Miami World Cup: Heil/Plößel vorne – Drei Medaillenränge – Kohlhoff aufgelaufen

Die richtige Antwort

Die deutsche Flotte glänzt beim Miami World Cup mit zurzeit drei Podiumsplatzierungen. Erik Heil und Thomas Plößel düpierten die Konkurrenz im 49er. 470er Frauen Oster/Winkel sensationell.

Eigentlich spielt die 49er-Musik gerade in Miami. Die besten Teams der olympischen Segelwelt haben sich versammelt, ein Jahr vor den Spielen in Japan die Hackordnung zu bestimmen. In der vergangenen wurde noch viel probiert, Crews fanden sich neu zusammen, Spitzenteams nahmen eine Auszeit, das Leben neben dem Profisport zu ordnen.

Aber nun muss man Vollgas geben. Wer im vorolympischen Jahr keine Form zeigt, fällt aus der Förderung, verliert den Anschluss und wird die Qualifikationsregatten verlieren. So viel wie in diesem Winter wird sonst nie trainiert. Die Newcomer müssen angreifen, die Arrivierten kommen zurück, um ihren angestammten Platz zu verteidigen. 

Burling/Tuke

Burling/Tuke bei ihrer ersten Regatta nach dem Olympiasieg in Rio. © Michael Brown, Yachting New Zealand

Deshalb sind die Ergebnisse beim ersten Weltcup der Saison schon psychologisch wichtig. Es sei denn, man heißt Peter Burling oder Blair Tuke. Die beiden 49er-Olympiasieger machen es anders. Sie lassen sich mal eben Volvo-Ocean-Race-Seebeine wachsen, verpassen zwar knapp den Sieg als Zweite (Tuke auf Mapfre) und Dritte (Burling auf Brunel), gehören aber klar zu den Gewinnern. Sie konnten auch auf hoher See ihre Ausnahmestellung deutlich machen, bevor sie wieder voll in die America’s Cup Verteidigung einsteigen.

Seit Rio keine 49er-Regatta

So zwischendurch segelten sie noch ein wenig A-Cat, belegten bei der WM die Plätze drei (Tuke) und vier (Burling) wollen nun aber noch mal eben ihren 49er-Olympiasieg wiederholen. Dabei saßen seit der Regatta in Rio nicht mehr auf dem Schiff.

Im vergangenen Jahr erklärt Tuke gegenüber neuseeländischen Medien: “Die Olympische Klasse ist die reine Form des Segelns. Das Segelns kleiner Booten macht dich zu besseren Seglern. Man muss es machen, wenn man an der Spitze dieses Spiels stehen will. Wir werden wieder viel vom 49er-Segeln in das Team New Zealand einbringen.”

Den Worten folgten gestern Taten. Parallel zum Weltcup in Miami hat in Auckland die Oceanbridge NZL Sailing Regatta begonnen und Burling/Tuke haben dort angeknüpft, wo sie bei ihrem letzten Skiff-Wettkampf 2016 aufgehört haben – ganz vorne.

Dabei haben es die vierfachen Weltmeister mit durchaus ernsthafter Konkurrenz aus dem eigenen Land zu tun. 16 Boote sind am Start und zwei Teams rangieren in der Weltrangliste auf den Plätzen vier und acht. Der Nachwuchs war nicht untätig.

Die Siege der Bronze-Gewinner

Das gilt auch für den Rest der Welt, der sich in Miami stählt. Und da haben nun auch die Olympia-Dritten Erik Heil und Thomas Plößel zurück in die Spur gefunden nach längerer Studium- und Verletzungspause. Am dritten Weltcup-Tag gaben sie im Fernduell mit den Kiwis die richtige Antwort und legten in ihrer Klasse mit 17/8/1/1 mit Abstand die beste Serie des Tages hin.

Die Siege in Rennen sieben und acht kamen jeweils nach dem gleichen Muster zustande: Steuerbord-Start am Schiff und Anschlag rechts zur Anliegelinie. Der Plan passte perfekt.

Heil/Plößel stark an der Spitze. © Jesus Renedo/Sailing Energy

Das Spiel hat sich bei den Skiffs allerdings deutlich verändert. Es wird nicht mehr in Kleinstgruppen gesegelt. 42 Crews werden nicht in Gold- und Silber-Flotte geteilt. Sie starten alle zusammen. Wenn ein Rennen dann nicht länger dauert als 20 Minuten, bekommt der Start und die Wahl der richtige Kreuzseite ein enormes Gewicht. Wer es schafft, auf der Kreuz nur einmal wenden zu müssen, wie es Heil/Plößel gelang, liegt vorne.

Bei nur einem Streichresultat im großen Feld wiegt zudem ein Früstart-DQ deutlich schwerer mit 43 Punkten als bei halber Flotten-Größe. Auch vor diesem Hintergrund ist der Steuerbord-Start eine gute Waffe. Ob sich die Konkurrenz allerdings noch einmal so düpieren lässt?

Oster/Winkel mit erstaunlicher Leistungssteigerung 

Die 470er-Frauen sind die gemeinsame Flotte längst gewohnt. Weil sie generell in kleineren Feldern segeln, werden sie auch selten geteilt. So kann die erstaunliche Leistungssteigerung von Fabienne Oster und Anastasiya Winkel nicht auf eine Format-Änderung oder besonders extreme Bedingungen zurückzuführen sein.

Oster/Winkel

Oster/Winkel segeln sensationell. © Jesus Renedo/Sailing Energy

Die Weltranglisten-22. haben in den bisherigen vier Rennen mit 4/4/6/6 die bisher konstanteste Serie aller 28 Spitzen-Crews abgeliefert und liegen auf Rang drei, während die Konkurrenz allesamt schon dicke Streicher mitschleppt.

Besonders das vierte Rennen dürfte der Crew vom NRV Mut gemacht haben, dass sie sich tatsächlich in der Weltspitze etabliert hat. Das deutete sich schon bei der WM mit Rang 13 an. Aber wie sie sich im vierte Rennen Seite an Seite mit den Teamkolleginnen Löwe/Markfort bei 12 bis 8 Knoten Wind kontinuierlich von Rang 15 auf 6 nach vorne arbeiteten und besonders das kraftraubende Pumpen vor dem Wind als Stärke nutzten, könnte auf eine Stabilität hinweisen, die sie bisher nicht hatten.

Vorschoterin aus der Ukraine

Das Duo hatte noch nicht viel Zeit zusammen zu wachsen. Vorschoterin Anastasiya Winkel lebt noch nicht lange in Deutschland. Die 25-Jährige startete ihre 470er-Karriere schon vor zehn Jahren in der Ukraine und gewann 2013 mit Steuerfrau Anna Kyselova bei der Junioren WM-Silber und zweimal den EM-Titel, aber dann gab es Ärger im Team und die Vorschoterin stand kurz davor, ihre Karriere zu beenden.

Doch dann lernte die geborene Anastasiya Krasko auf einer Regatta Malte Winkel kennen, einen der hoffnungsvollsten deutschen 470er-Steuerleute, der intensiv um die Olympia-Fahrkarte 2020 kämpft. Die beiden heirateten, und gehen nun parallel auf Titeljagd. 

Mit Fabienne Oster scheint es immer besser zu laufen. Allerdings wurden auch erst vier Rennen absolviert. Stark platziert sind auch wieder Frederike Löwe und Anna Markfort, die 2018 schon EM-Silber gewannen aber dann mit WM-Rang 20 einen Rückschlag erlitten. Sie behaupten mit einer soliden Serie Platz fünf.

Ärgerlicher Frühstart

Auch Victoria Jurczok/Anika Lorenz sind im 49er FX nach sechs von zwölf Rennen mit der Bronze-Position bestens platziert. Ihr Rückstand zu den neuseeländischen Olympia-Silber-Gewinnerinnen Maloney/Meech hätte aber statt 17 Punkten nur 4 betragen sollen. Den Unterschied macht ein Frühstart im letzten Lauf aus, der Rang zwei im Ziel in eine Disqualifikation verwandelte. Sie waren nur wenige Zentimeter zu früh dran und wurden als einziges Boot mit der Strafe belegt.

Der Moment, der für Jurczok/Lorenz zur Frühstart-Disqualifikation führt.

Im Finn gelang Max Kohlhoff im ersten Flautenrennen des Tages eine starke Vorstellung, als er sich auf der letzten Vorwind-Strecke am Franzosen Lobert vorbei in die Führungsposition schob. Es folgten im kleinen 27-Boote-Feld aber noch die Plätze 15 und 13, die ihn auf Gesamtrang 16 rutschen ließ vor Phillip Kasüske, der auf Rang 19 zurück fiel.

Max Kohlhoff bei seinem Tagessieg. © Jesus Renedo/Sailing Energy

Auch Philipp Buhl erlebte einen Rückschlag mit Rang 35 im sechsten Rennen, den er nach seinem Frühstart im zweiten Lauf voll zählen muss. Nach einem verkorksten Rennverlauf in den Mitt-Zwanzigern verlor er auf der letzten Vorwind-Strecke nocheinmal zehn Plätze. Auch Nik Willim erwischte keinen guten ersten Gold-Flotten-Tag bei Wind zwischen 7 und 12 Knoten. Er fiel auf Platz 49 zurück.

Nacra 17 aufgelaufen

Richtig mies erging es auch Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer im Nacra17. Im 7. Rennen kamen sie erst nicht besonders gut in Schwung während den Team-Kollegen Polgar/Werner ein fulminante Steuerbord-Start vor dem Feld gelang, und dann  kollidierten sie Mitten auf der Steuerbord-Anliegelinie während der letzten Kreuz mit einem Unterwasser-Hindernis. Das Schwert spaltete sich, und beim achten Lauf konnten sie nicht mehr antreten. In der folgenden Protestverhandlung wegen der gefährlichen Kurs-Wahl  ließ die Jury eine Wiedergutmachung nicht zu.

Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer

Paul Kohlhoff und Alicia Stuhlemmer liefen mit ihrem Nacra 17 auf. © Jesus Renedo/Sailing Energy

Immerhin klappte die Reparatur bis zum 9. Rennen und sie ließen noch Rang vier folgen. Aber bei nur noch drei ausstehenden Läufen gerät das Medalrace langsam außer Reichweite. Für Polgar/Werner auf Rang 12 sind es allerdings nur acht Punkte. Die Qualifikation wäre ein großer Erfolg.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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