Mini 6.50: Lennart Burke bricht Mini-Regatta mit Autopilot-Ausfall ab – SR begrüßt ihn im Hafen

"Aufgeben tut richtig weh!"

Lennart Burke gilt als heißer Podiums-Favorit für die kommende Mini-Transat. Der Saisonstart setzt sich aber wie schon beim Pornichet Select holprig fort. Bei der Traditionsregatta Mini en Mai lief es gerade auch noch nicht rund. Aber er sieht sein Ausscheiden fatalistisch: Besser jetzt, als mitten auf dem Atlantik bei der Mini Transat.

Ziemlich fertig, aber trotzdem lächelnd: Lennart Burke © miku

Da sitzt er nun auf seiner „Spaka Vorpommern“ und bläst Trübsal – zumindest sieht das von 9 Meter weiter oben so aus. Erst vor ein paar Minuten ist Lennart Burke in den Hafen La Base eingelaufen. Es herrscht Gruselwetter: Nieselregen, 25 kn Wind, alles grau in Grau. Die Ebbe ist auf dem Tiefpunkt und die Moral des jungen deutschen Mini-Seglers ganz offensichtlich ebenso. Oder? 

Rekordflotte: 90 Minis

Grund genug für einen ordentlichen Blues hätte Lennart Burke, denn er musste zum ersten Mal in seiner Ministen-Karriere ein Rennen aufgeben. 24 Stunden zuvor war er bei der „Mini en Mai“ gestartet, einer Mini-Traditionsregatta, die vor den Küsten der südlichen Bretagne gesegelt wird und die dieses Jahr mit einem Rekordfeld von 90 Booten aufwarten konnte. Start und Ziel der Regatta ist La Trinité sur Mer, wo die Boote übrigens zwei Tage und zwei Nächte lang zunächst einige Biskaya-Tiefs abwarten mussten, bis sie letztendlich am Dienstag Morgen auf ihren Törn geschickt wurden. 

Schon wenige Stunden nach dem Start, nach dem ersten Vorsegel-Wechsel, fielen auf Lennart Burkes Pogo 3 der Autopilot und das AIS aus. Bei einem Nonstop-Rennen, das ca zwei Tage und eine Nacht dauern sollte, nicht gerade blendende Aussichten. Denn bekanntlich müssen selbst Einhandhelden irgendwann mal schlafen und das klappt eben nur, wenn der Autopilot den Job an der Pinne übernimmt. 

Wie fast immer bei Herrn Burke: Klasse Start © champy mac lean

Ein paar Minuten und einen verdammt glitschigen, langen Leiterabstieg später steht der SegelReporter Herrn Burke gegenüber. Und siehe da – der Segler lächelt und grinst, wie man es eigentlich von ihm gewohnt ist. Die Augen sind zwar im Schlafzimmerblick-Modus, seine Körperhaltung spricht Bände von totaler Erschöpfung und seine Stimme ist auch irgendwie „kleiner“ als sonst. Aber – Irrtum ausgeschlossen – er lächelt. Und berichtet sogleich, alles muss raus: 

„Aufgeben tut schon weh, richtig weh. Aber hey, da ist auch dieses Gefühl, sich trotzdem zumindest bis hierhin durchgebissen zu haben. Ehrlich, es war hart. Hätte nie gedacht, dass permanentes Steuern bei Temperaturen um die 10 Grad, 28 Knoten Wind und alter Welle von den letzten Tiefs so schlauchen können. Es war eine Tortur, obwohl mir der Mond mitunter die See beleuchtet hat und meine Stimmung eigentlich ganz gut war, schlug die Müdigkeit dann im Laufe der zweiten Nachthälfte brutal zu. Und irgendwann kommt dann der Punkt, an dem du nicht mehr weiter kannst. Dann denkt man nur noch an das Eine: Irgendwo an Land gehen das Boot in Sicherheit bringen und schlafen, schlafen schlafen.“

Geht da noch was? © miku

Als Lennart sich schließlich zur Aufgabe durchrang, lag er glücklicherweise auf Höhe seines derzeitigen Heimathafens Lorient. Blinker rechts gesetzt und ab nach Hause – zumindest ein wenig Glück muss man in so einer Pechsträhne haben. 

Lennart berichtet weiter: „Der Start ist mir ziemlich gut geglückt. Und dass die Maxi-Plattbug-Minis bei Reachkursen und Windstärken zwischen 20 und 25 Knoten deutlich schneller sind, war mir ja von vornherein klar. Ich wollte dann auf der Kreuz wieder aufholen – was auch durchaus realistisch gewesen wäre. Doch dann dieser Autopilot- und AIS-Totalausfall. Mein erster Gedanke war: Ein Glück, dass mir das hier und nicht bei der Mini-Transat passiert. Der zweite Gedanke war: Das wird eine lange, schlaflose Nacht! Als ich dann auch noch bemerkte, wieviel Zeit man in den Manövern verliert, wenn der Autopilot nicht mitspielt… das kann schon ganz schön frustrierend sein!“ 

Die nächste Regatta wartet schon

Während diese Zeilen geschrieben werden, liegt Lennart bereits in seinem Regatta-Bus und schläft den tiefen Schlaf der zurückgekehrten Einhandsegler. Und wahrscheinlich wird er sich beim Aufwachen gleich den Kopf darüber zerbrechen, wie es zu diesem Autopiloten- und AIS-Totalausfall kommen konnte. Und wichtiger: Wie man ihn beheben kann.

Auf See, als er noch voll im Regattamodus war, hatte er schon den klassischen Reset-Trick angewandt und alle Kabel gelöst und wieder angebracht. Das Ergebnis war ernüchternd – keine Regung beim Autopiloten. Wahrscheinlich wird er sich nun den einen oder anderen Elektro-Freak zu Hilfe holen, von denen es in La Base einige gibt. Viel Zeit hat er nicht zur Reparatur – am kommenden Montag will er schon wieder los für den Start zur nächsten Mini-Regatta. Die Trophée Marie Agnes Peron soll am 3. Juni in Douarnenez starten.

Dort will Lennart in jedem Fall wieder bei der Regatta mit – und die französischen Ministen aufmischen. 

Übrigens: Noch sind die Mai-Ministen unterwegs. bei den Prototypen segelt Tanguy Bouroullec auf seinem Pogo Foiler gnadenlos vorneweg, bei den Serienbooten sind spannende Positionskämpfe der Top Five, von denen einige als Mini-Transat-Favoriten gelten, zu beobachten. 

Tracker Mini en Mai

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Michael Kunst

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