Mini Transat 2013: Das Rennen, das Wetter, die Favoriten

Minis in den Startlöchern

Mini Transat 2013

Minis beim Prolog letztes Wochenende © minitransat2013

Die Favoriten

Prototypen:

Waren die Prototypen bisher das Sammelbecken der absoluten Topsegler, hat sich das Feld in den letzten beiden Jahren etwas ausgedünnt. Zu teuer und aufwändig schien der Einstieg in ein erfolgversprechendes Protoprojekt. Einige der wirklich guten Boote standen lange zum Verkauf. Während in der Serienklasse die Warteliste für die begrenzten Startplätze immer länger wurde, waren bei den für Prototypen reservierten Plätzen bis spät in der Saison noch einige frei. So konnten sich auch ein paar Kurzentschlossene noch eintragen, unter ihnen Jeffrey MacFarlane. Der Amerikaner will das Transat gewinnen, und hatte dafür den Protoypen 716 von Sebastian Rogues (jetzt Jörg Riechers Konkurrent in der Class40) gekauft. Das Boot brach beim Qualifikationstörn im Mittelmeer auseinander und Jeffrey musste abgeborgen werden. Trotz dieser Erfahrung und einiger Knochenbrüche gab er nicht auf, charterte die 759 von Milan Kolacek und startete die Qualifikation nochmal von Null an. Für realistische Siegchancen war die Zeit der Eingewöhnung auf das Boot aber wohl zu kurz. Zu den Favoriten gehören:

Mini Transat 2013Giancarlo Pedote (747): Der Italiener wurde 2009 auf einer Pogo2 Vierter in der Serienwertung. Nach einem Ausflug in die Figaroklasse tauchte er 2011 in Salvador de Bahia auf und kaufte das Siegerboot, den „Plattbugmini“ von David Raison. Dieses Boot schien vor allem auf Reachingkursen unschlagbar, hatte die Konkurrenz weit hinter sich gelassen. Ob das Design auch auf der neuen Strecke in die Karibik, die wesentlich mehr Downwindanteile hat, Vorteile hat, ist offen.

Mini Transat 2013Gwenolé Gahinet (800): Als Sohn von Gilles Gahinet, der zwischen 1975 und 1982 sieben Mal auf dem Podium der Solitaire du Figaro landete, hat Gwenole das Offshoresegeln im Blut. Der Bootsbauingenieur arbeitete schon für das französische Top-Bootsdesignbüro VPLP und das Team BMW Oracle. Dreimal nahm er an der Tour de France a la Voile teil, bevor er 2011 eine Pogo2 kauft und 8 Monate später das Minitransat gewinnt. Nach dieser beeindruckenden Leistung kam der Umstieg in die Prototypenklasse, wo er an seinen Erfolg anknüpfen konnte. Mit der gecharteten „Festival du pain“ von Antoine Rioux (dritter beim Transat 2011) ist der Tabellenführer der Klassenwertung einer der Topfavoriten. Kurz vor dem Minitransat wagte er auch noch einen Ausflug in den Little Americas Cup.

Mini Transat 2013Bertrand Delesne (754): Ein eher stiller Charakter, der vor allem auf der richtigen Langstrecke seine Stärken hat. Er tritt zum vierten Mal an. 2009 gewinnt er die erste Etappe und wird insgesamt zweiter. 2010 gewinnt er das Azorenrennen und segelt als erster Minisegler über 300 Seemeilen in 24 Stunden. 2011 wird er beim Minitransat vierter. Seit diesem Jahr ist er Teil des Teams „Teamwork“.

_jva0182Stansilas Maslard (850): Wurde 2005 schon einmal Dritter beim Minitransat und segelt den neuesten Prototypen (Eigenbau, Plan Lombard), der erst dieses Jahr zu Wasser gelassen wurde. Das birgt auch zugleich die größte Unbekannte, denn um die Qualifikation nicht zu gefährden, hat er das Boot in den bisherigen Rennen nicht gefordert. Es ist also fraglich ob alle Schwachstellen schon behoben sind.

Mini Transat 2013Julien Pulvé (802): Einer der kurzentschlossenen Teilnehmer, sein Start war mangels Sponsoren lange Zeit unsicher. Dass er das Boot segeln kann, hat er dennoch in den letzten beiden Jahren gezeigt. 2012 gewinnt er mit Etienne Bertrand das Minifastnet. Ansonsten stehen etliche zweite und dritte Plätze auf seinem Mini-Lebenslauf.

Serienboote:

Die Serienbootklasse ist in den letzten beiden Jahren etwas professioneller geworden. Gerade das Nacira-Design wird relativ erfolgreich von einigen Profis gesegelt. Die Zeiten knapperer Budgets und die sehr attraktiven großen Teilnehmerfelder in der Classe Mini haben sogar Figaro- und Class40-Segler zu den Serienminis gebracht. Seit kurzem gibt es noch zwei neue zugelassene Serienminis, die Argo650 und die RG650. Beide Modelle sind jeweils einmal vertreten.

Die Favoriten sind in der Serienklasse nicht so eindeutig wie bei den Protos. Hier einige der Anwärter auf den Sieg:

Mini Transat 2013Justine Mettraux (824): Die Schweizerin startet seit 2012 mit einer Nacira und hat schon einige Rennen gewonnen, u.a. auch die erste Etappe des Azorenrennens. Vor dem Einstieg in die Classe Mini sammelte sie Erfahrung bei der Tour de France a la Voile. Sie ist eine der Kandidatinnen für das Volvo-Ocean-Race-Team SCA und hat auf dem VOR65 das diesjährige Fastnet-Rennen gesegelt.

Mini Transat 2013Simon Koster (819): Hat mit seinen 25 Jahren schon beachtliche Offshore-Erfahrung (u.a. drei Atlantiküberquerungen) und ist auch in Dinghy-Klassen sehr erfolgreich gewesen, v.a. im 420er und Tornado. Seine Nacira hat er zu Hause in der Schweiz fertig ausgerüstet und startet seit 2012 in der Classe Mini; er wurde beim Azorenrennen Vierter.

Mini Transat 2013Aymeric Belloir (810): Segelt seit 2011 seine Nacira und hat nach neun Atlantiküberquerungen beste „Revierkenntnisse“. Und auch schon einige Siege in der Tasche: u.a. gewann er 2011 das Transgascogne und 2012 das Azorenrennen 2012.

Mini Transat 2013Renaud Mary (535): Hätte 2011 schon eine sehr gute Platzierung gemacht, wäre er nicht wenige Meilen vor dem Ziel auf einen brasilianischen Strand gefahren. Die Bergeaktion gemeinsam mit Mitseglern und brasilianischen Fischern war echt spannend…

Mini Transat 2013Arnaud Daval (472): Hat fünf Jahre Erfahrung in der Class40 und zwei Atlantiküberquerungen hinter sich. Er konnte zwar bisher nur ein Rennen im Mittelmeer gewinnen, aber könnte Vorteile bei der „Revierkenntnis“ haben. Außenseiterchancen.

Mini Transat 2013Damien Cloarec (833): War schon in einigen Offshore-Klassen unterwegs, u.a. im Figaro und der Class40. Musste sich erst daran gewöhnen auf See keine aktuellen Gribfiles mehr herunterladen zu können. Das klappt inzwischen ganz gut, immerhin hat er das Trophee MAP dieses Jahr schon gewonnen.

Mini Transat 2013Ian Lipinski (539): Kommt ohne Regattalebenslauf 2012 in die Classe Mini und lernt offensichtlich sehr schnell. Wird beim Azorenrennen Dritter, gewinnt 2013 das Minifastnet und hat Außenseiterchancen.

Clement Boyssou (514): wurde 2011 Vierter und führt inzwischen die aktuelle Rangliste an. Zwar steht noch kein Sieg auf seinem Tableau, aber er findet sich immer unter den Top-Fünf wieder.

Mini Transat 2013Jonas Gerckens (590): Der Belgier ging 2007 mit einem alten Proto (Nummer 36) an den Start, konnte das Rennen aber nicht beenden. 2011 gewann er die Ranglistenwertung der Serienboote, 2012 wurde er beim Azorenrennen zweiter.

Neben diesen sportlichen Favoriten sind noch einige Segler am Start, die sich in anderer Hinsicht einen Namen gemacht haben:

Mini Transat 2013Aron Meder (585): Der Ungar beendete 2009 eine dreijährige Einhandweltumseglung auf einem sechs Meter langen Boot, mit dem die meisten nicht mal über den Bodensee fahren würden. Sein Budget dafür belief sich auf 9000 €. Im Panamakanal zwangen ihn die Regelungen fünf Passagiere an Bord zu nehmen (einen Lotsen und vier Männer für die Festmacherleinen). Wer mehr solcher unglaublichen Geschichten lesen möchte, sollte hier mal reinschauen

Mini Transat 2013Raphaella Le Gouvellot (473): Manche kennen die 53-jährige vielleicht aus dem Französischbuch, sie ist wohl die größte Abenteurerin im Feld. Sie hat den Atlantik, den Pazifik und den Indischen Ozean jeweils mit einem Surfbrett überquert. Ohne Begleitschiff! Die Pazifiküberquerung dauerte fast 90 Tage, Raphaella weiß also was Einsamkeit ist. Sie war außerdem die erste Surferin, die das Mittelmeer durchquert hat. Wobei das jeweilige Surfbrett zumindest länger war als ihre jetzige Pogo2.

Mini Transat 2013Henrik Masekowitz (625): Der diesmal einzige deutsche Teilnehmer ist auf seinem Proto dabei. Er hat 2007 schon einmal mit einer TipTop am Minitransat teilgenommen und könnte der erste Deutsche werden, der es zweimal beendet. Über sein Rennen 2007 hat er auch einen Film herausgebracht.

 

6 Kommentare zu „Mini Transat 2013: Das Rennen, das Wetter, die Favoriten“

  1. avatar Uwe Liehr sagt:

    Danke für den klasse Bericht, Björn! Unbedingt mehr davon…

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 16 Daumen runter 0

  2. avatar Krischan sagt:

    Um Simons Favoriten-Status etwas zu verdeutlichen, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass er die Rücktour vom Azoren-Rennen gewonnen hat, nachdem ihm auf der Hintour bei einer Kollision mit einem Wal ein Ruderblatt abgerissen wurde und dass er auch das Transgascone 2013 nach einem spannenden Flautenpoker für sich entscheiden konnte.

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    • avatar Sui-8 sagt:

      Ja er gehör zu den geheimen Favoriten. Obwohl er nicht so bekannt ist, ein stiller Kämpfer.
      Wir hoffen das Wetter wird besser und Sie Starten 🙂 Good Luck Simi

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  3. avatar Breizh sagt:

    Vielen Dank für den Bericht. Wer einmal ein Mini live gesehen, weiß welche Leistung es ist mit den Dingern den grande large zu bezwingen. Bitte mehr von der Mini Transat berichten. Gerne würde ich auch noch mehr über die Klasse im Allgemeinen, die einzelnen Teilnehmerfeldern oder auch über das Reglement erfahren. Es ist ja sonst leider sehr schwer im Deutschen adäquate Informationen zu bekommen.

    Segelt eigentlich ein Anderer aus dem mare Team mit dem mare Mini beim Mini Transit mit? Jörg Riechers segelt ja mit der Class 40 das Transat Jacques Vabre am November. Oder steh der Mini weiter auf dem Trailer in der Halle?

    Dann an allen Teilnehmern “Mast- und Schotbruch”.

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    • avatar sven sagt:

      Henrik Masekowitz (625) ist wieder dabei, ich mag die Klasse auch , die Kunst ist nicht mit einem kleinen Boot über den Atlantik zu schippern das haben andere auf viel kleineren Booten schon gemacht,

      es allein im Racemodus zu tun ohne all die modernen Helferlein ist die wahre Herausforderung.

      Ich hoffe nur Henrik hat diesmal ein Sponsor gefunden um das Projekt voranzutreiben.

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      • avatar Olli sagt:

        Hat er nicht. Er geht halbwegs unvorbereitet und mit alten Segeln an den Start. Ein Stück weit mit olympischen Gedanken, weil er den Proto nun mal hat und wegen verschiedener Rennen zuvor auch qualifiziert ist.
        Das schöne an dem kapitalen Feld ist daß genug Protos seiner Altersklasse dabei sind mit denen er wieder einen Vergleich für die Leistung hat. Das geht am Zuschauer im Internet meist vorbei.
        Bei dieser Auflage ist es also nicht ratsam Henrik einen Platz vorn zu wünschen. Mit dem Anspruch geht er selbst nicht an den Start, sondern daß er eine schöne Zeit an Bord hat in seinem doch sehr unbequemen Boot – und daß er ohne nennenswerte Defekte ankommt. Also Henrik: Viel Spaß!

        Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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