Mini-Fastnet: Wie Riechers/Bogacki unter Land parkten – Bogacki: „Jetzt erst recht!“

„Passiert den Besten“

Reichers, Bogacki, Offshore Team Germany

Regatten mit wenig Wind sind bekanntlich nervenaufreibend. Die Lilienthal mit Spi Max © mini fastnet

Von wegen Havarie: Riechers/Bogacki pokerten zuletzt hoch und… verloren. Ein vermeintlicher Befreiungsschlag endete im „Öl“.  

Ein wenig sorgte man sich schon. Die Kumpel vor Ort, die in Douarnenez, dem Start- und Zielort der Mini-Fastnet, auf das neue OTG-Duo „Riechers/Bogacki“ warteten genauso wie die Fans zuhause, die das Rennen auf dem Tracker mitverfolgten. Alle sagten sich: „In so eine seltsame Situation fährt doch keiner freiwillig! Die müssen irgendeine Havarie haben!“ 

Zur Erinnerung: Der OTG-Plattbug-Mini „Lilienthal“ war bei mittleren Winden gegen Ende der Mini-Fastnet auf Position 5 platziert, in Schlagweite zum Podium. Dann verließ der Mini-Prototyp (auf dem Tracker beobachtet) die Ideallinie und fuhr unter Land, verlängerte somit deutlich den zurückzulegenden Weg bis zum Ziel. Unter Land blieb das Boot stehen, drehte auffällige Kringel, trieb dann mit 0,3 kn Geschwindigkeit. 

Sogar die Regattaleitung machte sich Sorgen um die beiden, dachte ebenfalls an eine Havarie (kurz zuvor war trotz der leichten Winde bereits ein Mast von oben gekommen) und fragte über Funk nach, was denn an Bord der „Lilienthal“ los sei. Riechers lapidare Antwort: „Nix ist los – das ist ja unser Problem. Wir stehen in der totalen Flaute!“

Offshore Team Germany, Järg Riechers, Morton Bogacki

Morten Bogacki und Jörg Riechers vor dem Rennen © otg

Tatsächlich wollten Jörg Riechers und Morten Bogacki eine Art letzten Angriff vor dem Ziel wagen und suchten dicht unter Land nach mehr Wind als auf der Ideallinie, die von allen – also auch der direkten Konkurrenz vor ihnen – befahren wurde. „Es sollte ein Befreiungsschlag werden“, erklärt OTG Manager Jens Kuphal. „Die Junx haben hoch gepokert.“ 

Und dabei schwer verloren. Sie parkten „im Öl“ eine gute Stunde und hangelten sich dann peu a peu entlang der Küste Richtung Douarnenez. In der Zwischenzeit segelten nicht nur die direkten Kontrahenten aus der Proto-Wertung auf der konventionellen Route gen Ziel, sondern auch noch reichlich Serien-Minis. Gesamtrang 17 und Platz 10 bei den Prototypen war mit Sicherheit nicht das, was sich die beiden Deutschen als Endergebnis bei diesem Mini-Klassiker  vorgestellt hatten. 

Es sei eigentlich nicht schlecht gelaufen, zumindest zu Beginn des Rennens, lässt Jörg Riechers ausrichten. Auf Höhe Wolf’s Rock lagen sie noch auf Rang Drei, in Sichtweite zu den Führenden. Doch in Annäherung auf den Wendepunkt – den namengebenden Fastnet Felsen – sei man viel zu weit östlich gesegelt. Auf dem Rückweg gab es kaum Möglichkeiten für die beiden, sich in der Platzierung zu verbessern. Deshalb der Extremschlag kurz vor dem Ziel. 

Die Rennleitung brachte diesen taktischen Fehler in einer Kurzmeldung am besten auf den Punkt: „Sowas passiert selbst den Besten, wie man sieht!“ Und Morten Bogacki, der die „Lilienthal“ zum ersten Mal unter Regattabedingungen segelte, ließ über seinen Teammanager verkünden: „Das hat mir keineswegs die Lust auf mehr Mini-Segeln verdorben. Jetzt erst recht!“ 

Als nächsten gemeinsamen Termin nehmen die beiden eine weitere, gut besetzte Regatta in Angriff: Das Duo Concarneau, vom 4. bis 9. September. Doch vorher will Jörg Riechers bei der Einhand-Regatta „Les Sables-Azoren-les Sables nochmals richtig Akzente setzen. 

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Michael Kunst

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