Mini-Fastnet: Melwin Fink im Serien-Mini auf klasse Rang 8 – Pogo Foiler dominiert weiter

Starker Auftritt!

Melwin Fink hat bewiesen, dass er einen  gewaltigen Leistungssprung seit letztem Jahr geschafft hat. Wäre da nicht dieses Malheur am Ende gewesen – es hätte auch zu den Top Five gereicht!

Altersdurchschnitt: 20 Jahre © melwin fink

In den Monaten vor einer Mini-Transat setzt die Mini-Fastnet immer gewichtige Akzente in der Szene. Zwar wird das Rennen zweihand gesegelt, doch gerade deshalb ist der Speedvergleich zwischen den Booten während dieser Regatta immer wieder aufs Neue eine spannende Angelegenheit. Schlafmanagement ist zu Zweit ein tertiäres Thema, dasselbe gilt für etwaige Autopiloten-Probleme. Oder anders auf den Punkt gebracht: Es kommt auf die Segelperformance an. Nicht mehr und nicht weniger. 

Dieses Jahr war die Startlinie der Mini-Fastnet zwar wieder traditionell vor Douarnenez ausgelegt, doch ging der Kurs der Regatta (coronabedingt) nicht rüber zum Fastnet-Felsen, sondern entlang der bretonischen Küste. Navigatorisch nicht unbedingt die leichtere Variante, aber zumindest ist man dem Schiffsverkehr im Ärmelkanal somit nicht auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. 

Der Foiler Pogo dominiert weiter! © winches club

Zudem bescherten die Wettergötter den 83 Booten (20 Prototypen und 63 Serien-Minis) eher schwache bis mittlere Windstärken, die aus den rund 600 Seemeilen die Nerven (über)strapazierten. 

Wachablösung?

Der deutsche Mini-Überflieger Lennart Burke war mit seiner „Spaka Vorpommern“ diesmal nicht am Start – er hat noch letzte Transat-Vorbereitungen am Boot zu erledigen und musste Sponsoren-Verpflichtungen auf der Ostsee nachkommen. Doch die „deutsche Flagge“ wurde mehr als würdig von Melwin Fink hoch gehalten – Rang 8 in der äußerst stark besetzten Serien-Wertung ist ein „dickes Pfund“ für den erst 19-jährigen Segler und mit Sicherheit eine Platzierung, die für Selbstbewusstsein in Sachen „Mini-Transat“ sorgt.

Sommer-Stimmung beim Mini-Transat © winches club

Wie stark und homogen die derzeitige Mini-Flotte in beiden Typenwertungen ist, zeigte sich bei dieser Mini-Fastnet nicht zuletzt in den engen Positionskämpfen, die sich die Leader , aber auch das „middle-of-the-pack“ untereinander lieferten. Beispielhaft spannend waren die letzten Seemeilen vor dem Ziel, wo bei den Prototypen wie auch bei den Serien-Minis Sekunden- und Minutenabstände über Sieg und Platzierung entschieden. 

Bouroullecs Triumphfahrt

Bei den Prototypen waren die Kämpfe um Platz 1 und 4 eng, sogar sehr eng. Zwischen 787 und der 800 (4. und 5.) unter den Skippern Nolwen Pébelier-Frederic Moreau und Irina Gracheva-Mickael Ryking betrug der Abstand nur 7 Sekunden! Für die Führenden kam es auf die Passage der Occidentale de Sein an, als Bouroullecs „Pogo Foiler“ die Annäherung an die Marke deutlich besser meisterte und einen Vorsprung von mehr als vier Meilen auf „TeamWork“ heraussegelte. Zuvor hatte „Teamwork“ über weite Strecken das Rennen bestimmt und den Takt vorgegeben. Dennoch kreuzten sich die Kurse von Teamwork und Pogo Foiler ein Dutzend Mal – im Ziel trennte sie dann immerhin eine Stunde. Bouroullec schaffte so mit seiner fünften Mini-Fastnet-Teilnahme eine sensationelle Rangfolge. Er finishte als Fünfter, Vierter, Dritter, Zweiter und nun als Sieger!

Wahnsinnsklasse: Über 80 Boote am Start © winches Club

In der Serienwertung kam es vor allem darauf an, auf einem 220 Seemeilen langen Am-Wind-Kurs zurück Richtung Norden die zuvor im eher schwachen Wind ersegelten Positionen zu verteidigen. Bei der „Chaussée de Sein“ wurden Wind und See deutlich stärker – alles andere als ideale Bedingungen für die bei den letzten Rennen so erfolgreichen Plattbug-Maxis. Entsprechend besetzten diesmal die Pogo 3 die ersten Ränge. 

Gaël Ledoux, begleitet von Julien Pulvé feierte seinen ersten Sieg (in Serie) auf seinem 886 „Haltoflame“ vor 893 „Groupe Adre“. Hier betrug der Abstand immerhin noch eine halbe Stunde. Doch dann ging es „Schlag auf Schlag“: Es folgten mit 3 Minuten Abstand „Velotrade“ auf Rang 3, weitere 5 Minuten dahinter „Les Optiministes“ und nochmals 3 Minuten später „Race For Pure Ocean“.  Wohlgemerkt, nach ca. 600 gesegelten Seemeilen in fast vier Tagen!

Alle sind schnell! Alle!

Auch rund um Melwin Fink auf seiner „Sign for Com“ wurde es ausgesprochen eng. Der Deutsche musste seinem italienischen Konkurrenten Alberto Riva um lächerliche eineinhalb Minuten den Vortritt lassen und Jean Marre auf „Anacoluthe“ saß Melwin mit weiteren drei Minuten Abstand im Nacken. 

Melwin und Gavin auf der Kreuz © melwin fink

Was jedoch nicht Melwins klasse Leistung schmälern kann. Lassen wir ihn selbst berichten: 

„Ich war mit Gavin Naveos unterwegs, ein 21-jähriger Franzose, er jetzt schon mein Boot für eine Teilnahme bei der Mini-Transat 2023 gekauft hat. Wir waren also mit Sicherheit das jüngste Team am Start. 

15 Uhr ging es los, bei Leichtwind, fünf bis 10 Knoten. Eine lange Kreuz, raus aus der Bucht von Douarnenez. Wir sind richtig gut weggekommen, haben uns weit vorne positioniert und konnten den Rang gut halten. Wir kamen gemeinsam mit dem Pogo Foiler beim berüchtigten Raz de Sein an. Dort herrschen extrem starke Strömungen, wir haben trotzdem die „Einfahrt“ gewagt… und fuhren prompt in eine Flaute. Das haben die Nachfolgenden gleich bemerkt und sind außen rum gesegelt. Für uns hieß das: mit 4-5 kn Strömungsgeschwindigkeit durch die Enge treiben lassen. Danach mussten wir uns in der Mitte wieder einreihen. 

Enorme Leistungsdichte

In der folgenden ersten Nacht müssen wir irgendwas richtig gut gemacht haben, vielleicht haben die anderen aber auch einfach nur ein wenig mehr geschlafen als wir, jedenfalls waren bei Sonnenaufgang am nächsten Morgen nur noch drei oder vier Serienboote vor uns. 

Den ganzen Tag über ging es auf einem Downwind-.Kurs Richtung Ile d’Yeu, die wir abends rundeten. Dort schob sich das Feld aufgrund von Schwachwinden und teils fiesen Drehern wieder zusammen. Wir haben uns jedoch relativ weit von der Insel entfernt gehalten, was sich auszahlte. Danach Vollgas auf Reachkurs zur südlichsten Wendemarke. 

Eigentlich sind die Pogos das ganze Rennen über vorne zusammen geblieben, aber auf diesem Kurs kamen dann die Maxis beängstigend schnell von hinten wieder auf. Auf so einem starken Reach schaffen die mindestens 1,5 kn mehr Speed! Um die letzte Wendemarke BXA sind wir dann mit fünf Pogos zusammen rum, danach ging es 220 Meilen Upwind – also wieder ein „Pogo-Kurs“. 

Es wurde eng gesegelt – immer ! © winches club

Natürlich gibt es da verschiedene Taktiken, wir haben uns jedenfalls etwas mehr offshore gehalten, auch weil dort draußen ein Dreher angekündigt war, der aber dann doch nicht stattfand.

Nach den langen, heißen Schwachwindtagen kam dann mieses Wetter auf. Die Sonne verschwand hinter dichten Wolken, es blies mit 25 kn Windstärke, regnete und die Sicht war miserabel. Wir haben keine anderen Boote mehr gesehen. Prompt fielen dann – wohl durch die Feuchtigkeit – GPS und AIS aus. Was natürlich etwas blöd war, weil wir keine Position mehr nehmen konnten und keine Ahnung hatten, wo die anderen waren. Es wurde eine endlose Kreuz! 

Matchrace zum Ziel

irgendwann hatten wir die anderen dann sozusagen auf Rufweite und wir fuhren alle den exakt gleichen Speed, es war irre! An der Wendemarke, vor der erneuten Einfahrt in die Bucht von Douarnenez kamen dann alle Pogos, die zwei Tage zuvor unten im Süden gemeinsam die Tonne gerundet hatten, erneut zusammen. Nach 220 Seemeilen, hatte kaum einer auch nur einen halben Knoten verschenkt!

Also wieder Matchrace in Richtung Ziel. Kurz am Wind, dann an der vorletzten Tonne ging überall der Spi hoch. Wir haben uns da etwas übernommen und den Max-Spi gezogen, was für die Windstärke und den spitzen Winkel zu viel Segelfläche nach sich zog. Doch die meisten anderen hatten den gleichen Fehler gemacht, insofern haben wir keine Platzierung verloren – wir lagen auf Rang Fünf! 

© winches club

Also haben wir auf Code Zero gewechselt, waren „gut in Fahrt“ und rechneten uns schon Chancen auf Rang 4 aus, als es plötzlich laut knallte und der Luv-Backstag am Block brach. Da war so viel Druck dauf, dass der Backstag bis hoch zum Masttopp flog und sich um den Windgeber wickelte. Und das bei voller Fahrt! Also Druck aus dem Boot genommen, Glück gehabt, dass der Mast stehen blieb, Großsegel runter, Lee-Backstag nach Luv gezogen, Großsegel im 1. Reff erneut gesetzt und dann mit ca. 80 Prozent Leistung weiter. Das hat uns drei Plätze gekostet – dafür ist der Mast heil geblieben! Aber Platz Acht ist ja auch cool! 

Krass, in 45 Minuten hat die Top Ten gefinisht. Wie eng wir die ganze Zeit segelten! Innerhalb von 10 Minuten hat die Spitze die südliche Tonne gerundet, nach 220 Seemeilen die gleichen Boote wieder innerhalb von 10 Minuten die nördliche Tonne.

Backstag wickelt sich um Windgeber!

Noch ein paar Worte zu meinem Mitsegler: Gavin hatte noch nicht allzuviel Segelerfahrung auf dem Mini. Wir sind vor der Fastnet nur drei Mal zusammen gesegelt. Aber er ist ein Kämpfer – in den letzten 24 Stunden haben wir so gut wie gar nicht geschlafen. Gavin ritt die ganze Zeit auf der Kante aus und hat sogar in der Haltung geschlafen. Er ließ sich einfach nicht dazu bewegen, etwas unten auszuruhen. Was für ein Kampfgeist!

Was mich besonders freute: Nach dem Rennen kamen die Franzosen zu mir und haben gefragt, was mit mir los sei?! Was hast du mit Deinem Boot angestellt? Fühlt sich gut an, wenn man wahrgenommen wird. Fü mich war klar: Das Boot ist in einem Top-Zustand. Ich wusste, dass ich an mir arbeiten muss, nicht am Bootsspeed. Und das zahlt sich nun aus.“

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Michael Kunst

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