Portrait des deutschen Route du Rhum Amateurs Axel Strauss

"Man kann sich nicht immer anbinden"

Von Walter Rüegsegger/NZZ

Axel Strauss winkt zum Abschied auf seinem Weg nach Gouadeloupe. © windquestsailing.com

„Was ist ein Aufschießer?“ Der Segellehrer Axel Strauss schaut seine drei Schüler fragend an. Bevor er mit dem Schulboot beim Wassersportzentrum an der Bellerivestrasse ablegt, wird kurz Theorie gelernt. Dann werden im unteren Zürichsee Manöver geübt.

Axel Strauss ist seit zehn Jahren Segellehrer im Akademischen Sportverband Zürich (ASVZ). Über tausend Mitglieder dieser von der ETH und der Universität Zürich getragenen Organisation haben bei ihm segeln gelernt. Doch jetzt nimmt der gebürtige Deutsche eine dreimonatige Auszeit: Er will an der Route du Rhum starten, dem berühmtesten Atlantik-Rennen für Einhand-Segler.

Der deutsche Segellehrer mit schweizer Pass auf seiner "Tzu Hang" kurz vor dem Start. © windquestsailing.com

Die neunte Auflage führt von Saint Malo über 3500 Meilen nach Guadeloupe. 75 Boote werden in fünf Klassen am Start sein. Strauss nimmt in der Class 40 teil, die mit rund 44 Teilnehmern am stärksten vertreten ist. Diese Bootsklasse wurde ins Leben gerufen, um es Amateur-Seglern zu er möglichen, an klassischen Offshore Rennen teilzunehmen.

Rund hundert Jachten dieses Typs (12, 17 Meter lang, 4,49 Meter breit, 19 Meter Masthöhe, zweimal 750 Liter Wasserballast) wurden bisher gebaut. Axel Strauss hat die Nummer 53, die er 2008 einem Franzosen abkaufte.

Bezahlt hat er das Boot aus der eigenen Tasche, ebenso die 40 000 Euro, die ihn die Kampagne für die Route du Rhum kosten wird. Sponsoren hat er keine, er versucht, so viel wie möglich selber zu machen.  “Ich habe bis jetzt keine Zeit gefunden, um Geld zu suchen», sagt er lachend.

Axel Strauss wurde vor 50 Jahren in Darmstadt geboren. Den ersten Kontakt mit dem Meer erlebte der gelernte Schreiner auf der ostfriesischen Insel Juist, wo er mit den Eltern regelmäßig die Ferien verbrachte. Als Skipper verdiente er in jungen Jahren mit Überführungen und Ferien-Törns den Le bensunterhalt.

Die "Tzu Hang" nimmt in St. Malo das Rennen über den Atlantik auf. © windquestsailing.com

Auf einem dieser Segel Trips lernte er seine spätere Frau Sophie kennen, eine Volleyballspielerin von VBC Vol´ero Zürich. Der leidenschaftliche Segler, der inzwischen den Schweizer Pass besitzt, träumte seit vielen Jahren von einer Teilnahme an der Route du Rhum.

Animiert wurde er durch den Schweizer Laurent Bourgnon, der das Rennen 1992 und 1996 gewann. Im Gegensatz zum Neuenburger oder etwa Bernard Stamm, der in der gleichen Klasse am Start sein wird, ist Axel Strauss kein Profi-Racer. Er bezeichnet sich als Working Sailor, der sein Leben im Segel-Business verdient.

Das Meer macht keinen Unterschied zwischen Profis und Amateuren, die Anforderungen sind die gleichen. Drei Wochen lang wird Strauss allein unterwegs sein und wie die andern gegen Nässe, Kälte, Sturm und Wellen an kämpfen.

Ein weiteres Problem: die Schlaflosigkeit. Mit sogenannten „cat naps“, kurzen Schlaf-Perioden von 15 bis 20 Minuten, will er die Nächte überstehen und so Kollision mit an deren Booten vermeiden.

Der große Gennaker ist gesetzt. Ab geht´s auf der Nordroute über den Teich. © windquestsailing.com

„Wichtig ist, dass man den Fokus auf die drei Wochen hält und von Anfang in einen guten Rhythmus kommt. Man darf nicht zu sehr ans Limit gehen und doch nicht zu langsam segeln“, sagt Strauss, der den Atlantik schon achtmal auf Segelschiffen überquert hat. Strauss, der mit seiner 40-Fuss Rennjacht schon 14 000 Seemeilen absolviert hat, sagt von sich, dass er sich  “mit Sicherheit und Selbstbewusst sein “auf dem Boot bewege.

Ruhm wird er auf der Route du Rhum wohl nicht erringen, aber er hofft auf einen Platz unter den Top Ten. Angst hat er keine, aber Respekt. Er spricht offen vom Risiko, über Bord zu gehen. „Man kann sich nicht immer anbinden“, sagt der Segler. Mit seiner Frau hat er dar über gesprochen. Die Aussenstehen den hätten mehr Angst, sagt Strauss.  „Weil sie nicht mittendrin sind.“

Zu den Aufgaben von Axel Strauss als Segellehrer im ASVZ gehört neben der Schulung auch der Unterhalt der Segeljacht und der zehn Jollen. Sein Vorgesetzter, der Hochschulsportlehrer Fredi Schneider, sagt: „Er ist ein geradliniger Mensch, der durch Fachwissen, Qualität und Handwerk über zeugt.“

Die Stärke von Strauss liege darin, dass er klare Vorstellungen habe und „mit deutscher Gründlichkeit “ein Ziel anvisieren könne. Das sind Qualitäten, die im Hochsee-Rennsport wich ig sind.

„Tzu Hang “ hat Strauss seinen 40-Füßer genannt, in Anlehnung an die Yacht des britischen Ehepaars Smeeton, das in den 1950er Jahren zweimal am Kap Hoorn Mastbruch er litt, allen Widerwärtigkeiten zum Trotz nie aufgab und sich beide Male an die chilenische Küste retten konnte.

Einen Aufschießer segeln möchte Axel Strauss während der Route du Rhum nicht. Die drei Schüler an Bord der ASVZ-Yacht wissen, dass es sich dabei um ein Bremsmanöver handelt. Auf einer Tafel zeigt der Segellehrer, mit welchen Mitteln ein Boot gebremst werden kann. Er tut das sachlich und besonnen, man spürt, dass er aus einem großen Erfahrungsschatz schöpft. Und beim zweiten Hinhören merkt man: Segeln ist sein Leben.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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3 Kommentare zu „Portrait des deutschen Route du Rhum Amateurs Axel Strauss“

  1. avatar Olli sagt:

    Woher kommt dieser merkwürdige Artikel? Aus der Schweiz? 1992 und 1996 gab es gar keine Route du Rhum. Nur 90, 94 und 98. Aber 1994 und 1998 hat tatsächlich laurent Bourgnon gewonnen, nachdem er sich noch 1990 als dritter mit acht Stunden Rückstand Florence Arthaud geschlagen geben mußte.

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  2. avatar Martin sagt:

    Artikel “NZZ am Sonntag” 5.09.2010

    (von hier: http://www.windquestsailing.com/press.html)

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    • avatar Carsten sagt:

      Bei dem Autoren handelt es sich um den geschätzten schweizer Kollegen Walter Ruegsegger, an dessen Seite ich die vergangenen America´s Cups begleitet habe. Er hat die Geschichte für die Neue Zürcher Zeitung (NZZ) verfasst hat. Steht aber auch drüber.

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