Mini-Transat 6.50: Der chinesische Mini-Exot Guo Chuan im Portrait

"Die wildesten Typen"

Der Chinese Guo Chuan ist als Medien-Mann mit dem chinesisch irischen Volvo Ocean Racer "Green Dragon" unter Skipper Ian Walker um die Welt gesegelt. © DR

„Hier kommen die wildesten Typen aus aller Herren Länder zusammen,“ meinte vor dem Mini-Transat-Start Bernhard Stamm , der Genfer Erfolgssegler im Open 60, Classe 40 und früher eben auch in der Mini-Szene.

Wer sich einmal zu den „tollkühnen Frauen und Männern in ihren fliegenden Kisten“ zählen dürfe, bliebe mit Sicherheit für den Rest seines Lebens vom Offshore-Segeln in den 6,50m-Booten infiziert, nicht zuletzt wegen des hohen Sympathiefaktors unter den Mini-Skippern.

Entsprechend ist die derzeit gesegelte Trans-Atlantik-Regatta „La Charente Maritime/Bahia“ von der Bretagne nach Brasilien in 2 Etappen nicht nur seglerisch ein echter Leckerbissen für die (virtuellen) Zuschauer, sondern auch ein Beweis dafür, dass gerade beim Regattasegeln  Völkerverständigung durchweg wörtlich genommen werden kann.

Nachdem SR die Traumfrauen dieser Transat vorgestellt hat, folgen in den nächsten Tagen Portraits solcher Minisegler, die selbst in diesem bunten Haufen noch exotisch wirken. Den Anfang macht der Chinese Guo Chuan, Jahrgang 1965. Er ist auf einem Serien-Pogo 2, Bj. 2004 unterwegs.

Guo Chuan 2009 im Zentrum des Interesses beim Volvo Ocean Race Etappenstopp in Qingdao. © Tomlinson/VOR

Im Zeichen des Drachen – was sich wie der Titel zu einem Martial Arts-Film anhört, ist für Guo Chuan Programm. Denn der Drache (wir sprechen vom sagenhaften Glücksbringer, der durch die Lüfte fliegt und nicht von der Bootsklasse) hat seinem Leben schon öfter entscheidende Impulse gegeben, nicht nur, weil Guo im Jahr des Drachen geboren wurde!

„Der Drache ist für mich mehr als ein Symbol,“ erklärte augenzwinkernd der erste chinesische Teilnehmer der Mini-Transat und der erste chinesische Mini-Segler überhaupt.

Guo Chuan wurde in Qingdao geboren, wo 2008 die olympischen Segelregatten ausgetragen wurden. Was sich zunächst überhaupt nicht auf sein Leben auswirkte – Segeln war (und ist) in China alles andere als ein Volkssport.

Der sieben Jahre alte Pogo2 bereitete Guo Chuan auf der zweiten Etappe schon arge Probleme. Er musste reparieren und segelt dem Feld hinterher. © DR

Doch als er sich längst in Peking als Raumfahrtingenieur niedergelassen hatte, kam er vor zehn Jahren auf (beruflichen) Umwegen mit der Offshore-Szene in Kontakt und begeisterte sich bei mehreren  Regatten im Chinesischen Meer für die Segelei.

2006 traf er auf  Ellen MacArthur, die in China ein Offshore-Programm unter dem Patronat großer chinesischer Unternehmen segelte. Ihre Erzählungen begeisterten Chuan fürs Segeln und beim Schmökern in Ellens Buch stieß er immer wieder auf die sagenhafte Mini-Transat, die Ellen 1997 bestritt und die sie bis heute prägt.

Guo ließ der Gedanke nicht los, als einer der ersten Chinesen bei internationalen Offshore-Regatten teilzunehmen. Und da die Charente/Bahia mit ihren Minis zumindest im einigermaßen finanzierbaren Rahmen lag, kauft er in 2008 seine Pogo 2,  ließ das Reich der Mitte zunächst hinter sich und begann  (Heimathafen La Rochelle) mit dem Training.

Bei ersten Regatten finishte er vielversprechend im Mittelfeld, er hatte bereits alle Qualifikationen für die Minitransat in der Tasche, als erneut der Drache rief. Guo wurde als Medien-Mann in das irische Volvo Ocean Team “Green Dragon” von Ian Walker berufen, bei dem sich ein chinesischer Sponsor engagierte.

Also fiel 2009 die „Mini-Segelei“ aus. 2010 war der Chinese Erfahrungs-gestählt zurück beim Training vor der bretonischen Küste. „Ich habe in den letzten 3 Jahren eigentlich nichts anders gemacht, als gesegelt,“ resümiert Guo. „Mein Drache will endlich losfliegen!“

Dass die geschuppten Viecher als Glücksbringer eher mit Vorsicht zu genießen sind, zeigt Guos bisheriger Rennverlauf: Nach schwachem Start zur ersten Etappe erregte er Aufsehen, als er mit einem extremen Schlag gen Westen die Dümpelei vor dem Cap Finsterre umgehen wollte.

Kurze Zeit sah es so aus, als würde er allen zeigen, wie in der Biskaya gesegelt werden muss. Er wurde in der Spitzengruppe geführt. Dann verschwand er aber doch in den hinteren Regionen. Platz 40 von 45 Finishern.

Nach dem Start zur zweiten Etappe lag er wieder gut platziert in der Nähe der Top Ten und steuert wieder extrem als einziges Boot durch die Kanaren als es es nach einer 30 kn-Bö im Ruder seiner Pogo2 kracht. Der Chinese muss drei Tage nach dem Beginn des Rennens La Gomera anlaufen,  um Reparaturen vorzunehmen.

Mittlerweile ist er wieder unterwegs und jagt seine Konkurrenten vor sich her. 650 Meilen hinter dem Ersten und fast 300 Meilen hinter dem Vorletzten. Aufgeben gibt es bei ihm nicht. Der Drache wird’s schon richten!

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier
Spenden
https://yachtservice-sb.com

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *