Mini Fastnet 2019: Scows überzeugen nicht – 7 von 9 Plattbug-Designs scheiden aus

„Es kommt auch auf die Segler an!“

Coville und Trehin rockten die Fastnet in der Proto-Klasse © mini fastnet

Vor der kommende Mini Transat stehen die neuen Plattbug Minis im Blickpunkt. Also werfen wir einen Blick auf die neuen Designs wie etwa Maxi 6.50 oder den Pogo Foiler. Doch bekanntlich ist nicht alles Gold, das glänzt.

Im Mini-Zirkus gilt das Mini Fastnet als die mit Abstand wichtigste Zweihand-Regatta. Auf dem mittlerweile legendären Kurs von Douarnenez/Bretagne, über Bishop Rock am äußersten Südwestzipfel der Britischen Insel zum berühmt-berüchtigten Fastnet-Rock vor Irland und wieder zurück nach Douarnenez zeigen die Einhandsegler in der für sie so „komfortablen“ Duo-Konstellation, was sie „drauf“ haben und was in ihren Booten steckt.

Dies gilt vor allem für Jahre, in denen das Mini-Transat unmittelbar bevor steht. Ein letzter „Check“ vor dem großen Sprung über den Teich, eine letzte Bestandsaufnahme dessen, was unbedingt noch verbessert, verändert und geklärt werden sollte. 

Test zu Zweit fürs Einhandsegeln

Man muss sich das so vorstellen: In den eigentlich auf Einhandbetrieb ausgerichteten Booten sitzen nun zwei Segler, die in den meisten Fällen selbst Ministen oder zumindest erfahrene Seesegler sind.  Typische, im Einhandmodus oft rennentscheidende Faktoren wie Schlafmanagement oder funktionierende Autopiloten sind nur noch sekundär wichtig. Was zählt ist die Performance von Crew und Boot. 

Diese Maxi 6.50 lag an der Spitze des Serien-Feldes, als der Gennakerbaumbeschlag brach © mini fastnet

Zu Zweit hat man die Möglichkeit, ein Optimum aus dem Boot zu holen. Es kann gepusht werden, was das Zeug hält – was übrigens wörtlich zu nehmen ist, wie wir später noch sehen werden.

So ist es fast schon eine Regel, dass vom Podium einer Mini Fastnet mindestens ein oder zwei Ministen auch unter den Top Fünf der Mini Transat wiederzufinden sind. Das gelang vor zwei Jahren etwa hervorragend dem Duo Erwan le Draoulec und Clarisse Kremer.  Die gewannen gemeinsam das Mini Fastnet und kamen wenige Monate später bei der Transat auf der anderen Seite des Atlantiks als erste und zweite Serien-Einhand-Ministen an. Und was auch Jörg Riechers zeigte gemeinsam mit Robert Stanjek eine gute Form, als er 2017 mit seinem taufrischen OTG-Prototypen „Lilienthal“ Rang 3 belegte. Er wurde später bei der Transat Zweiter. 

Ohne hier jetzt abergläubisch aufzutreten – unter diesem Aspekt war es bedauerlich, dass bei der diesjährigen Mini Fastnet-Ausgabe die beiden deutschen Hoffnungsträger für die Mini Transat (Start: 22.September) nicht antraten. Hendrik Witzmann, der gemeinsam mit dem Schweizer Simon Koster (letzte Mini Transat Rang 3 bei den Protos) 2018 noch bestens unterwegs gewesen war fehlte ebenso wie Morten Bogacki, der für das OTG die “Lilienthal” möglichst flott über den Teich hetzen will. 

Mini Fastnet

Noch eine Maxi, die sich hervorragend unter den Minis schlug – bis die Ruderaufhängung brach © mini fastnet

Also hielten Chris Lükermann und Oliver Tessloff auf der Pogo 3 „Orafol“ die Deutsche Flagge im gewissen Sinne hoch – wenn auch ohne große Ambitionen. Unter anderem, weil sie aus Zeitmangel und wegen beruflicher Verpflichtungen nicht gemeinsam trainieren konnten. Und weder Tessloff noch Lückermann werden in diesem Jahr bei der Mini Transat am Start sein. 

Coville: Vom Ultim in den Mini

Ganz anders gestaltet sich die Situation bei den Franzosen. Die mit Abstand größte Ministen-Nation brachte –Tradition verpflichtet – ihre Transat-Favoriten an den Start, und holte sich noch die eine oder andere prominente Verstärkung ins Boot.

So lud etwa der spätere Sieger in der Proto-Wertung Axel Trehin den rekordsegelnden Superstar Thomas Coville an Bord, für den der „Schritt“ vom 100-Fuß Ultim-Trimaran in die 6,50 m kurze Wackelkiste ein gewaltiger gewesen sein muss.

Doch Coville zeigte sich entzückt, nicht nur weil er und Trehin letztendlich siegten. Er sagt danach: „Es ist erstaunlich, was aus diesen Mini-Prototypen herauszuholen ist. Und rein seglerisch musste ich schon lang nicht mehr so fighten, weil die Proto-Spitze irre homogen unterwegs ist. Trotz dreier völlig unterschiedlicher Risse und Konzepte durfte man keinen Moment unaufmerksam sein, sonst wären die anderen glatt an uns vorbei gesegelt!“ 

Teststrecke Mini Fastnet

Womit wir bei den Booten angekommen wären. Es ist kein Geheimnis, dass das Mini Fastnet, weil zweihand gesegelt, für viele Werften, Rennställe aber auch Einzelkämpfer die ultimative Teststrecke für neue Risse, Konzepte und „andere Herangehensweisen“ geworden ist.

So schaute die Szene dieses Jahr mit Spannung darauf, ob der neue Pogo-Foiler von Pogo-Werftchef-Sohn Tanguy Bouroullec tatsächlich schon konkurrenzfähig ist. Oder ob auch hier noch gewisse Umbauten nötig sein werden.

Mini Fastnet

Wird sich ein Rumpfdesign durchsetzen? Oder bleiben die Minis eine “wilde Mischung”? © mini fastnet

Allen Unkenrufen zum Trotz machte sich das neue Design dann aber ordentlich. Allerdings ist nicht bekannt, wie oft Baroullec und sein Co-Skipper Aubrun tatsächlich die die beweglichen Tragflächen abklappten und sich über die Wellen erhoben. Das Potential des Bootes scheint aber nicht ansatzweise ausgeschöpft. Dazu fehlte bisher einfacht die Zeit zum Testen.

Die Regatta startete unter ruppigen meteorologischen Bedingungen (25 bis 35 Knoten Wind) und einer für die Seegebiete vor dem Ärmelkanal typischen, hackigen Welle. Hier segelten alle Teams im Vollwaschgang – und die Foiler-Pogo kam zunächst nur miserabel voran. 

Tanguy Bouroullec hielt sich im Nachhinein sehr bedeckt, ob und wann er die Tragflächen einsetzte. Vermutlich waren die Wellen zu groß. Dabei war der Hinweg rüber nach England und Irland von potentiell schnellen Reachbedingungen geprägt. 

Zudem mussten sich Bouroullec und Aubrun mit einem Ruderschaden rumärgern. Letztendlich segelten sie den größten Teil der Strecke nur mit einem der zwei Blätter im Wasser. Allerdings konnte die „969“ ausgerechnet in Leichtwindpassagen enorm aufholen. Strategie und Taktik passten offenbar besonders gut. Und schließlich landeten Bouroullec und Aubrun auf einem beeindruckenden dritten Rang. Allerdings unkt die Szene: „ Nicht wegen, sondern trotz der Foils.“

Maximales Desaster

Das andere Augenmerk der Mini-Fans lag auf der Serienwertung bei diesem Mini Fastnet. Hier zeigten sich die Scow-Bugs in beeindruckender Zahl: Neun „Maxi 6.50“ aus dem Hause IDB marine standen auf der Meldeliste, zudem drei „Vektoren“.

Doch was naturgemäß zum Schaulauf der Maxi werden sollte, verkümmerte zu einer kläglichen Vorstellung in Bezug auf die Bau- und Ausrüstungsqualität der IDB-Boote. Was sich schon im Vorfeld durch immerfort bastelnde (und fluchende) Maxi-Eigner erahnen ließ (bei zwei Booten ist bereits eine Delaminierung bekannt), bestätigte sich im Rennen: Sieben Maxis gaben wegen Materialschäden das Rennen auf. 

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Lükermann und Tessloff vor dem Start: Angst vor den paar Knoten Wind? © elodie

Bei vier Maxi-Minis brachen die Ruderbeschläge, bei zwar „starken, aber keineswegs extremen Windstärken,“ wie Oliver Tessloff die Situation auf See beschrieb. Bei den anderen Maxis brach die Aufhängung des Gennakerbaums. Zudem schlugen sich einige Maxis mit massiven Elektronik-Problemen herum. Summa sumarum keine gute „Visitenkarte“ für anstehende Langstrecken. 

Obwohl das Potential durchaus vorhanden ist. So lag die 979 etwa auf halber „Hinstrecke“ unter den erwähnten Reachbedingungen deutlich an der Spitze der Serien-Minis (also vor dem italienischen Dauersieger Beccaria). Aber dann brach der Gennakerbaum -Beschlag und das Team gab auf. Auch die 951 zeigte anfangs auf Rang 2 Stärke, aber dann verabschiedete sich die Ruderaufhängung .

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Zumindest bei den Protos wurde die alte Hackordnung “Spitz(er) vor Plattbug” wieder hergestellt © Francois Denis

Oliver Tessloff, der selbst für eine anstehende Mini Transat-Kampagne 2021 mit einem Scow Bug-Design liebäugelt, zeigte sich entgeistert: „Sowas ist natürlich keine gute Visitenkarte für ein Serienboot. Zumal das Problem mit der streicholzdünnen Ruderaufhängung jedem, der sich die Maxis näher angeschaut hatte, schon seit der Baunummer 1 aufgefallen ist. Hier hätte man seit Langem reagieren können und müssen.“ 

Doch auch die drei Vector-Scow-Bugs überzeugten nicht vollständig. Zwar kamen sie ohne Schäden ins Ziel und waren relativ stark auf den Reachkursen unterwegs. Auf dem Rückweg vom Fastnet Felsen Richtung Douarnenez, der zu einem großen Teil platt vor dem Laken und bei eher leichtem Wind stattfand, wurde die „Vector“ dann wieder eingesammelt. 

Tessloffs Fazit: „Die Bau- und Ausrüstungsqualität der Maxi 6.50 muss sich deutlich verbessern und für die Vector bleibt abzuwarten, wie gut sie sich schlagen, wenn sie von Spitzen-Miniseglern rangenommen werden. Bleibt eigentlich nur ein Warten auf die Pogo 4!“ 

Tatsächlich ist schon seit einiger Zeit die Rede von einem neuen Serien-Mini aus dem Hause Pogo, der die erfolgreiche Pogo 3 ablösen soll. Von einer Art Hybrid-Design – also zwischen plattem und spitzem Bug – ist die Rede. Doch wie weit man hier tatsächlich bereits gekommen ist, bleibt unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.  

Dass man mit vermeintlich veralteten Designs siegen kann, zeigte bei dieser Mini Fastnet jedenfalls mal wieder der Italiener Ambrogio Beccaria, der gemeinsam mit Landsmann Riva auch in diesem Rennen triumphierte – auf einer Pogo 3. O-Ton Beccaria: „Es kommt eben auch auf die Segler an!“ 

Mini Fastnet Tracker (für den Schnell-Durchlauf)

Mini Fastnet Homepage (Englisch und Französisch)

Oliver Tessloff und Chris Lükermann finishten auf Rang 17

Marc Eric Siewert und Amelia Ralphs segelten auf dem Proto 614 „Annika“. Sie wurden nach unseren Informationen wegen Durchsegeln eines DST disqualifiziert. 

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Michael Kunst

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3 Kommentare zu „Mini Fastnet 2019: Scows überzeugen nicht – 7 von 9 Plattbug-Designs scheiden aus“

  1. avatar breizh sagt:

    Puuhh, endlich mal wieder inhaltlich gehaltvoller Lesestoff hier! Dafür schon einmal vielen Dank, dass sich Miku dem Mini Fastnet angenommen hat. Ein richtiger Mini-Segler lässt sich halt so ein Fastnet nicht entgehen, von daher Gratulation an Lükermann und Tessloff zum Zieldurchlauf. Was ist eigentlich mit der Mex Crew los? Wäre doch bestimmt auch was gewesen, nach der letzte erfolgreichen Regatta.

    Wenn Coville das nächste Mal auf seinen Ultim geht verläuft der sich doch glatt. Oder er nimmt jetzt einen Mini als Beiboot mit.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 4 Daumen runter 0

    • Die Mex Crew hätte nicht starten dürfen, da sie ja bisher kein C-Race gesegelt sind – dafür hätten sie aber sicher Unterstützung aus dem Mini-Lager bekommen – nur zusammen wäre es nicht gegangen.

      Es sieht aber so, dass sie das Transgascogne segeln, was wohl geht, wenn Maurice jetzt seine 1000sm hinter sich bringt.

      Ansonsten – wie schon bei FB geschrieben – sehe ich die Zeit der Serienscows als sicher und der Transat Sieg geht wohl nur deswegen an einen P3 weil so jemand wie Ambrogio die Kiste segelt. Die Dominanz im Reach war schon beeindruckend und sicher für den erfolgsgewohnten Ambrogio nicht einfach zu verdauen.

      Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 1

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