Mini Fastnet: Riechers/Stanjek auf starkem Proto-Rang Drei – Tessloff/Turpin bei den Serien-Minis Zehnte

„Pas de deux“

Start zum Mini Fastnet 2017. © winches club

Offshore Team Germany zeigt erneut, dass mit ihnen zu rechnen ist! Abstand zum Erstplatzierten Lipinski ist jedoch enorm… Jüngsten-Duo siegt bei den Serien-Minis.

Man musste schon nervenstark sein: Die diesjährige Mini-Fastnet war geprägt von drehenden, meist leichten Winden bis hin zu Flautenlöchern, die alles andere als einfach vorhersehbar waren. Das Ganze im Mix mit teils flimmernder Hitze und einer ziemlich „hungrigen“ Flotte, deren Protagonisten sich untereinander nichts schenkten. 

Das OTG-Duo Stanjek/Riechers positionierte sich von Anfang an dort, wo sie nach eigenem Bekunden auch hingehören: In der Spitze der Prototypen-Klasse. Ihre „Lilienthal“ war auf dem Hin- und Rückweg zum und vom berühmt-berüchtigten Felsen vor der irischen Südküste immer unter den Top Drei – keineswegs selbstverständlich für ein quasi nagelneues Boot! Mit dem Plattbug-Mini konnten nur denkbar wenige der so wertvollen Trainingsstunden in Bezug auf Segelkonfiguration, Manövertechnik und „Feeling fürs Boot“ absolviert werden. Doch Jörg Riechers hatte ganz offensichtlich schnell wieder zu seinen „Wurzeln“ zurück gefunden und zeigte gemeinsam mit seinem OTG-Partner Robert Stanjek, dass man auch ohne großartige Eingewöhnungsphasen erfolgreich Mini segeln kann. Rober Stanjek nach dem Rennen: “Das Wichtigste: Die Qualifikation für die Mini-Transat ist jetzt geschafft!” Es habe aber auch echte Schwierigkeiten unterwegs gegeben: “Das Karbon-Gelenk vom Gennaker-Baum war gebrochen – und das 30 Meilen vor Fastnet!” Stanjek und Riechers reparierten das Gelenk (ein für Proto-Minis übrigens sehr typischer Schaden) und büßten offenbar nicht allzuviel dabei ein. Ihre vorläufige Bilanz des Rennens: “Das Boot ist richtig schnell und eine echte Rakete bei 12+. Auf Reaching-Kursen fährt es sich wie ein Mehrrumpfer!” 

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Klasse Leistung des OTG-Duos Riechers/Stanjek © winches club

Jedoch wurde auch dieses Rennen wieder von Ian Lipinski auf seiner „Griffon“ dominiert. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: nach ein par Stunden setzte sich der „Überflieger“ der letzten Jahre an die Spitze der Flotte und brachte diese Position nicht ein einziges Mal mehr in Gefahr. Gemeinsam mit David Raison segelte er den anderen buchstäblich davon: während ansonsten die Flotte vor allem in den Leichtwindabschnitten (gezwungenermaßen) relativ dicht beieinander bleib, schaffte es die „Griffon“ selbst dort, sich von den anderen deutlich abzusetzen. Das äußerte sich logischerweise in einem bestechenden Abstand zu den Zweitplatzierten auf der Ziellinie: Lipinski/Raison erreichten nach 3:08:52 Tagen und 618 gesegelten Seemeilen gestern Nacht um 23:52 Uhr das Ziel vor Douarnenez. Die zweitplatzierte „Spicee“ war erst um 4:33 Uhr im Ziel und die „Lilienthal“ brauchte für Rang Drei nochmals 50 Minuten länger. 

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Griffons nächtliche Ankunft © winches club

Und apropos „nervenstark“: Riechers und Stanjek konnten während der letzten Seemeilen im dicht aufeinander segelnden „Verfolgerfeld“ die „Eight Cube“ von Simon Koster knapp, aber erfolgreich „in Schach“ halten. Sechs Minuten trennten die beiden Boote im Ziel! 

Bemerkenswert ist auch die Leistung von Dominik Lenk auf seinem älteren Proto (348), der bei der letzten Mini-Transat wegen Materialschäden dem Feld mit einigen Tagen Rückstand hinterher segeln musste, aber bravourös noch einige Serien-Boote einholte. Bei dieser Mini-Fastnet positioniert er sich nun im Mittelfeld der Prototypen-Klasse. Was umso höher zu bewerten ist, da der technische Abstand zwischen „alten“ und neueren Protos eklatant ist.

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Die beiden “Chouchous” haben es tatsächlich geschafft: Sieg in der Serienwertung! © winches club

In der Serienwertung siegte ein Duo, das in der Mini-Szene als die „Chouchous“ bezeichnet wird: Clarisse Cremer, einer breiteren Öffentlichkeit durch ihre wirklich originellen und witzigen Promo-Videos bekannt und Erwan Le Draoulec, der mit 20 Jahren jüngster Teilnehmer der kommenden Mini Transat sein wird. Die beiden trainieren zusammen oder besser gesagt: gegeneinander im „Pole d’entrainement LGL“ vor Lorient und zeigen nun schon seit zwei Jahren echten Biss mit hervorragenden Platzierungen bei den gängigen Mini-Regatten. Dass sie sich so „ganz nebenbei“ auch noch während ihrer 1.000 Seemeilen-Qualifikation angeblich „zufällig“ auf See getroffen haben, zeigt, wie gleich sie doch „ticken“. 

Dass sich die Zwei nun für die Mini Fastnet zusammenschlossen, hat dem Vernehmen nach einen guten Grund: Statt sich gegenseitig zu beharken, wollten sie beider Potentiale lieber in die Waagschale werfen, um den anderen endgültig zu zeigen, was die „Jungen“ reißen können. 

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Oliver Tessloff beim (Solo)-Training © tessloff

Mission geglückt: Seit Land’s End segelten sie an der Spitze der Serienwertung und hielten die „Stellung“ bis ins Ziel. Sie brauchten auf dem Pogo 3 von Erwan 3:19:39 Tage und kamen um  10:39 Uhr ins Ziel. Wenn es auch auf den letzten Seemeilen nochmals denkbar knapp wurde: Die Zweitplatzierten Tanguy Bourroullec und William Blosse kamen nur zwei Minuten später über die Linie! 

Oliver Tessloff schaffte gemeinsam mit Victor Turpin einen hervorragenden Rang 10 nach 3:20:25 Tagen. Was für eine Leistungsdichte: Die Top Eleven kommt in weniger als einer Stunde „gebündelt“ an!  Tessloff schaffte es noch auf den letzten Seemeilen, seine französischen Konkurrenten auf „Cachaca II“ um sieben Minuten zu distanzieren! Chapeau! 

Lina Rixgens segelt zusammen mit Sverre Reinke im 34 Boote starken Feld derzeit auf Rang 26, Sascha Bade und Michael Höfgen liegen mit ihrer „Salt“ auf Rang 32. 

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Michael Kunst

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7 Kommentare zu „Mini Fastnet: Riechers/Stanjek auf starkem Proto-Rang Drei – Tessloff/Turpin bei den Serien-Minis Zehnte“

  1. avatar Lyr sagt:

    Vor allem starkes Finish von Jörg und Robert von 5 auf 3. Geil gemacht! Glückwunsch

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 10 Daumen runter 0

    • avatar eku sagt:

      Habe versucht das Rennen so gut als möglich zu verfolgen.

      ME ist deren neues Boot wirklich schnell. Es gab 3 Situationen, die zu Rückständen führten:
      1. Startphase – keine Ahnung was da passierte
      2. Von LandsEnd nach Irland mittendrin ein signifikanter Speedabfall, für den ich keine Erklärung habe
      3. Ein Speedabfall auf dem Rückweg Richtung LandEnd. Aber da ging offensichtlich ein Tiefdruckkern durch und der neue Wind musste eigentlich von Westen kommen. Die Entscheidung Westwärts zu halten ist also plausibel. Dass der Wind dann für alle fast gleichzeitig auffrischte (eben weil Kerndurchgang) wird man auf See kaum erkennen können. In diesem Fall mE also deutlich unforced Error. Griffon war schon so weit SE-lich, dass die das nicht mehr mitbekommen haben.

      Kurz: Das Speedpotential scheint gut zu sein. Unter gleichen Bedingungen in offenem Raum waren die beiden fast durchgehend schneller als die direkten Konkurrenten.

      Mir macht es Hoffnung auf mehr spannende Rennen und endlich mal eine Kampange die in DE zur Kenntnis genommen wird.

      Bitte weitertrommeln, dass es da noch was anderes als CL oder sog “F1” (alleine schon die Begrifflichkeit Motorsport) bei rtl giebt

      Grüße eku

      Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 0

  2. avatar Mirko sagt:

    Kann mir jemand erklären, wie so ein Plattbug funktioniert? Warum haben die Open 60 das noch nicht?

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  3. avatar Non solo pane sagt:

    Super Leistung! Glückwunsch! Mich würde auch mal interessieren wie dieser Plattbug funktioniert. Downwind kann ich das ja verstehen, dass das Volumen hilft. Aber an der Kreuz?

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    • avatar Yachtie sagt:

      An der Kreuz, d.h bei Krängung befindet sich beim Scowbug-Schiff nur die langgestreckte, geradlinige, vom Bug zum Heck verlaufende schmale Kimm im Wasser.
      Der sich im Wasser befindliche Rumpfteil ist also länger und schmaler als bei herkömmlichen Schiffen und hat daher nur wenig Widerstand, wodurch er schneller als ein herkömmlicher Bootsrumpf ist.

      Bei Schwachwind stellt man die Krängung künstlich durch das Schwenken des Kieles nach Lee her, um das Boot schnell zu machen.

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      • avatar Yachtie sagt:

        Beim Scowbug sind Kimm und Kiel parallel ausgerichtet und wollen sich daher in die gleiche Richtung bewegen, während bei Booten, die vorne spitz zulaufen, Kimm und Kiel bei krängung in unterschiedliche Richtung fahren wollen, was zu einem Bremseffekt führt.

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  4. Gerade an der Kreuz oder auf harten Reachkursen ist der von Vorteil, da die Vertrimmung bei Lage wesentlich geringer ist und auch die Stabilität im mitteleren Bereich viel größer ausfällt.
    Raison meinte damals zum 747-Design – gibt es ein Kleinboot, welches besser kreuzt als ein Opti …

    Zum Bootspotential – wenn Jörg und Robert es jetzt schon schaffen, auf Podiumsposition mitzufahren, dann könnte Jörg im Transat auch für Ian gefährlich werden – ich bin gespannt auf die ersten Flugbilder und hoffe, dass das dann auch so stabil wird, dass es zum Vorteil gereicht. Viel Zeit ist ja leider nicht mehr.

    Beeindruckend aus deutscher Sicht – auch die Leistung von Olliver Tesloff ( Rang 10) und natürlich freue ich mich, dass Lina nicht mehr hinterher fährt und Simon endlich ohne echten Bruch unterwegs ist.

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