Zusammenschluss an Route du Rhum Spitze. Riechers wieder auf Platz drei!

"Meist siegt mein Ehrgeiz..."

Das Feld der Class40 liegt an der Spitze wieder nahezu auf einer Linie. Favorit Nicolas Troussel hat es aus dem Süden nicht ganz nach vorne aber knapp vor Jörg Riechers geschafft, der auf einem sensationellen dritten Platz liegt.

Am Wochenende hat sich bei der Route du Rhum bei den Class40 die bisher virtuelle Hierarchie auch real manifestiert. Der Führende Thomas Ruyant konnte sich mit einem Vorsprung von knapp 60 Meilen zwischen Ziel und dem aus dem Süden heranstürmenden Favoriten Nicolas Troussel platzieren. Kurz dahinter liegt sensationell der Hamburger Jörg Riechers auf Platz drei.

Beim Match Race nennt man diese Konsolidierung der Führung “First Cross”. Unglaublich, dass diese Stunde der Wahrheit erst zwei Wochen nach dem Aufsplitten der Flotte in eine Nord- und Südfraktion erfolgte.

Für Riechers können jetzt noch drei Schiffe mit einer etwas nördlicheren Position im Kampf um den Podiumsplatz gefährlich werden. Aber er muss kaum noch befürchten, dass im Süden ein größeres Feld durchrutscht. Zudem bedeutet der angesagte rechtsdrehende Wind, dass er in den nächsten Stunden einen besseren Winkel in Richtung Ziel segeln kann. Aus der Kreuz wird ein Anlieger und schließlich ein Vorwindkurs mit dem normalerweise vorherrschenden Norost-Wind.

Das sind schlechte Nachrichten für Axel Strauss, der sich auf Position zwölf hält. Er hat den großen Spi zerrissen und dürfte ihn für die letzten 300 Meilen bis zum Ziel schmerzlich vermissen.

Riechers schreibt in seinem Logbuch: “Die ewige Gretchenfrage an Bord lautet: Schlafen oder wach bleiben? Es ist ja so verlockend, sich hinzulegen, auszuruhen, zu träumen. Aber das heißt auch, nicht pushen können, Meilen auf die anderen verlieren. Meist siegt mein Ehrgeiz und ich bleibe wach.

Gestern aber ging es nicht anders, ich habe vier Stunden geschlafen. Und muss sagen, das war die beste Entscheidung überhaupt. Ich fühle mich wieder fit, vor allem geht es mir mental jetzt wesentlich besser als noch vor zwei Tagen. Schlaf ist ein absoluter Stimmungsaufheller. Meine Motivation ist – auf einer Skala von 1 bis 10 – eine glatte 11! Was auch super gut tut, sind die “Anfeuerungsrufe” auf meiner mare-Seite. Danke an Euch da draußen. Ihr seid klasse!”

Axel Strauss beschreibt andere Schwierigkeiten: ”

Gestern Abend gab‘s dann die angekündigten Bratkartoffeln mit Buendner Bauernspeck und –Änderung im Menuplan – Spiegeleiern statt Rührei. Alles mit frischen Zutaten. Diese dehydrierte Rennnahrung ist auf Dauer nichts für mich. Man muss trotzdem das Wasser zum rehydrieren (also Gewicht) mitnehmen, oder im Falle einer Meerwasser-Entsalzungsanlage die Energie um diese zu betreiben. Gewichtsmäßig spart man also nicht soviel, höchstens am Aufwand bei der Zubereitung. Klar könnte ich nicht mehr racen, wenn ich mir hier jeden Tag opulente Menüs zaubern würde. Obwohl das natürlich eine Challenge wäre…

Ein Sonnenuntergang von surrealen Farben hat den Genuss meines Dinners noch verfeinert, bevor es dann in der Nacht wieder mit dem Einreff-, Ausreff-, Vorsegelwechselspielchen weiterging. Der Wind hat kontinuierlich zugenommen und der Seegang natürlich auch, und so waren wir bald wieder ziemlich am herumcrashen. Das coole ist, der fatboy, den ich zum schlafen benutze schluckt die ganzen Schläge und man kann wirklich gut relaxen und richtig schlafen..

Gegen morgen kam dann noch eine fette Gewitterfront und für ca. 2 oder 3 Stunden ging ein Blitz nach dem anderen herunter. Da kann man nur hoffen, das nichts einschlägt. Viel mehr kann man wirklich nicht machen. Sonst habe ich noch mehrere fliegende Fische, die sich verflogen hatten, wieder ins Wasser befördert, und mich um den Erhalt dieser Spezies verdient gemacht.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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