Mein verrücktestes Rennerlebnis: „Dampfnudelregatta“ mit dem 18 Footer am Otterstädter Altrhein

Kleiner Mann ganz groß

Das erklärt er mir morgens, während wir zu zweit am Ufer den 18er aufbauen. Wie immer hat Bastelkönig Werner zahlreiche neue Features verbaut. Stefan, Werners neunjähriger Sohn, schaut uns interessiert zu, wie wir das nagelneue Fathead-Großsegel provisorisch mit viel zu langen Latten ausrüsten.

Eine halbe Stunde vor dem Start frage ich Werner: „Sag mal, wann kommt eigentlich unser dritter Mann?“ Spitzbübisch grinsend zeigt er auf seinen Sohn. „Ähhh, und welchen Job soll der machen?“ „Er steuert.“ Jetzt bin ich endgültig sprachlos.

Ein neunjähriger Steuermann bei einem 18-Footer auf diesem extremen Revier???!! Ok, Werner muss es wissen, es ist ja sein Boot, das wir schrotten. Immerhin hat Stefan schon einige Erfahrung im Opti. Und er ist schon die eine oder andere 29er-Regatta mit seinem Vater gesegelt.

Wie ein Graupner-Server auf einem Modellboot

Wenige Minuten vor dem Start tragen wir den 18er ins Wasser und segeln eine kleine Testkreuz. Stefan steuert erstaunlich gut, aber genau genommen funktioniert er wie ein Graupner-Server auf einem Modellboot. Werner gibt detaillierte Anweisungen, und Stefan setzt sie um: „Anluven. Noch mehr. Wieder ein bisschen abfallen. Jetzt wenden.“

Shit, in wenigen Minuten ist der Start, aber wir sind noch mehrere hundert Meter in Luv der Linie. Werner zögert keine Sekunde: „Spi hoch!“ Und so rauschen wir bei spiegelglattem Wasser mit ordentlich Speed ins Starterfeld. Das Video zeigt den 18er mit Full Speed bei Flaute. Die Häuserlschiff-Segler schauen uns fassungslos an, als seien wir vom anderen Stern.

Als wir versuchen, uns an der engen Startlinie zu positionieren, streifen wir den 3 m langen Lee-Pinnenausleger an einer Varianta ab. Knacks, macht das Kohle-Kevlar-Rohr und treibt nun im Altrhein. „Reini, sammel den Pinnenausleger ein“, brüllt Werner seiner Frau zu, die an Land dem Treiben zusieht.

“Reini, hol die Flex”

Sie ist derlei Aktionen längst gewohnt. Unvergessen in der 18er-Szene ist ein Auftritt von Werner am Gardasee, als er an seinem Skiff ein selbstverständlich selbstgebautes T-Foil-Ruder ausprobierte. Weil die Seitenflügel sich in der ersten Wettfahrt der Regatta als eher hinderlich erwiesen, segelte Werner kurzentschlossen ans Ufer und rief seiner Frau schon von weitem zu: „Reini, hol die Kabeltrommel und die Flex!“

avatar

Christian Stock

Näheres zu Christian findest Du hier

3 Kommentare zu „Mein verrücktestes Rennerlebnis: „Dampfnudelregatta“ mit dem 18 Footer am Otterstädter Altrhein“

  1. avatar Holger sagt:

    Die Story hätte aber in Lautschrift im Dialekt us Heidelbersch geschrieben sein müssen……..!!!

    Mittlerweile ist der kleine Stefan größer als Werner und hat als 29er Testpilot mit unseren 2 29ern
    jeden Abend bei der Opti IDJüM die heissen Opti Segler/innen auf der Strande Bucht zum breit vor Freude grinsen gebracht beim wieder anlanden nach dem segeln……Stefan hatte da jeden Abend gut zu tun Testsegelkandidaten

    Like or Dislike: Daumen hoch 2 Daumen runter 1

  2. avatar tiefenrausch sagt:

    Superbericht! Mehr davon! Was ist dagegen schon ein Mastbruch beim VOC?
    Hier kämpfen die wahren Helden, selbst mit dem Hochdeutsch!
    Ahoi

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 11 Daumen runter 1

  3. avatar Udo sagt:

    Besonders die kniffligen Reviere sind eine gute Schule fürs Regattasegeln. Auf dem Otterstädter Altrhein haben übrigens auch die 49er Bronzemedaillen-Gewinner von Peking 2008 Segeln gelernt.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *