Mini Transat 6.50: Björn Freels 33. mit “Rikki Tikki” über sein Einhand Abenteuer

"Es war überwältigend"

Björn Freels hat die erste Etappe des Mini-Transat als 33. absolviert. © Freels

Aus einem kurzen Tiefschlaf schrecke ich auf, irgendwas war gerade anders an den hämmernden Geräuschen der Wellen an der Bordwand, die im einrichtungslosen Bootsinneren verstärkt werden wie in einer großen Trommel.

Ich schäle mich aus meiner komfortablen Schlafposition zwischen all der Ausrüstung, die ich zum Gewichtstrimm auf der Luvseite verzurrt und verkeilt habe. An Deck erwartet mich eine pechschwarze Biscayanacht, es ist kurz nach Neumond und RIKKI TIKKI fährt in eine Dunkelheit hinein, in der man gerade noch die nächste Welle erkennen kann.

Und die Effekte des fluoreszierenden Planktons. Im Heckwasser leuchten kleine und größere Punkte weißlich grün für ein, zwei Sekunden auf und erzeugen eine Art Feuerschweif, in zwei Metern Tiefe ist ein zweites Leuchtband zu erkennen, das von der Kielbombe erzeugt wird.

Ich sehe mich nach möglichem Treibgut um und entdecke den Grund für das veränderte Trommeln am Rumpf: um den Bug herum wabert eine weitere Leuchtmasse von rechts nach links. Es ist ein Fischschwarm, die Fische springen immer wieder aus dem Wasser und prasseln dann gegen die Bordwand. Das Schauspiel ist wunderschön und unheimlich zugleich, es erinnert an Frank Schätzings „Der Schwarm“.

In den letzten Tagen in La Rochelle und während der gesamten ersten Etappe gibt es viele dieser Momente, in denen ich nur noch staune und mir immer wieder klarmachen muss, dass das alles wirklich passiert. Die Naturereignisse, das Ablesen der Position auf der Seekarte, wobei man feststellt, dass im Osten hinter dem Horizont Casablanca liegt und nicht die Ile de Groix, die überraschend große öffentliche Aufmerksamkeit, das Mitfiebern der Freunde zu Hause, das Gemeinschaftsgefühl unter den Seglern, all das ist einfach überwältigend.

Die unglaubliche Nervosität, die sich bis zum Start am 25.09. kontinuierlich aufgebaut hat, verschwindet, als mich das Motorboot aus dem Bassin des Chalutiers in La Rochelle durch die Hafenausfahrt schleppt während „Eye of the tiger“ lautstark läuft und die vielen Zuschauer applaudieren und „Bonne Chance“ rufen. Endlich hat das unerträgliche Warten ein Ende, es geht los.

Der Start gelingt nicht besonders gut. All der Trubel lenkt mich zu sehr ab, beim 8-Minuten-Signal knattert einer der beiden Hubschrauber, die Luftaufnahmen machen, über mich hinweg, sodass ich verpasse die Zeit richtig zu nehmen. Außerdem wird die Startprozedur anlässlich des Todes unseres Mitseglers Jean-Marc Allaire um eine Gedenkminute erweitert. D.h. nach dem Startschuss stoppen alle wie abgesprochen ihre Boote und segeln erst los, wenn über Funk das Ende der Gedenkminute signalisiert wird.

Ich versuche mich aus dem Pulk herauszuhalten, bekomme trotzdem beim sehr leichten Wind das Boot nicht schnell genug in Fahrt und befinde mich sehr weit hinten im Feld, als ich die zweite Bahnmarke vor der Ile d´Oleron passiere. Egal, es sind ja noch 1100 Meilen.

Von Anfang an entwickele ich eine gute Bordroutine, die von den Terminen der Rennleitung unterstützt wird. Zwischen sechs und sieben wird es hell, dann gibt es ein kleines Frühstück. Um acht Uhr morgens und sieben Uhr abends UTC (universal time coordinated): Positionsmeldung an die Begleitschiffe über Funk.

Der Bootsnummer nach wird man angefunkt, gibt seine Koordinaten an, wird nett gefragt ob alles in Ordnung ist, wie der Tag oder die Nacht war. Die Prozedur dauert etwa eine Stunde und bietet die Möglichkeit sich im Feld etwas zu orientieren. Wo sind die anderen, bin ich eher nördlich oder südlich bzw. östlich oder westlich? Wie weit sind die anderen etwa entfernt?

Dazwischen, um fünf nach elf Uhr vormittags, kommt über die Kurzwellenfrequenz von Monaco Radio der Wetterbericht auf Französisch und Englisch, danach die aktuelle Rangliste. Die Stimme des Race Directors Denis Hugues ist nur schwer zu erkennen im Hintergrundrauschen und zwischen den Summtönen, die das SSB-Radio vom Autopiloten bei jeder Bewegung empfängt.

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Ein Kommentar „Mini Transat 6.50: Björn Freels 33. mit “Rikki Tikki” über sein Einhand Abenteuer“

  1. avatar Matze sagt:

    Mehr Berichte und Bilder unter: http://rikkitikkitransat.blogspot.com/

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