Mini Transat: Zehn Frauen über den Atlantik – Lina Rixgens hält die deutsche Flagge hoch

Frauenpower

Mini transat, Frauen

Lina Rixgens, deutsche Teilnehmerin beim Mini Transat 2017 © blondsign by Eike Schurr

Zehn Frauen aus drei Nationen in der diesjährigen Mini-Transat-Flotte. Medizinstudentin, Politik-Wissenschaftlerin, Handelsmarine-Offizierin, Start-Up-Gründerin, Weltumseglerin… alle dabei!

Die Mini-Transat setzt wieder deutliche Akzente. 40 Jahre nach ihrer ersten Ausgabe kann sich die Mini Klasse kaum vor Willigen retten, die in diesem Jahr in zwei Etappen einhand, ohne Kontakt zum Festland, über den Atlantik segeln wollen. Und das wohlgemerkt auf Booten, deren Komfort stark an den Luxus erinnert, den eingelegte Sardinen in ihrer Büchse genießen dürfen… 

Lina Rixgen

Lina Rixgens auf ihrem neuen Sitzsack. © Rixgen

Auf ihren rasenden, 6,50 Meter kurzen Kisten, aufgeteilt in die beiden Kategorien Prototypen und Serienboote, haben sich für die 84 zunächst von der Regattaleitung zur Verfügung gestellten Startplätze bereits knapp einhundert Skipper aus 13 Ländern „beworben“.

Das Gros stellen nach wie vor die hochseeverrückten Franzosen, gefolgt von Italien und Spanien mit je sechs Startern und Deutschland mit immerhin fünf Teilnehmern. (SR-Artikel) Noch haben nicht alle Gemeldeten sämtliche Qualifikationskriterien erfüllt, hier könnte also noch eine „natürliche Selektion“ stattfinden. Man munkelt jedoch schon, dass die Regattaleitung im Fall der Fälle auch mehr als die zunächst anvisierten 84 Boote an den Start lassen will. 

Bester Hochsee-Einstieg für Frauen?

Der Boom erstaunt nur wenig. Kaum eine Klasse hat im Laufe der vergangenen Jahrzehnte mehr für den Hochsee-Regattasport getan, als die „Classe Mini“. Ihre Skipper führten die längst gängigen Innovationen wie Wasserballast-Tanks oder Schwenkkiel ein und experimentierten zuletzt auch mit Foils. Oft stehen die großen Vendée Globe-Rennställe hinter den Entwicklungen. So testeten sie auch die Tragflächen-Technik auf umgebauten Mini-Prototypen bevor sie bei den IMOCAs eingesetzt wurden. 

Mini transat, Frauen

Clarisse trommelt reichlich mit ihren Videos © clarisse cremer

Doch neben dem technisch innovativen Part gelten die „Ministen“ selbst als das echte und wahre Potential der Klasse. Erstaunlich viele der gestrigen und heutigen „große Namen“ im Hochseeregattasport haben sich ihre ersten Lorbeeren auf dem Mini 6.50 verdient.

Besonders auffallend ist dabei der hohe Anteil Hochseeseglerinnen. Keine andere Klasse „gebar“ so viele weibliche Stars der Hochseeszene. Isabelle Autissier, Catherine Chabaud, Samantha Davies haben sich bei der Mini Transat erstmals international in Szene gesetzt und die legendäre Ellen MacArthur sagte sogar mehrfach, dass sie dem Mini ihre schönsten Segelerlebnisse verdanke.

Die Schule der Minis

Jüngere Seglerinnen, die durch die „Mini-Schule“ gingen und aktuell in der Hochseeszene für Furore sorgen, sind etwa die Deutsch-Französin Isabelle Joschke (die nach dem Mini in der Figaro-Szene brillierte und derzeit auf ihrer Class 40 vorne mitmischt) und die Schweizerin Justine Mettraux. Sie wurde beim Mini Transat 2013 Zweite in der Serienwertung. Mettraux segelte danach im SCA-Frauenteam beim Volvo Ocean Race um die Welt und startet derzeit im anspruchsvollen Figaro-Zirkus. 

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Nolwenn verbringt ihren Alltag auf Schiffen… der Handelsmarine! © Oriot

Ausgerechnet bei der medial starken, vergangenen Ausgabe der Vendée Globe war zur großen Enttäuschung der Szene keine einzige Frau am Start. Aber das ist offenbar nur eine Momentaufnahme der Situation für Frauen im Hochseesport. Denn das Volvo Ocean Race bringt mit der Quotenregelungen wieder Frauen auf Wasser, und gleich zehn Skipperinnen werden bei der diesjährigen Mini Transat am Start sein, so viele wie noch nie.

Darunter befindet sich die junge Deutsche Lina Rixgens (23) (SegelReporter berichtete), die bereits alle Qualifikationskriterien erfüllt hat (1.000 Seemeilen in Regatten // 1.000 Seemeilen solo, einhand, nonstop). Sie holt sich mit reichlich Enthusiasmus derzeit vor La Rochelle in den typischen Mini-Trainingsgruppen und mit einigen „kürzeren“ Regatten wie etwa der Bretagne Sud Mini Lorient den letzten Schliff.

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Marta freut sich schon mal auf die kristallklaren Wasser ihrer Heimat © marta mini

Die ehemalige Europe-Spitzenseglerin hat es im Laufe der letzten Monate geschafft, sich auch mit überzeugender Medien- und Marketing-Arbeit ins „rechte Licht“ zu rücken. So kam etwa kürzlich „OneSails“ als Sponsor ins Boot und bei den German Offshore Awards erhielt sie schon mal den Jugendpreis – wohl als erste Seglerin, die ihr großes Abenteuer noch vor sich hat.  (Facebook, Website)

Lina Rixgens ist einzige Deutsche

Mal ganz abgesehen davon, dass Lina Rixgens noch nie Platzierungsambitionen bei der anstehenden Mini Transat geäußert hat – Prämisse ist bei ihr das Ankommen im Zielhafen auf Martinique – hat sie es doch mit einer ausgesprochen „schlagkräftigen Frauentruppe“ in der Mini-Transat-Flotte zu tun. 

So zeigen in diesem Jahr gerade die Mini-Skipperinnen, dass frau aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen zur Hochseesegelei stoßen kann. Angefangen bei der Medizinstudentin Lina, die gegen Ende ihres Studiums derzeit alles, was nichts mit Segeln zu tun hat hintenan stellt, um fit am Start in La Rochelle zu sein, zeigen auch die anderen Teilnehmerinnen, dass frau nicht unbedingt in den Werfthallen von Pogo Structures groß geworden sein muss, um sich den Traum von der Einhand-Transatlantikregatta zu erfüllen. 

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Marine André ist die “Benjamina” der Truppe © andré

Da wäre zunächst Clarisse Cremer. Die junge Seglerin (26) bezeichnet sich selbst als Novizin, zumindest was das Blauwassersegeln anbelangt und begann bereits vor sechs Jahren von der Mini-Transat zu träumen, nachdem sie sich beim Rugby (!) die Bänder gerissen hatte. Sie wolle mal etwas weniger Physisches machen, dachte sie damals.

Seit zwei Jahren bereitet sich die Start-Up-Unternehmerin intensiv u.a. vor Lorient auf die anstehende Mini Transat vor und gilt in den Trainingsgruppen als wahres „Tier“, zumindest was den Enthusiasmus anbelangt. Den zeigt sie zudem in klasse gemachten, witzigen Videos und mit einem sympathisch-selbstsicheren Auftreten in den französischen Medien (Website Clarisse)

Medizinstudentin, Politik-Wissenschaftlerin, Handelsmarine-Offizierin

Ein ähnlicher Typus, aber mit anderem Hintergrund, ist die Französin Nolwenn Cazé (25). Die Bretonin ist direkt neben dem legendären Mini-Hafen „La Base“ in Larmor Plage zu Hause, verbringt aber die meiste Zeit ihres Alltags… auf See! Nein, nicht beim Mini-Segeln, sondern als Offizierin bei der Handelsmarine. Kaum hat Nolwenn wieder festen Boden unter den Füßen, tauscht sie denselben mit ihrem Serien Pogo 2 No. 626. Ein Leben auf dem Meer also, das seinen vorläufigen Höhepunkt bei der Mini-Transat erreichen soll. (Website )

Als jüngste Teilnehmerin wird dieses Jahr die Französin Marine André im Alter von gerade mal 22 Jahren an den Start gehen. Die Studentin aus Brest wird auf einem Pogo 2 (No. 512) in der Serienwertung dabei sein. Ihre 10-tägige Einhand-Qualifikationsfahrt und ihre Mini-Fastnet -Teilnahme mit ihrem 69-jährigen Vater haben in der Szene gewisse Akzente gesetzt (Facebook). 

Mini transat, Frauen

Charlotte (am Draht) stieg vom 470er direkt in den Mini © di Fazio

Zwei Teilnehmerinnen der diesjährigen Mini Transat kommen aus Spanien. Marta Guemes dürfte beim Mini-Transat-Etappenstopp auf Gran Canaria besonders stürmisch begrüßt werden. Für sie wird das ein „Heimspiel“, da sie auf den Kanaren groß geworden ist (Facebook) und auch dort schon auf ihrem Mini Pogo 2 trainierte, bevor sie nach La Rochelle zur intensiveren Vorbereitung umsiedelte.

Den wohl professionellsten Background bei den Frauen, wenn nicht sogar der Ganzen diesjährigen Mini Transat bringt die Katalanin Anna Corbella mit. Sie hat bereits eine Mini Transat und zwei Teilnahmen am Barcelona World Race (Zweihand auf IMOCA nonstop um die Welt) hinter sich. Auf ihrem Pogo 3 Serien-Mini wird ihr durchaus der Sieg in der Frauenwertung zugetraut, wenn nicht sogar ein vorderer Platz in der Gesamtwertung. (Facebook)

Alles dabei: 470er-Seglerin, Weltumseglerin, schiere Anfängerin

Als einzige Frau in der Prototypen-Klasse wird die Französin Charlotte Mery dabei sein. Die 26-jährige Politikwissenschaftlerin wirbt auf ihrer Website mit dem Satz: „Nein, ich bin nicht Bretonin! Nein, ich komme nicht aus Marseille! Nein, meine Eltern waren keine Segler! Und dennoch zieht mich das Meer seit meiner Kindheit an!“

Und wie: Von 2010 bis 2013 segelte sie im französischen 470er-Nachwuchskader und erreichte in diesen Jahren unter anderem den Französischen Vize-Meistertitel. Mit den Worten „sie wolle mal was ganz anderes machen“ schrieb sie sich für die diesjährige Mini-Transat ein. (Männliche) Proto-Trainingspartner  bescheinigen ihr, dass sie das Zeug dazu habe, ziemlich weit vorne auf den Antillen anzukommen. 

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Anna Corbella wird durchaus zugetraut, ganz vorne mitzumischen © Corbella

Lassen wir zum Abschluss nochmals Ellen MacArthur zu Wort kommen. Sie sagte einmal im Interview zum Thema „Frauen bei der Mini Transat“: “Es heißt immer, der Mini würde sich für Frauen besonders gut eignen und deshalb seien immer mehr von uns bei der Mini Transat dabei. Alles Quatsch! Wer jemals auf den kleinen Zicken geschuftet hat, der weiß, was das für eine Knochenarbeit auf den Dingern ist. Nein, es ist vor allem der spezielle Esprit, der auch uns Frauen in der Klasse gefällt. Und an dem wir maßgeblich beteiligt sind, auch wenn wir selten mehr als 10 Prozent Quote schaffen. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!“ 

Alle Teilnehmerinnen der Mini Transat 2017

– Marine André, Pogo 2

– Nolwenn Cazé, Pogo 2

– Elodie Pédron, Pogo 2

– Clarisse Crémer, Pogo 3

– Agnès Menut, Pogo 2

– Marta Guemes, Pogo 2

– Anna Corbella, Pogo 3

– Estelle Greck, Pogo 2

– Lina Rixens, Pogo 2

– Charlotte Méry, Prototype

Website Mini Transat 

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Michael Kunst

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Ein Kommentar „Mini Transat: Zehn Frauen über den Atlantik – Lina Rixgens hält die deutsche Flagge hoch“

  1. Schöner Atikel und ich freue mich schon auf das Aufeinandertreffen von Anna und Clarisse – sozusagen Sturm&Drang vs. Erfahrung-Hoch-3.

    Und natürlich wünsche ich auch Lina alles Gute, und dass sie hoffentlich gut auf der anderen Seite ankommt.

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