Mini 6.50: Burke/Tessloff beim Duo Concarneau auf Rang 5 –Tessloff berichtet!

Herzschlagfinale

Die Plattbug-Maxis waren auf langem Reach-Kurs kaum zu schlagen, erst auf der Kreuz holten Burke/Tessloff mit ihrer Pogo 3 wieder auf.  „Die schmierten Sandwiches während wir im Tauchgang waren!“

Burke/Tessloff können zufrieden sein: Rang 5 von 59 © breschi

Am Samstag 26.9. starteten um 12:05 Uhr (erstaunliche) 59 Serien-Minis und 16 Mini-Prototypen zur Duo Concarneau. Das ursprünglich für 300 sm ausgeschriebene Rennen war wegen zuviel Wind auf 120 sm gekürzt und de Start um mehrere Tage verschoben worden.  Wie der Name der Regatta schon erahnen lässt, war Start- und Zielort der bretonische Hafenort Concarneau – der Rennmodus war zweihand und somit ideal, um die Boote ein Jahr vor der Mini-Transat im direkten Vergleich, (fast) ohne Schlafmangel gegeneinander antreten zu lassen.

Normalerweise ist das Duo CC nicht gerade ein Highlight im Regattakalender der Ministen. Eine traditionell interessante Regatta, nicht zuletzt weil entlang der südbretonischen Küsten gesegelt wird, die bekanntlich gespickt sind mit netten Gezeiten“fallen“, reichlich Untiefen und nervigen Winddrehern unter Land.  

Doch in diesem Jahr ist bekanntlich alles anders. Nachdem das Zweihand-Highlight Mini-Fastnet wegen Corona ausfallen musste, traf sich die Ministen-Szene nun in Corncarneau, um sich bei einem 130 Seemeilen kurzen 24-Stunden-Rennen mal so richtig „die Kante zu geben“ und um Speed-Vergleiche im größeren Stil als beim Training anstellen zu können. 

In der Szene angekommen

Das Rennen bot in Sachen Windstärke ein „nettes Potpourri“: Von sehr leichten Winden über kurzfristige Flauten bis hin zu 25 kn war so ziemlich alles dabei. Eigentlich Sonntagswetter, war dann auch die einhellige Meinung der meisten Teilnehmer, nachdem sie wieder im Ziel waren. Lediglich die Temperaturen hätten etwas gnädiger sein können: Nachts wurden deutlich unter 10 Grad C. gemessen, entsprechend kamen die meisten Teams im Morgengrauen ziemlich durchgefroren an. 

Zwei deutsche Teams waren am Start: Der (auch in der französischen Szene als solcher anerkannte) Shootingstar Lennart Burke, der gemeinsam mit Oliver Tessloff (Mini-Transat-Serien-Finisher 2017 auf Rang 13)  auf „Spaka Vorpommern“, einem Pogo 3, gemeldet hatte. Und Lina Rixgens, die auf ihrem Wevo-Plattbug den frischgebackenen Dehler 30 OD-Skipper Andreas Deubel mitnahm – beide finishten ebenfalls die Mini Transat 2017. 

Lennart Burke und Oliver Tessloff © burke sailing

Nachdem der 22-jährige Burke bereits beim modifizierten Sables-Acores-Sables-Einhand-Rennen (Corona-bedingt 3 Etappen vor der bretonischen Küste und im Ärmelkanal) fulminant das  Treppchen auf Rang 3 erreichte , war man besonders gespannt, wie sich so ein Youngster im Team „schlagen“ würde. Mit Tessloff hatte sich Burke jedenfalls den besten deutschen Mini-Transat-Finisher in der Serienbootsklasse der letzten Jahre ins Boot geholt. Und Lina Rixgens wollte mit Sicherheit ein Maximum aus ihrem Wevo herauskitzeln, um die für sie eher unbefriedigend verlaufene Sables-Acores-Sables-Regatta abzuhaken. 

Trockene Sandwiches nur für die anderen

Oliver Tessloff berichtet schon seit Jahren auf SegelReporter über seine Segel-Erfahrungen auf den diversen Minis (SR-Artikel). Auch das Rennen gemeinsam mit Lennart Burke beschreibt Tessloff in seiner bekannt-gekonnten „k.k.k.-Art“ – kurz, knapp, klar. 

„Um es gleich vorweg zu nehmen: Das war eine derart intensive Kurzstrecke, wie ich sie selten erlebt habe. Lennart und ich hatten im Vorfeld keine Gelegenheit miteinander zu trainieren und so gingen wir beide ziemlich „erwartungsfroh“ in das Rennen. Beim Start und in den Stunden danach segelten wir mit 5-6 kn Windstärken durch die Gegend und hielten hervorragend mit. Uns gelang ein guter Start, wir hielten uns gut, über lange Strecken auch in Führungsposition der Serien-Minis. 

Flauer Start © duo CC

Nach der ersten Anleger-Tonne war ein langer Reach-Kurs angesagt, der +- die Hälfte des Rennens ausmachte. Unter diesen Bedingungen zeigten sich – einmal mehr – die Maxi-Scowbug-Minis als kaum einholbar. Sie fuhren uns unter Max-Spi bei 20 kn Windgeschwindigkeit einfach davon. 

Und dabei konnten sie noch trocken ihre Sandwiches im Cockpit schmieren, während wir auf der Pogo 3 längst auf Tauchstation unterwegs waren. Das ging so weiter bis Belle Ile. Nachdem wir dort unsere erstaunten Münder wieder zugeklappt hatten, stand eine ziemlich zähe Kreuz zurück in Richtung Concarneau an. Es gab eine unangenehme Welle, doch wir konnten uns – den Stärken der Pogo 3 entsprechend – wieder ganz passabel nach vorne arbeiten. 

Ganz gelassen zu spät gewendet

Wir machten nur wenige taktische Fehler – nachts wendeten wir zum Beispiel einmal zu spät – und warum wir auf den letzten Meilen den vierten Rang um weniger als zwei Minuten verpasst haben – das muss ich mir nochmal so richtig genau auf dem Tracker anschauen.“

Burke/Tessloff beendeten das Rennen nach einem Herzschlagfinale – die Top Five Serien-Minis kamen innerhalb von etwas mehr als einer Viertelstunde ins Ziel – auf einem höchst respektablen Rang 5. 

Tessloff über den jungen Lennart Burke: „Es ist beeindruckend, wie gut sich Lennart innerhalb kürzester Zeit – er trainiert ja erst seit ein paar Monaten in Lorient – in das Thema „Mini-Transat“ eingearbeitet hat. Der Junge hat alles drauf, kennt die Tricks und Kniffe und weiß, wohin er segeln muss. Und vor allem: Er weiß, wie man ein Boot schnell segelt. Das hat auch die französische  Ministen-Szene mittlerweile kapiert und begegnet dem immer gelassen und ruhig segelnden Lennart mit Respekt und Herzlichkeit. Sogar der legendäre Trainer Tanguy Leglatin, unter dem Lennart in Lorient trainiert, gibt dem Deutschen beim Briefing seiner Trainingsgruppen vor dem Start ausnahmsweise Tipps in Englisch. Wer Tanguy kennt, ahnt, dass es sich hier um sowas wie einen Ritterschlag handelt!

75 Minis im Hafen von Concarneau © duo CC

Aber die Luft ist dünn! Die anderen können auch segeln. Das haben wir gerade bei der Duo Concarneau gemerkt. Erlaubt man sich auch nur den kleinsten Fehler, nutzen das zumindest die Spitzensegler gnadenlos aus. Aber Lennart wird seinen Weg in der Hochsee-Szene gehen, da bin ich mir sicher!“

Das Rennen der Prototypen gewann das „Schock-Duo“ Ambrogio Beccaria und Amelie Grassi. Beccaria siegte bei der letzten Mini Transat überlegen in der Serienwertung – übrigens auf dem Boot, das derzeit Lennart Burke segelt. Amelie Grassi musste nach einer Havarie das Feld während der zweiten Etappe „von hinten aufrollen“,was ihr fulminant gelang: Sie beendete die Mini Transat als 9. und gilt seitdem als eines der größten Talente im Hochseesegelsport. 

Die Heldenpose stimmt schon mal: Lennart Burke © duo cc

Bei den Serien-Minis siegte Anne-Claire Le Berre und Davy Beaudart auf ihrem Maxi „Millenium“. Auch Rang 2 wurde von einem Maxi Plattbug belegt, danach folgten drei Pogo 3. 

Lina Rixgens und Andreas Deubel wurden mit Linas Wevo-Serien-Plattbug erneut in der Prototypen-Klasse gewertet, weil das italienische Design noch nicht häufig genug für eine Serienbewertung seitens der Classe Mini verkauft wurde (mindestens 10 x). Im Proto-Feld schafften die beiden Rang 11, bei den Serien-Minis wären sie auf Rang 28 gewertet worden. 

Tracker und Ergebnisse

Im Racemodus für Vorpommern © lennart burke sailing/McLean

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Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

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