Martin Fischer: Deutscher Luna-Rossa-Design-Chef entscheidet Katamaran-Rechtsstreit für sich

Vor Gericht

Es läuft derzeit für Martin Fischer. Der deutsche Flügel-Papst hat einen der wichtigsten und spannendsten Jobs im America’s Cup ergattert, und nun gewinnt er auch noch vor Gericht.

Flying Phantom

Der revolutionäre Flying Phantom darf so nicht mehr ohne Erlaubnis von Martin Fischer gebaut werden. © Phantom International

Martin Fischer gilt als einer der hellsten Köpfe in der Yacht-Szene. Und seit der Fokus des America’s Cups auf dem Foiling liegt, ist sein Marktwert enorm gestiegen. Schon 2014 war er mit dem Luna Rossa Team als Flügel-Spezialist verbandelt. Als die Italiener aus der nächsten Kampagne ausstiegen, wechselte er als Design-Chef zum unterfinanzierten französischen Cup Team (Interview in Bermuda mit SegelReporter). Und nun hat er dieselbe Position bei Luna Rossa inne, ein Syndikat mit größtem Sieg-Potenzial

Fischer gestaltete maßgeblich das radikale Protokoll für den 36. America’s Cup mit und darf nun selber an vorderster Front am futuristischen Design der fliegenden AC75 Einrumpfer basteln. Dabei ist der gebürtige Bremer gar kein echter Cup-Nerd. Seine Wurzeln liegen beim Strandkatamaran-Segeln.

Martin Fischer

Martin Fischer, deutscher Design-Chef beim italienischen America’s Cup Herausforderer Luna Rossa. © Luna Rossa

Er revolutionierte die Formel 18 Klasse mit dem Capricorn-Design, der 2006 die Weltmeisterschaft gewann. Danach war er maßgeblich am Hobie Wild-Cat-Projekt beteiligt und schließlich schuf er in der F18 Klasse den schnellen Phantom, der im Dezember 2011 den EM-Titel gewann.

Urheberrechtsverletzung

Lange Zeit arbeitete er erfolgreich mit den Franzosen von Phantom und schuf auch die heiße Foiling-Version, die bei der Red Bull Foiling Generation im Einsatz ist. Aber diese Beziehung ist nun in die Brüche gegangen. Die ehemaligen Partner haben sich vor Gericht getroffen.

Und Fischer hat gewonnen. Laut einer offiziellen Mitteilung des Pariser Berufungsgerichtes heißt es, dass die Firmen SAIL INNOVATION und PHANTOM INTERNATIONAL wegen einer Urheberrechtsverletzung zu Lasten von Martin Fischer nicht mehr den Phantom 18 und den Flying Phantom auf Basis der bisherigen Konstruktionspläne für die Rümpfe und Tragflächen herstellen und vermarkten dürfen. Phantom werde verurteilt, Ausgleichszahlungen an Fischer zu leisten.

Wie sehr das die bekannte französische Kat-Werft treffen wird, ist nicht bekannt. Zuletzt hatte Phantom überweigend ein anderes Design, den Kat -Foiler FP Essentiel promotet und verkauft.

Martin Fischer 

Martin Fischer bewegte sich lange Zeit eher hinter den Kulissen der großen Segelteams, denen er bei der Entwicklung der sogenannten Anhänge, also den Rudern und Schwertern, half. Sein Spezialgebiet ist eigentlich das Klima. 2000 machte er sich in Neu Kaledonien mit einer Firma selbstständig, die Energieversorgern bei der Wetterberechnung hilft. 

Aber die Strömungslehre wurde für den in der Nähe von Bremen geboren Deutschen, der  in Hamburg Physik studierte, immer wichtiger. Schließlich  entwickelte er die Rumpf-Anhänge für den ORMA 60 Tri „Groupama-2“,  den 150 Fuß Maxi „Groupama-3“, wie auch für den Mega Multi „Sodebo“.

Außerdem arbeitete an den ersten Anhängen für den BMW Oracle Tri für 2010 und revolutionierte nebenbei die Formel 18 Klasse mit dem Capricorn-Design, der 2006 die Weltmeisterschaft gewann. Danach war er maßgeblich am Hobie Wild-Cat-Projekt beteiligt und gehörte zum Design-Team beim Volvo-Ocean-Race-Sieger Groupama.

Der Schritt zum Foiling erfolgte mehr durch ein Spaß-Projekt, das ihn ins Rampenlicht rückte: Einem fliegender A-Cat. Er experimentierte mit Ruder und Schwertern, auf denen sich die auch kleine Kats kontrolliert aus dem Wasser heben.

Inzwischen ist das schon fast ein alter Hut. Fischer schob maßgeblich das Flying Phantom-Projekt an und brachte den GC32 Foiler auf Kurs. Seine Expertise auf dem Gebiet der fliegenden Segelboote ist unerreicht.

Er spielt in der höchsten Liga als Spezialist für Strömungslehre und ist ein echter Promi in der technisch bewanderten Segelszene. Was er anfasst, hat große Dimensionen. Sein Wort hat Gewicht bei den großen Profi-Teams.

Beim Groupama Team France fehlte ihm das Geld um ein schnelleres Boot bauen zu können. Immerhin zeigten die Franzosen Flagge in Bermuda und Fischer und sich verkauften sich achtbar.

Aber der Cup war längst nicht sein einziges Eisen im Feuer der luktartiven Profi-Szene. Fischer ist an den Berechnungen zum neuen Maxi-Triaman “Sodebo” beteiligt. 2019 startet die große Regatta, bei der die schnellsten Multihulls auf Tragflächen um die Welt rasen.

Nun ist er aber als Luna Rossa Design-Chef noch einmal eine Stufe höher gestiegen und wird nict viel Zeit haben für solche “kleinen” Nebenprojekte.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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