Liga-Segeln: Neuer Versuch der US-Premier-League – “Pay to Play”, die Zukunft des Segelns?

"Wie College-Segeln für Erwachsene"

Segelklamotten einpacken, anreisen, Chartergebühr zahlen und Vollgas-Racen. “Pay to Play” nennen die Amerikaner diese Art des Segelns und halten sie für die Zukunft-  zumindest ist Benjamin Klatzka davon überzeugt. Er muss es auch sein, schließlich versucht er seinen Landsleuten schon lange die Faszination des Liga-Segelns zu erklären.

RS21

RS21 in Aktion. © RS

2015 war er schon einmal so weit, die Premiere Sailing League USA zu präsentieren. 72 Vereine waren eingeladen, und die besten vier Teams aus jedem Distrikt sollten die National Championship in Annapolis während der United States Sailboat Show im aussegeln.

Die Regatten sollten nach dem Vorbild der deutschen Liga auf gestellten J/70 Yachten in Kurzregatten nahe unter Land ausgesegelt werden. Auch die neue J/99 war als Klasse bestimmt. Roboter-Tonnen sollten den Organisationsaufwand minimieren – die Amerikaner schienen den Weg gehen zu wollen, den die Europäer schon zurückgelegt haben.

Liga in den USA gescheitert

Aber während das Konzept weltweit immer mehr Freunde gewinnt, durch einen australischen Champions-League-Sieg in St. Moritz weitere internationale Beachtung fand, und nun auch Aussies und Kiwis Feuer gefangen haben, wurde es in den USA ganz leise. Die Bemühungen von Benjamin Klatzka scheiterten.

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Die RS21 bei der britischen Keelboat-League. © RS

Die Gründe sind vielfältig. Die Struktur in den USA mag weniger auf die Vereinssegelei zugeschnitten sein, die Entfernungen sind größer, und der Deal mit J/boats scheint nicht funktioniert zu haben.

Aber Klatzka lässt nicht locker. Er startet nun einen neuen Versuch, die Premiere Sailing League USA (PSL) in die Spur zu bringen. Vom 10. bis 14. Oktober soll im Rahmen der United States Sailboat Show in Annapolis das Liga-Format präsentiert werden.

RS21 Sportboote als Flotte

Ein Deal mit RS Sailboats macht dem Organisator  Hoffnung, dass es diesmal klappt. Die britischen Jollenspezialisten sind offenbar gewillt ihr sportliches RS21 Kielboot mit aller Macht in den Markt zu drängen und folgen damit dem Vorbild der J/70. Die Entscheidung der Werft, die Liga-Segelei als PR-Plattform zu nutzen, um ihr Schiff auch an Eigner zu verkaufen, ist von großem Erfolg gekrönt. Keine Kielbootklasse ist zuletzt schneller gewachsen.

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RS21 unter Gennaker mit Liga-Branding. © RS

Nun drängt RS in diese Richtung und hat schon die British Keelboat League mit einer Flotte RS21 bestückt. Auch in Australien wurden die ersten Liga-Events damit gesegelt. So macht auch ein Deal mit den Amerikanern Sinn.

Klatzka kündigt die PSL vollmundig als “nächste Generation des Segelns” an. Er gehe davon aus, dass bis 2022 genügend Boote für Liga-Events in den Hafenstädten des Landes zur Verfügung stehen werden. Der Serienablauf solle nach dem Vorbild der großen US-Ligen in den USA (NBA, MLB, etc.) organisiert sein. Die Saison dauere vier Monate, um am Ende einen Gesamtsieger zu ermitteln. Angesprochen sind Yachtclubs aber auch “andere Segelorganisationen”. Ob damit auch Universitäten gemeint sind? Diese spielen traditionell in den USA eine wichtige Rolle bei der Segel-Ausbildung.

Zeitgemäßes “Pay to Play” Modell

Einer der US-Liga-Mit-Promoter ist Tucker Thompson, der sich einen Namen als America’s Cup-Kommentator in Bermuda gemacht hat, aber auch schon in der Champions League eingesetzt wurde. 

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Offenes Cockpit. Bügel für die Großschotführung. © RS

Sein Argument für die Liga: “Die Mitgliedschaften in Yachtclubs und die Teilnahme an Regatten geht zurück. Die Leute kaufen und segeln ihre Kielboote nicht mehr wie früher. Segeln auf gestellten Flotten nach dem ‘Pay-to-Play’-Modell ist zeitgemäßer. Dadurch entstehen für die Vereine neue Mitglieder und die Aktiven bekommen ein neues Spielfeld. Alles, was du tun musst, ist aufzutauchen. Es ist wie College-Segeln für Erwachsene!”

Die PSL setzt dabei erneut auch auf die Partnerschaft mit dem Roboterbojenhersteller MarkSetBot. Die Technologie solle in das Ligapaket integriert werden. MarkSetBot-Fernbojen können per GPS in Position gehalten werden – gesteuert von einer Mobiltelefon-Applikation. Dadurch werde der Organisationsaufwand deutlich reduziert. Auch bei der Champions League und in der Schweizer Liga sind schon Robotertonnen im Einsatz. Beim CL-Finale in St. Moritz vertrauten die Organisatoren aber nur sporadisch auf die neue Technik.

Antwort auf schnelllebigen Lebensstil

Die PSL-Macher glauben: “Der Organisationsstil von ‘Pay-to-Play’ wird den Segelsport revolutionieren, weil  Zeit und Geld im heutigen schnelllebigen Lebensstil immer knapper werden.”

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Glitsch unter Gennaker. © RS

Zweck der Liga sei es, ein Format zu schaffen, das Segler mit unterschiedlichem sportlichem Hintergrund bei einem unterhaltsamen, dynamischen und rasanten Wettbewerb zusammen bringt. Es wurde so konzipiert und strukturiert, dass er für die Medien und das nicht segelnde Publikum leicht verständlich ist.

Das Format sieht kurze Rennen vor mit bis zu 20 Rennen pro Tag auf Kursen nahe unter Land – ebenso wie es in Deutschland schon seit sieben Jahren bestens funktioniert. Ob die Amerikaner es diesmal schaffen?

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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