der für Riechers eher ungeliebten Windsituation schlägt sich der Prototyp-Segler des Offshore Team Germany bestens. Seit dem Start am Sonntag Nachmittag segelt er bis auf wenige (rechnerische?) Ausnahmen, unter den ersten Drei des Feldes, meistens sogar ganz vorne an der Spitze. 

Riechers im Norden, die Konkurrenz weiter südlich

Mit der Tracker Meldung heute Vormittag zeigt er zudem, dass er sich mit einer relativ weit nördlich angesetzten Position viel von einer Windströmung aus nördlicher Richtung verspricht, die er bei Austritt aus der Biskaya erwischen könnte. Dort wehen 11 bis 15 Knoten Wind – deutlich mehr also, als die aktuellen drei bis vier Knoten, mit denen sich Riechers derzeit gerade herumschlägt. 

Riechers, Les Sables – Azoren - Les Sables

Kurz nach dem Start – Minis unter asymmetrischem “Grand Spi” © breschi

Seine wichtigsten Konkurrenten im Kampf um die Französisches Solisten-Langstreckenmeisterschaft, die Franzosen Francois Jambou und Erwan le Mené, segeln  südlicher als der Deutsche. Langfristig gesehen hat Riechers bessere Chancen auf stabilere Windstärken von bis zu 17 Knoten, wenn er – was er offensichtlich auch vorhat – im weiteren Bogen Richtung La Horta auf den Azoren segelt. In Landnähe wird der Wind jedenfalls in den nächsten Tagen ablflauen – da sind sich die meisten Vorhersage-Apps einig. 

Was sich hier jetzt so einfach liest, ist für die Ministen eine Art Lotteriespiel. Denn sie empfangen nur ein Mal am Tag über Langwelle eine Durchsage zur Wettersituation und können nicht – wie die Fans zuhause – mal eben schnell bei windy.tv checken, was die nächsten Tage an Wind bringen werden, da elektronische Navigation in diesem Regattaformat verboten ist. Sie müssen anhand von Erfahrungswerten, Berechnungen und natürlich mit dem „Blick in die Glaskugel“ auf eigene Faust ihre eigene Wettervorhersage basteln. Eine Aufgabe, an der sich schon so mancher hervorragende Segler die Zähne ausbiss.

Riechers (größeres Boot) kurz vor Erreichen einer etwas stärkeren Windzone (grün) © yb

Bei den Serienbooten segelt der Italiener Ambroggio Beccaria, seitdem er als Erster die Orientierungstonne vor Les Sables rundete, vorneweg. Er wird dicht gefolgt von Valentin Gautier und Nicolai D’Estais, die mit nur 1,8 bzw. 2,5 Seemeilen Abstand folgen. 

Der zweite Deutsche im Rennen, Sascha Bade, segelt im Serien-Feld derzeit auf Rang 36, mit einem Abstand von 40 Seemeilen zur Serien-Spitze. 

Tracker 

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Michael Kunst

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