Mini-Transat: Bouroullec vor Muzzolini und Le Roy. Gracheva 4. – Burke auf der Überholspur

Nur eine Stunde

Ganz schön knapp nach 1.400 Seemeilen: Die ersten drei Proto-Segler kommen innerhalb einer Stunde ins Ziel. Gracheva folgt 8 h später. Burke holt auf: Rang 9 bei den Serien-Minis.

Drei Mal Etappen-Glück: le Roy, Bouroullec, Muzzolini © mini-transat/ Courcoux

Wahrlich, wahrlich: Diese erste Etappe der Mini-Transat hat es in sich. Schlecht einschätzbare Wetterlagen mit fiesen Tiefs, „schwammige“ Empfehlungen der Regattaleitungen, Orca-Angriffe, Bruch auf einigen Booten und (fast) ein Total-Verlust bei der Einfahrt in einen Schutzhafen. Und natürlich ein 19-jähriger Melwin Fink, der die Serienwertung mit großem Vorsprung anführt – nicht schlecht für ein, von den meisten Booten noch nicht mal absolviertes erstes Drittel der Einhand-Transatlantik-Regatta. 

Auf der Autobahn

Auch vorne, ganz vorne bei den Prototypen, gab es einiges Außergewöhnliches zu beobachten. Wie bereits berichtet, konnten sich die drei französischen Prototypen-Segler LeRoy, Bouroullec und Muzzolini sowie die Russin Irina Grachewa höchst erfolgreich vom Rest der Flotte auf Höhe spanisches Kap Finisterre absetzen.Nach einer von allen Vier als ausgesprochen schwierig bezeichneten Querung der Biskaya und nach einem fiesen Tief gegenan, gelang es dem Quartett „handstreichartig“ vor den nächsten Tiefs ohne Starkwind-Probleme auf die „Autobahn“ Richtung Süden einzubiegen. Es folgten lange Gleitfahrten bis hinunter zu den Kanaren, höchstens mal durch die eine oder andere, erträgliche Schwachwindphase leicht abgebremst. Von den drei aufeinander folgenden Tiefs, die kurz nach ihnen für Aufregung vor Kap Finisterre sorgten, haben die Vier so gut wie nichts abbekommen.

 

Irina Gracheva lieferte ein 1st class-Rennen © olivaud/mini-transat

Gestern segelte schließlich am frühen Abend um 17:42 h Ortszeit Tanguy Bouroullec als Sieger der ersten Etappe in der Pototypen-Klasse über die Ziellinie. Eine Stunde später kam Fabio Muzzolini an, dicht gefolgt von Pierre le Roy, der nur sechs Minuten länger brauchte. Irina Gracheva, brauchte auf Rang Vier rund acht Stunden länger. Zuvor mussten die Boote und Skipper durch ein virtuelles Gate segeln, das die Regattaleitung wegen der unklaren Situation auf La Palma – der Vulkan würgt immer noch seine Lava aus – für den Fall eines neu anzulaufenden, anderen Hafens auf einer Kanaren-Insel ausgelegt hatten. 

Ein Gate, das Pierre Le Roy auf seinem Scowbug Raison-Design mindestens den zweite Rang gekostet hat. Denn der 36-Jährige, Fünftplatzierter im Serien-Mini bei der letzten Mini-Transat, lag oberhalb des Gates eigentlich perfekt für einen Anlieger Richtung La Palma, als er wohl im letzten Moment seinen Faux-Pas bemerkte und gerade noch rechtzeitig abdrehte. Ob er von seinen Kollegen über Funk gewarnt wurde oder den Irrtum selbst bemerkte, ist noch nicht bekannt. 

Heiße Positionskämpfe

Im Prinzip hatten sich die drei Segler während der gesamten ersten Etappe „beharkt“. Lange Strecken führte Le Roy auf seinem Scowbug-Proto „Team Works“ souverän und man bangte schon um den eigentlich als Favoriten gehandelten Bouroullec auf seinem Pogo-Foiler. Auf Höhe der Straße von Gibraltar wurde Le Roy in einer Schwachwindzone, die ihn früher erwischte als die Konkurrenz, ausgebremst. Bouroullec und Muzzolini nutzten ihre Chance und setzten sich an die Spitze. Das Trio lieferte sich bis zum Ziel heiße Positionskämpfe, die erst auf den letzten Seemeilen entschieden wurden. 

Fabio Muzzolini kurz vor dem Ziel © courcoux

Bemerkenswert ist, wie gut Fabio Muzzolini auf seinem eher herkömmlichen Lombard-Riss von 2018 (Baunummer 945) den Speed des Pogo Foilers von Bouroullec und des nagelneuen Raison-ScowBugs (Baunummer 1019) halten konnte. Trotz größtenteils idealer Foil-Bedingungen waren zu keinem Zeitpunkt eklatante Speed-Verluste bei Muzzolini zu verzeichnen. Auch Irina Gracheva hielt zunächst auf ihrem deutlich älteren Lombard-Design von 2010 bestens mit. Erst als sie auf Höhe Andalusien einem vermeintlich heranrückenden Hoch ausweichen wollte (das dann deutlich weniger eindrucksvoll war), verlor sie den Anschluss. 

Schon jetzt ist klar: Egal wie die zweite Etappe ausfallen wird – der Gesamtsieger bei den Prototypen wird eine(r) aus diesem Quartett sein. Bisheriger Rückstand des Fünftplatzierten Piers Copham, der sich vor Kap Finisterre wie Melwin Fink übrigens ebenfalls nicht in einen Schutzhafen begeben hatte: 640 Seemeilen!

Eine(r) wird gewinnen

Bei den Serien-Minis ist seit gestern Einiges passiert: Ganz vorne glitscht Melwin Fink mit 10kn Speed Richtung Kanaren. Der 10-h-Tracker vermeldete einen Vorsprung auf den Österreicher Christian Kargl, der seine zweite Position ebenfalls halten konnte, von 100 Seemeilen. Allerdings wird Kargl – weiter unter Land – bald den einen oder anderen Knoten mehr Windstärke aus Nord-Nord-Ost abbekommen. Aber auch Melwin hat den Flux bereits bemerkt und halste weg von seinem Anlieger-Kurs weiter östlich. 

Lennart Burke ist wieder auf der Überholspur © champy MacLean

Sehr cool, Lennart Burke hat sich auf Rang 9 vorgearbeitet. Hierzu SR-Mini-Kommentator Oliver Tessloff: „Lennart ist nach seinem Zwischenstopp wieder klasse “in Schwung gekommen“.  Sein Boot läuft gewohnt optimalen Speed. Was seine Reparatur am Bugkorb anbelangt, ist noch nichts Genaues bekannt. Tatsache ist jedoch, dass er nun unter allerbesten Segelbedingungen endlich zeigen kann, was er „drauf“ hat. Dabei ist übrigens noch einiges „drin“. Sein Abstand zur Drittplatzierten Julie Simon beträgt „nur” 50 Seemeilen. Rund um ihn herum segeln die Konkurrenten sehr homogen mit nur wenigen Seemeilen abstand. ich schätze mal, Lennart kann die Regatta jetzt endlich genießen, glitscht unter besten Bedingungen im Passat Richtung Süden, kann sich auch mal ein wenig ausruhen und wird sich jetzt endlich mal ein anständiges Essen kochen. Soll ja auch Spaß machen, das Ganze!“ 

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Michael Kunst

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