Little America’s Cup: „Groupama“ siegt im Finale wie erwartet – Franck Cammas und Louis Viat unschlagbar

Foilen ab 7 kn am Wind

Während die “große” America’s Cup-Konkurrenz schon auf Bermuda trainiert, nutzt Groupama die C Klasse für die Foil Tests. Und das mit reichlich Erfolg: so deutlich hat zuvor noch keiner den „Little AC“ gewonnen.

Eigentlich war das Finale nur noch ein Pro-Forma-Akt. Franck Cammas und Louis Viat hatten vergangene Woche auf der „Groupama“ bei fast allen Windstärken gezeigt, dass sie den „Little America’s Cup“ auf dem Genfer See nach Belieben dominieren

Doch dann wurde der französische Mehrrumpf-Held doch noch mal nervös. Im Matchrace-Finale standen „Groupama“ das Schweizer Boot „Axon Racing“ mit Benoit Marie und Benoit Morelle gegenüber.

Skipper Benoit Marie, Mini Transat –Sieger 2013 und begnadeter Moth-Segler, wurde mittlerweile als Einzigem zugetraut, Franck Cammas bei diesem Little AC in die Schranken weisen zu können. Vorausgesetzt, es weht nur ein schwacher Lufthauch.

„Unser Bootsspeed wird erst dann überragend, wenn es mit etwa 5-7 Knoten und mehr pustet,“ erklärte Cammas. „Dann foilen wir bereits am Wind, während die anderen noch mit ihren Rümpfen die Wasser pflügen.“ Und genau dieser, einerseits erhoffte, andrerseits gefürchtete schwächste Wind beherrschte die Finalrennen am Freitag und Samstag.

So kam es, dass wenigstens in den Startphasen der Finalläufe auf dem Genfer See so etwas wie Spannung aufkam, weil die beiden Boote zumindest theoretisch gleichauf segelten. Doch dann leistete sich Benoit Marie den taktischen Fehler, von „Groupama“ weg zu segeln, in der Hoffnung einen Windstrich auf der anderen Seite zu erwischen.

Groupama, Little America's Cup

Axon mit Skipper Benoit Marie war der chancenlose Finalgegner von Franck Cammas © contin

“Cammas war schon immer mein Held!”

Aeolus war jedoch Franck Cammas gesonnen, der kurz darauf für ein paar Hundert Meter „abhob“ und von „Axon Racing“ nicht mehr eingeholt werden konnte. Im zweiten Lauf drehte der Wind unerwartet um 100°, eine 7-9-Knoten-Brise erhob sich für kurze Zeit… genug, damit Franck Cammas und Louis Viat den „Sack zumachen“ konnten.

Am Samstag dann Totenflaute – die Segler verbrachten den Tag dümpelnd und wartend auf dem spiegelglatten Wasser, ohne einen Lauf zu segeln.

„Vielleicht bin ich dieses Finale auch mit zuviel Respekt angegangen,“ überlegt Benoit Marie später. „Ich hätte frecher sein sollen. Aber Franck Cammas ist immerhin schon seit ewigen Zeiten mein großes Idol und sein Vorschoter mein bester Schulfreund! Außerdem bin ich vor vier Monaten zum ersten Mal auf einer C-Klasse gesessen. Da hatten die beiden Groupama-Jungs eindeutige Vorteile beim Bootshandling, aber auch bei den vielen kleinen Konstruktions-Finessen, die ausschlaggebend in dieser Klasse sind!. Dennoch: Es ist eine mords Ehre für mich, gegen Franck Cammas verloren zu haben!“

Cammas wiederum gibt sich zuversichtlich: „Für mich war diese Regatta im Hinblick auf den ‚großen’ America’s Cup enorm wichtig. Wir haben viel gelernt – wir beide auf dem Wasser, aber auch das Shore-Team an Land, das mit andauernden, wirklich effizienten Verbesserungen wesentlich zu unserer Dominanz auf Foils beitrug!“

Groupama, Little America's Cup

Sentient Blue: Ein Däne und ein Pole mit britischer Shore-Crew unter Deutscher Flagge © contin

Deutsche Premiere ohne Deutsche

Der diesjährige „Little America’s Cup“ feierte so ganz nebenher auch eine Premiere aus deutscher Sicht: Erstmals war ein Team unter der Schwarzrotgold-Flagge am Start – und schlug sich unterm Strich für einen C-Class-Newcomer bestens!

Im finalen Global Ranking steht die „Sentient Blue“ mit Skipper Thomas Paasch auf einem höchst respektablen vierten Rang. Den erreichten sie durch hervorragende, sich deutlich bei leichteren Winden bessernde Leistungen in den letzten Flottenrennen. Nach dritten und vierten Plätzen bei Rennen Vier und Fünf, siegten sie sogar im (wegen zu leichten Windes) verkürzten Rennen 6 und setzten nochmals in Rennen 7 mit einem zweiten Platz ihre Duftmarke.

Wer jetzt allerdings Deutsche „Helden“ in diesem Team feiern möchte, der wird enttäuscht werden: Skipper Thomas Paasch ist Däne und A-Class-Spezialist, als Vorschoter segelte der polnische Katamaran-Champ Filip Walczak, die „Bastel-Crew” besteht aus Strömungs- und Strukturexperten, die bei Rolls Royce im Brandenburgischen arbeiten. Kopf des Ganzen ist der britische Luftfahrtingenieur Saïf-Deen Akanni, der Mitglied im Berliner Yacht Club ist. Und deshalb „selbstverständlich“ unter Deutscher Flagge starten wollte.

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