Mathew Belcher beim NRV: Alster-Eis-Training mit 470er Goldmedaillen-Gewinner

Treffen mit dem Superstar

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Der australische 470er Olympiasieger Mathew Belcher (30) ist neues NRV Olympic Team Mitglied. Bei einem Besuch in Hamburg trainierte er die 420er Jugend im Schneegestöber. Ein Porträt.

Mathew Belcher im Schneetreiben am NRV

Mathew Belcher im Schneetreiben am NRV. © Peter Kähl

Schneeflocken klatschen auf den knielangen Helly Hansen Parker. Mathew Belcher hat die graue Wollmütze tief in die Stirn gezogen. Die Hände stecken in dicken Handschuhen. Gleich geht es raus aufs Wasser.

Ob er sich das so gedacht hat? Eben noch genoss der 470er Olympiasieger die 25 Grad auf der Sonnenseite der Weltkugel in seiner australischen Heimat Gold Coast, nun steht er auf dem eisigen Alster-Steg. Die NRV Jugend platziert gerade johlend einen Schneemann auf dem Vorschiff eines 420ers und pustet immer wieder in die Hände, um die Glieder warm zu halten.

Ob sie glauben, dass die Trainingseiheit ausfällt? Belcher denkt nicht daran. Er hat dieses Treffen selber vorgeschlagen. Es soll seine erste Gegenleistung sein für die Mitgliedschaft im NRV Olympic Team, in dem einige der besten Segler Deutschlands Unterstützung erfahren.

Aussie Stars werden bestens versorgt

Belcher betont allerdings, dass er keine finanzielle Hilfe bekommt. In Australien werden die Leistungsträger bestens versorgt. Die Aussies waren mit drei Goldmedaillen die erfolgreichste Nation der Segelspiele.

Belcher trainiert die NRV 420er

Belcher trainiert die NRV 420er Gruppe auf der Alster. © Peter Kähl

Es ist die ideelle Nähe, die er beim deutschen Verein sucht. Hier hat er seine Frau Friederike (geb. Ziegelmayer) geheiratet.  Hier ist seine Basis in Europa. Hier bezieht er von seinem Schwiegervater Sebastian Ziegelmayer die zurzeit schnellsten 470er Plastik-Sportgeräte der Welt.

Beim Gruppenbild mit Schneemann und 420er Youngstern sticht der kleine Aussie nicht gerade heraus. Dazu neigen 470er Steuerleute ohnehin nicht. Ihr Idealgewicht von deutlich unter 70 Kilogramm favorisiert eine gewisse Kleinwüchsigkeit. Aber der Mann braucht keine Körpergröße, um groß dazustehen. Er strahlt die Ruhe und Gelassenheit eines Menschen aus, der nichts mehr beweisen muss.

470er Superstar

Mathew Belcher mit seiner Frau Rike (geb. Ziegelmayer) in Weymouth

Mathew Belcher bekommt von seiner Frau Rike (geb. Ziegelmayer) das Gold Küsschen in Weymouth, bevor sie selbst mit Kathrin Kadelbach zum 470er Medalrace ran muss. © Marina Könitzer

Und das hat nicht nur mit der Goldmedaille zu tun, die seine Manteltasche ausbeult. Das Edelmetall aus Weymouth stand zwar wie bestellt am Ende einer vier Jahre langen Phase mit harter Arbeit, hätte aber im dramatischen Olympia-Finale durchaus verloren gehen können. Doch Belcher war schon zuvor 470er Superstar. Seit Dezember 2011 ist er ungeschlagen, seit August 2012 Weltranglisten-Erster und nach drei WM-Titeln in Folge unbestrittener Dominator der Szene.

Und das in einer Klasse, in der man das lange Zeit nicht für möglich hielt. Seit 1976 ist der 470er olympisch und entsprechend ausgereizt. Beim Material sind kaum große Vorteile zu erarbeiten. Auch deshalb sind die Felder groß. Die seglerische Leistung macht den Unterschied aus. Deshalb herrschte viele Jahre eine große Fluktuation an der Spitze. Aber seit Belcher den Siegeszug angetreten hat, scheint diese Regel gebrochen. Der Aussie gehört ohne Frage zu den besten Seglern der Welt.

Aber er ist niemand, dem Erfolge zu Kopf steigen. Geduldig erzählt er den lokalen Zeitungsreportern, was ihn zur eisigen Alster verschlagen hat, lässt sich vom Fotograf herumschubsen und hilft den Youngstern beim Slippen auf dem vereisten, rutschigen Steg.

Schneemann auf dem 470er Vordeck.

Schneemann auf dem 470er Vordeck. © Peter Kähl

Es scheint ihm ein ehrliches Bedürfnis, etwas von seiner Begeisterung für den Sport weiter zu geben. Seine Flamme lodert auch noch nach den kalten Stunden auf der Alster, während der er vom Motorboot aus der NRV 420er Jugend ein paar Kniffe zeigt. Danach braucht es nur einen Becher heiße Suppe und einen Ofen im provisorischen Winter-Clubheim, um den Segelstar vor der Gruppe zum Reden zu bringen.

Bescheidener Ausnahme-Könner

Mit großen Augen folgen die Jugendlichen den Ausführungen. In verständlichem Englisch erzählt er von seinen Anfängen im Segelsport. Langsam mag es einigen dämmern, welch Ausnahme-Könner zu ihnen spricht. Dabei ist er viel zu bescheiden, um über großes Talent oder übermenschliche Fähigkeiten zu referieren.

Sein Weg zur Goldmedaille klingt eher zufällig. Nie hätte er zu denken gewagt, dass es für ihn einmal zu einer solch erfolgreichen Segel-Karriere reicht. Belcher betont, wie wichtig für ihn der Spaß in der Jugendgruppe bei seinem Verein im australischen Gold Coast war.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Mathew Belcher beim NRV: Alster-Eis-Training mit 470er Goldmedaillen-Gewinner“

  1. avatar G54 sagt:

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  2. avatar Hubhub sagt:

    Sehr beeindruckend.

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  3. avatar Thomas W. sagt:

    Toller Bericht Carsten, Auch toll das ungeschnittene Interview hören und sehen zu können. Das hat eine Menge Einblicke in die Welt eines phantastischen Typen gegeben, das hat wirklich Spaß gemacht.

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  4. avatar Segelass sagt:

    Einer der beeindruckendsten Topsegler zur Zeit- ruhig, überlegen, fair. Eine schande, dass er nicht zum Weltsegler des Jahres gewählt wurde (sondern Prügel-Ben),

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