Mini Transat: Die Jury hat entschieden – Zeitgutschriften werden ausgesprochen

"Nicht klar verstanden"

Das internationale Schiedsgericht hat über die unglückliche erste Etappe beim Mini Transat entschieden und Fehler bei der Wettfahrtleitung erkannt.

Im Ziel der ersten Etappe des Mini Transat Rennens 2021 von Les Sables d’Olonne nach Santa Cruz de la Palma sind von der fünfköpfigen internationalen Jury exakt 18 Proteste akzeptiert worden. Sie wurden in einem einzigen Fall verhandelt, weil es sich jeweils um den gleichen Vorwurf handelt: Die Wettfahrtleitung soll Fehler gemacht haben bei dem Versuch, die Flotte vor einem herannahenden Sturm zu schützen. Diese habe zu einer unfairen Verschiebung im Ranking geführt.

Zu den Protestierenden gehören Lennart Burke und Leo Debiesse, Basile Bourgnon, Alberto Riva, Anne-Claire Le Berre und Federico Waksman. Die Jury ist mit zwei Franzosen, je einem Mitglied aus Hongkong und Spanien besetzt. Dazu Walter Mielke aus Deutschland.

Die in der Entscheidung dokumentierten Fakten ergeben für das Schiedsgericht, dass den Skippern unterschiedliche Empfehlungen oder Ratschläge übermittelt wurden, wenn sie sich in unterschiedlichen Wetterzonen befanden.

“Unzulässige Handlung der Rennleitung”

“Es wurden unter anderem Sätze wie ‘Es wird empfohlen, Schutz zu suchen’ oder ‘Wir bitten Sie, Schutz zu suchen’ verwendet”, heißt es in der Begründung. Es sei auch kein allgemein gültiges Verfahren für den Neustart definiert worden. “Die Folgen eines Stopps oder Nichtanhaltens wurden nicht spezifiziert.”

Die Wettfahrtleitung habe nur vage und ungenaue Empfehlungen gegeben, im nächstgelegenen Hafen Schutz zu suchen. “Dies wurde von den Wettbewerbern nicht klar verstanden.” Dies stelle eine unzulässige Handlung oder Unterlassung der Rennleitung nach und erfülle die Anforderung der Wiedergutmachung-Regel 62 (RRS 62.1(a) ).

Die Entscheidung: “Alle Boote, die gestoppt haben, werden wie folgt entschädigt: Abzug von 24 Stunden von ihrer Rennzeit.” 80 Skipper erhalten diese Bonifikation.

Christian Kargl freut sich über Platz zwei auf der ersten Mini-Etappe. © Mini Transat

Nach dieser Regelung hätte Christian Kargl der große Gewinne sein können. Zählt sein kürzerer Stopp auch so wie bei den anderen? Er segelte weiter nach Süden als die Konkurrenz und legte etwa fünf Stunden früher ab.

UPDATE: Christian Kargl kommt nicht in den Genuss der Gutschrift. Sein Stopp erfolgte erst deutlich nach der Wettermeldung durch die Rennleitung und wird nach einem Elektronikausfall als technischenr Boxenstopp gewertet.

Nun wird also Melwin Fink am 29. Oktober als Führender auf die Bahn Richtung Guadeloupe gehen, allerdings nur noch 1 Stunde und 52 Minuten vor dem bisher drittplatzierten Hugo Dhallenne und sieben Stunden vor Julie Simon (4.). Eigentlich – denn die Französin hat von der Jury auch eine Strafe aufgebrummt bekommen, weil sie sich nicht vom Verkehrstrennungsgebiet  vor Finisterre freihielt. Sie erhält einen zehnprozentigen Aufschlag auf ihre Rennzeit – ein Minimum von 20 Stunden. Das wirft sie im Ranking weit zurück.

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

6 Kommentare zu „Mini Transat: Die Jury hat entschieden – Zeitgutschriften werden ausgesprochen“

  1. avatar Thomas Jung sagt:

    Ist es nicht so, dass die Zeitgutschriften nur erhält, wer protestiert hat? Christian Kargl gehörte nach dem Dokument des Schiedsgerichts nicht dazu (“Cases No: 2 to 20”). Er hatte ja auch keinen Anlaß für einen Protest, da er aus technischen Gründen einen Hafen angelaufen hatte.

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  2. avatar 2sail sagt:

    Würde ich auch so sehen, ich habe keine Wiedergutmachung beantragt. Es wird hier auf La Palma gerade wild spekuliert 😉

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    • avatar PL_jangadamail sagt:

      Nun wurde nochmal anpasst. Ich kapiere nicht wirklich, warum Christian Kargl 😉 eine Zeitgutschrift bekommt. Er hat doch nur wegen eines technischen Problems angehalten. Also, gönnen tue ich es ihm sehr. Aber die Logig dahinter erschließt sich mir nicht.
      Aber sei’s drum. Die Regattaleitung und die Jury haben sich echt verzockt und den Überblick irgendwo geparkt. Hoffen wir auf sportliche Weiterführung. Der fade Beigeschmack bleibt. Aber die Leistungen von Fink und auch Kargl bleiben auch!!! Da können die Verantwortlichen entscheiden und lamentieren wie sie wollen. #Daumendrücken,

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  3. avatar resistance sagt:

    DieJury hat (erfolglos) versucht zu retten was noch zu retten ist.
    Leider ist die Rennleitung zwar erfahren aber inkompetent. Das zeigt sich auch am Festhalten des Etappenortes La Palma trotz der Entwicklung der Situation um den Vulkanausbruch. Es wird sehr viele technische Ausfälle geben, wenn überhaupt alle Teilnehmer wieder zurück auf die Insel kommen.
    Der “Directuer de Course” Dennis Hugues ist in Les Sables so was wie geschütze Spezies und quasi verbeamtet. Ein netter Typ, aber leider ziemlich faul, unengagiert und ahnungslos. Als Rennleiter eine Nullnummer, auf einen Drink in der Bar okay.

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  4. avatar WE sagt:

    Typisch , die Franzosen!
    Wenn Sie so ein Langstrecken Ding nicht traditionell gewinnen.
    Entweder schicken Sie einen Fischkutter oder legen halt Protest ein!

    • avatar kopfschüttler sagt:

      Ich sags ja immer wieder: wir sollten wieder gegen den Franzmann ziehen!
      Wir Kartoffelfresser sind da einfach überlegen

      (Oder bin ich jetzt im falschem Jahrhundert gelandet?)

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