Mini-Fastnet: Neue Serien-Scows punkten noch nicht – Riechers/Bogacki in Nöten

Ist die Plattbug-Ära schon vorbei?

 

Mini-Fastnet

Leichte Winde, enger Start: die Mini-Fastnet vor Douarnenez © mini-fastnet

Am Ende des durchwachsen verlaufenen Mini-Fastnet wollten Riechers/Bogacki eigentlich nochmal durchstarten – dann folgte das Schlamassel. Drachen-Spezialist Hendrik Witzmann mit Koster in Podiums-Nähe.

Das war anders vorgesehen: Eigentlich wollten Morten Bogacki – 505er-Spezialist, oftmals in der Bundesliga für den Düsseldorfer Yacht Club im Einsatz und neues Mitglied im Offshore Team Germany –  und Jörg Riechers (2. Mini Transat 2017) als hochqualifizierte, deutsche OTG-Crew die Prototypen bei diesem Mini-Fastnet aufmischen. 

Nach einer eher „gemischten“ Performance auf den Rängen 3 bis 6 während des gesamten Mini-Fastnet hatten sich die beiden in der letzten Nacht für den Angriff von Rang fünf in Stellung gebracht. Doch dann zeigte der Tracker an, dass sie echte Probleme haben müssen: sie „trieben“ weit unter Land, fuhren einige typische Reparatur-Kringel und hangeln sich nun entlang der Küste Richtung Ziel. Ob sie tatsächlich eine Havarie reparieren mussten oder ob sie in dem strömungsreichen Gebiet in einem Flautenloch einparkten oder was auch immer geschah… wir halten Euch auf dem Laufenden! 

Laufsteg für neue Designs

Jedes Jahr aufs Neue ist die Mini-Fastnet ein regelrechtes Schlüsselrennen für die Ministen-Szene. In ungeraden Jahren, wenn das Mini-Transat (einhand) wenige Monate später startet, dient das Mini-Fastnet (zweihand) zum „Check“ der direkten Konkurrenz, zum Speedvergleich, zum Probelauf unter Seebedingungen.

In den Jahren „zwischen den Mini-Transats“ wird die legendäre Mini-Regatta von Douarnenez rüber zum britischen Wolf’s Rock, weiter zum Fastnet Rock vor Irland und dann auf geradem Kurs wieder zurück an die bretonische Küste als idealer Einstieg für all’ diejenigen genutzt, die im nächsten Jahr bei der Mini Transat dabeisein wollen, aber noch nicht so richtig viel Offshore-Erfahrung haben. Oder einfach mal überprüfen wollen, ob das ganze Gedöns rund um die „Faszination Mini-Segeln“ wirklich seine Berechtigung hat. 

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Der Vergleich –– die beiden neuen Serien-Scow-Minis und ein “herkömmliches” Design (r.) © mini-fastnet

Doch das Mini-Fastnet in den “geraden Jahren“ ist auch immer ein Laufsteg für neue Boote und neue Designs, die oft erst kurz zuvor das „Licht der Welt“ erblickt haben und nun mit ihren ersten Schlägen auf See zeigen wollen, was sie so drauf haben. Dabei kann es durchaus passieren, dass die Boote den Seglern ein wenig die Show stehlen. 

Angesichts eher lieblicher bis moderater Wetterbedingungen während des ganzen Rennens, ohne lange Kreuz-Passagen – meist bei Bootsgeschwindigkeiten um die 6-10 Knoten – wurde dieses Mini-Fastnet in der Lokalpresse bereits als das „Rennen der leichten Damenbrise“ tituliert. Ein Umstand , der von außen betrachtet vielleicht ganz nett sein mag, aufgrund der engen Abstände im Feld jedoch die Nerven der Segler reichlich strapaziert haben dürfte. 

Alle Augen der Daheimgebliebenen, vermeintlichen und wahren Kenner der Szene richteten sich jedoch auf fünf nagelneue Boote, die das Zeug haben, eine ganze Klasse erneut umzukrempeln. Mit teils gegensätzlichen Merkmalen.

No-Scow-Proto vorne

Wie etwa die beiden Prototypen 945 und 950. Die Lombards-Designs wurden gerade mal vor zwei Wochen jungfräulich zu Wasser gelassen und „Tartine cherche du beurre“ – „Brotschnitte sucht Butter“ (945) gewinnt gleich dieses Rennen. Der Clou beider neuen Boote: Sie sind –  entgegen dem zuletzt beschworenen Trend – NICHT mit einem Scowbug ausgestattet. Sondern segeln frech mit normalspitzer „Nase“ durch die See.

Axel Trehin und Fred Denis puschten ihren „No-Scow-Proto“ nach 3:14:9 Tagen heute Morgen um 7 Uhr über die Ziellinie von Douarnenez. Selten hat ein frisches Design gleich bei seiner Premiere so beeindruckend bewiesen, was in ihm steckt – zumindest bei leichten bis mittleren Winden!

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Souverän den Leichtwind-Krimi für sich entschieden: “Schnitte sucht Butter” im neuen Lombard-Design! © Mini-fastnet

Das gilt auch für die „In Rope“ (950) mit Francois Champion und Ludovic Senechal an der Pinne. Sie belegten bis kurz vor dem Ziel einen sicheren dritten Rang, mussten dann aber noch in den ausgesprochen schwierigen Wind- und Strömungsbedingungen kurz vor der Ziellinie „Rousseau Cloture“ und „Marée Haute“ (zeitgleiche Zielankunft) ziehen lassen. „Marée Haute“ ist “Der” Scowbug, der noch vor Kurzem unter Ian Lipinski alle Rennen gewonnen hat, bei denen er am Start war. 

Drei weitere Boote, die eigentlich die Serien-Wertung aufmischen sollten, zogen ebenfalls ein Maximum an Aufmerksamkeit auf sich. Die 951, 954 und 956 sind (zukünftige) Serien-Minis, die allerdings – Novum –  im Rahmen der Klassenregeln mit Scow-Bugs ausgestattet sind. 

Die „951“ wird von der bretonischen Werft IDB unter dem Label „Maxi“ gebaut, 954 und 956 (Etienne Bertrand-Riss) werden unter dem Namen „Vector“ in Polen produziert. 

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Der andere neue Proto – allerdings mit etwas abgerundeter Nase, ähnlich wie Pogo 3 © mini fastnet

Alle drei Boote mussten jedoch in der Prototypen-Wertung starten, da mindestens 10 Exemplare eines Bootstyps gebaut sein müssen, bevor das Modell in die Serienwertung aufgenommen werden kann. 

Noch keine Benchmark gesetzt

Oliver Tessloff, bestplatzierter Deutscher in der Serienwertung beim letzten Mini-Transat, konnte zwar an diesem Mini-Fastnet aus beruflichen Gründen nicht teilnehmen, verfolgte das Rennen aber aus nächster Nähe. Seine Meinung zum Abschneiden der angehenden Serien-Scowbugs: „Vor allem der „Maxi“ sieht richtig scharf aus. Ein tolles Teil, das man am liebsten gleich mal probesegeln möchte. Was nun deren erste Performance anbelangt – da haben sie mich noch nicht so richtig überzeugt, die neuen Serien-Scows. Ich denke, eine neue Benchmark wurde hier noch nicht gesetzt!“ Die drei Boote segelten (im Gesamtfeld, also Proto und Serie) plus/minus im vorderen Drittel (Rang 20 kurz vor Ziel) und in der Proto-Wertung auf den Rängen 11, 12 und 14. Es gab also noch einige Serienboote, die deutlich vor ihnen lagen… 

Wie etwa Clarisse Cremer und Erwan le Draoulec, die sich nach ihrem 2. und 1. Rang bei der Mini-Transat-Serienwertung wie bereits vor zwei Jahren nun erneut zusammenschlossen, um auf Clarisses „TBB“ zu zeigen, dass sie auf ihren „Figaro“-Eskapaden das Mini-Segeln nicht verlernt haben. 16 Seemeilen vor dem Ziel lagen sie auf Rang 3 und eine bzw. zwei Seemeilen hinter den Zweit- und Erstplatzierten. 

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Die Scows konnten bei den leichten Winden nicht überzeugen – weder bei den Prototypen, noch bei den (angehenden) Serienbooten © mini-fastnet

Aus deutscher Sicht gewinnen die beiden Transat-Champions bei diesem Rennen allerdings eine besondere Bedeutung , weil sie sich mit dem zweiten deutschen Starter Hendrik Witzmann und seinem Schweizer Co-Skipper Simon Koster (dritter Serienwertung Mini-Transat) häufig enge Duelle lieferten. 

Witzmann kämpft ums Podium

Ex Match-Racer, Soling-Segler und Drachen-Spezialist (EM-Vize 2015) Hendrik Witzmann, der im vergangenen Jahr bei der Mini-Transat gemeldet hatte, aber dann doch nicht gestartet war, setzt sein Engagement in der internationalen Mini-Szene fort. Er bestätigt wie schon der zweimalige Drachen-Gold-Cup-Vize (2000, 2014) Pieter Hereema mit seinem Start bei der Vendée Globe beeindruckend, dass Drachen-Know-How durchaus auch in der Shorthand-Langstrecken-Szene erfolgreich angebracht werden kann.

Wer bei seiner ersten Offshore-Langstrecke um einen Rang auf dem Podium kämpft, hat Vieles richtig gemacht in so einem Rennen. Auf seiner „Sunovation“  (Tessloff: „Die best-gepimpte Pogo 3 der Szene“) hatte er allerdings den erfahrenen Schweizer Simon Koster an seiner Seite, der schon drei Mini Transats gesegelt ist und zuletzt im Zweikampf mit Riechers Rang drei belegte.

Beim vorletzten Rennen hatte Witzmann noch sein Boot an Erwan le Draoulec verliehen, der damit die MAP (Mini Agnes Peron) auf Rang 2 beendete. Nun ist er ihm beim Mini-Fastnet kurz vor dem Ziel  ganz nahe „auf die Pelle gerückt”.

Tracker/Ergebnisse

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Mini-Fastnet: Neue Serien-Scows punkten noch nicht – Riechers/Bogacki in Nöten“

  1. avatar addi sagt:

    miku, eine Frage: Wird eine Mini zum Serienboot, wenn zehn Boote gebaut, oder zehn Boote verkauft sind?
    (Macht in realo wahrscheinlich nicht so viel Unterschied, weil kaum eine dieser Werften zehn Boote ohne Käufer bauen würde …)

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  2. avatar Michael Kunst sagt:

    @ addi: Du hast Dir die Antwort schon selbst gegeben – die Werften bauen Boote zunächst nur auf Vorbestellung, von denen es aber angeblich schon genug geben soll. Insider rechnen damit, dass die neuen Scows wie Maxi und Vector bei der nächsten Transat tatsächlich schon als Serienboot dabei sein werden.

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