Meinung Meinung: Weder IOC noch Brasilianer werden die Kloake vor Rio säubern

Alles Sch… ?

Rio's Olympian Raw Sewage Problem

Rio's 2016 Olympic water venues are basically as bad as … raw sewage. Eww.

Posted by AJ+ on Donnerstag, 30. Juli 2015

Neue Olympische Disziplin: Segeln in ungeklärten Abwässern, im Müll eines Molochs, im Dreck von Millionen Menschen. Warum das IOC es auch diesmal nicht schaffen wird, zum Wohle der Sportler zu handeln. Mikus Meinung

one earth - one ocean, Müllteppich, Meeresverschmutzung

Soll der Dreck in Rios Guanabara-Bucht unter den Teppich gekehrt werden? © one earth – one ocean

IOC-Präsident Thomas Bach erwartet, dass die Organisatoren der Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro das Problem mit der Wasserqualität in den Griff bekommen. “Wir sind praktisch im täglichen Kontakt mit dem Organisationskomitee”, sagte der Olympia-Chef der Deutschen Presse-Agentur.

“Sie haben verschiedene Maßnahmen vorgeschlagen, die bereits jetzt im Laufen sind”, erklärte Bach. Es werde zudem noch spezielle Maßnahmen während der Spiele geben. “Deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir Bedingungen haben werden, die der Gesundheit der Athleten und einem fairen Wettbewerb Rechnung tragen.”

Vielen Dank Herr Bach, dann ist ja alles erledigt und wir können uns wichtigeren Dingen zuwenden. Wenn sich der Boss persönlich (oder wie soll ich das „wir“ verstehen?) täglich über die Kloake in der Guanabara Bucht vor Rio de Janeiro informiert, dort wo nächstes Jahr die Olympischen Segelwettbewerbe abgehalten werden sollen, dann kann ja jetzt nichts mehr schiefgehen.

Ab sofort werden alle Säuberungsmaßnahmen endlich greifen, die bisher so kläglich gescheitert sind. Bald schon wird statt einer ekligen Brühe, in der Zivilisationsmüll und Tierkadaver treiben, die mit ausgesprochen ungesunden Bakterien, Viren, Keimen, Würmern und sonstigem unappetitlichem Zeugs bevölkert ist, endlich wieder klares, sauberes Atlantikwasser die Karbon- und GFK-Rümpfe der Segeljollen umspülen.

Olympiade, Dreck,

Die Stromkanten sind auf dem Olympiarevier leicht zu erkennen. © STG/Völkers

Klasse! Genau so, wie das auch schon Ihr Vorgänger mit den Spielen in China auf die Reihe gebracht hatte. Als es hieß, Olympische Spiele sollten nur in Ländern zelebriert werden, die Menschenrechte achten. Hat ja auch alles geklappt: Es wurde kein Regierungskritiker mehr festgesetzt, die Armenviertel wurden nicht für Olympische Stätten plattgewalzt, jeder Bauarbeiter fair bezahlt, die Pressefreiheit geehrt, öffentliche Hinrichtungen in (Sport!)-Stadien ausgesetzt.

Eine Frage sei dann aber doch noch erlaubt: Wie um Olympos Willen schaffen Sie das nur?

Es wird keine Besserung geben – es sei denn, Ihr wehrt Euch!

Seit Jahren warnen Medien, Forscher, Ärzte, Chemiker, Biologen und nicht zuletzt Sportler, die in der Brühe der Guanabara Bucht unterwegs sind, vor den gesundheitlichen Gefahren, die dort den Olympioniken drohen. Seit Jahren wird seitens der brasilianischen Behörden beteuert, man tue alles Menschenmögliche, um die Situation bis zum Beginn der Spiele drastisch zu korrigieren. Von 80% Qualitätsverbesserung war die Rede – bisher ist jedoch nicht ein Prozent davon nachweisbar.

Im Gegenteil: Gerade kürzlich hat eine (tatsächlich unabhängige) Studie im Auftrag der amerikanischen Agentur AP erneut gefährliche, gesundheitsschädliche Viren und Bakterien nachgewiesen.

Rio, Olympiade, Müll, Meeresverschmutzung

Zehntausende Tonnen Müll und Millionen Liter Abwässer werden jeden Tag in die Bucht geschwemmt © Secretaria de Estado do Ambiente do Rio

Und das soll sich jetzt zum Guten wenden, weil sich der IOC endlich verstärkt um das Thema kümmert? Abwässerreinigung, Müllauffangbecken, all’ diese Projekte, die Hunderte Millionen verschlingen, die sehr aufwändig zu realisieren sind… all’ dies soll bis in einem Jahr mal einfach so umgesetzt werden?

Warum werde ich das Gefühl nicht los, dass wir schon wieder alle verhohnepiepelt werden? Dass eine groß angelegte Verschleierungs-, Aussitz- und Abwinkkampagne in Schwung gebracht wird? Kein Witz: Just nach Bachs „Wir-kümmern-uns“-Beteuerung meldeten sich erste Medien zu Wort, die behaupten, das sei vor Rio alles gar nicht so schlimm mit der Wasserverschmutzung.

So war vom amerikanischen TV-Sender NBC zu vernehmen, dass man vor Ort gewesen und das Wasser sauber bis rein sei. Kleine Info am Rande: NBC hat die Übertragungsrechte für die Olympischen Spiele in den USA.

Werden wir verhohnepiepelt?

Ach ja, und plötzlich hört man von mehr und mehr Seglern (auch hier wieder vornehmlich Amerikaner), dass die Guanabara Bucht vor Rio nicht nur das schönste, sondern auch das sauberste Segelrevier der Welt sei. Schließlich werden dort seit Jahrzehnten Regatten gesegelt, ohne Beschwerden, versteht sich.

Was heißt dies im Umkehrschluss? Dass all’ diejenigen, die bisher gewarnt haben, Lügner sind. Dass Tausende Fotos von der Kloake gefälscht wurden. Dass beispielsweise deutsche Segler, die mit ihren Booten durch Müllteppiche segelten, schlechtes Dope geraucht haben müssen, das ja bekanntlich Alpträume verursacht.

Rio, Olympiade, Müll, Meeresverschmutzung

Außerhalb der Bucht ist es sauberer. Aber wie kommt man da hin? © Turismo Rio

In manchen Kommentaren in großen deutschen Zeitungen wird eine Boykottdrohung durch die Segler empfohlen. Nur, ein Boykott wirkt ausschließlich dann, wenn alle Segler geschlossen dahinter stehen. Und wie es darum steht – siehe oben. Überhaupt, kann man das von jungen Sportlern, die sich ihr halbes Leben auf diese Spiele vorbereitet haben, erwarten?

Nein, es sind vielmehr die einzelnen Verbände, die sich um „ihre“ Sportler und deren Gesundheit kümmern sollten. Warum wird von deren Seite kein Druck ausgeübt? Warum steht die ISAF nicht auf und macht lautstark auf die Sch… im Olympischen Revier aufmerksam? Und das nicht nur ein Mal, sondern jede Woche! Warum verabreicht der DSV seinen Olympiaseglern lieber eine zusätzliche Hepatitis-Spritze, als sich massiv dafür einzusetzen, dass auf einem anderen, gesunden Revier gesegelt wird?

Lecker: ein ganz normaler Strandabschnitt an der Bucht. Und, nein, dies sind keine Algen, die dort treiben © Secretaria de Estado do Ambiente do Rio

Lecker: ein ganz normaler Strandabschnitt an der Bucht. Und, nein, dies sind keine Algen, die dort treiben © Secretaria de Estado do Ambiente do Rio

Sucht endlich einen anderen Club, gerne ein paar Hundert Kilometer von Rio entfernt, der groß genug ist, alle olympischen Segler und ihre Boote aufzunehmen! Klappt doch bei anderen Austragungsorten seit Jahrzehnten auch, wenn die Segler am anderen Ende des Landes ihre Regatten austragen.

Nur verlasst Euch nicht – wie neulich seitens brasilianischer Behörden in die Diskussion eingebracht wurde  – auf günstige Strömungen und Winde, die angeblich just zur Olympiazeit vorherrschen sollen und die Sch… wer weiß wohin transportieren könnten. Das geht in die Hose, buchstäblich!

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Meinung: Weder IOC noch Brasilianer werden die Kloake vor Rio säubern“

  1. avatar adeeule sagt:

    …. er triffts auf den Punkt….

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 12 Daumen runter 0

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