Mini-Transat: Marc Eric Siewert im Ziel – Von Seekrankheit gebeutelt

"Gerührt über den Empfang"

Marc Eric Siewert hat die erste Etappe der Mini-Transat geschafft. Er benötigte für die 1350 Seemeilen 15 Tage und 10,5 Stunden. Im Interview erzählt er, was passiert ist.

Endlich angekommen nach mehr als 15 Tagen auf See. © MiniTransat

Man konnte sich schon Sorgen machen um Marc-Eric Siewert. Seit Montag 18:51 Uhr ist die Ziellinie der Mini-Transat vor La Palma geschlossen und der 24-jährige Hamburger wollte nicht in Sicht kommen. Ist kurz vor dem Finish noch etwas passiert?

Siewert beim Start. © Mini-Transat, Vincent Olivaud

Es war nur eine hartnäckige Flaute, die Siewert zum Schluss noch einmal ausbremste. Nun wird er zwar mit TLE gewertet (Time Limit Exceeded), weil das Zeitlimit jeweils genau sieben Tage nach dem dritten Boot einer Kategorie – in diesem Fall Proto – ausläuft, aber die Platzierung ist Siewert längst in den Hintergrund gerückt.

Im ersten Interview mit dem Veranstalter nach dem Ziel erklärt er, warum er dem Feld so weit hinterher gesegelt ist. In der ersten Woche bis zu seinem Stopp in La Coruna habe ihm der starke Wind von vorne schwer zu schaffen gemacht. Im stark bockenden Boot habe er vier Tage lang nichts essen können. Seekrankheit setzte ihn außer Gefecht. “Ich konnte nicht mehr klar denken, mich nie richtig erholen, und habe dann eindeutig viele Segelfehler gemacht. So fand ich mich bald im hinteren Teil des Feldes wieder.”

Essen eingespart

Immerhin habe er so am Anfang vier Essensrationen gespart. Und das hat dabei geholfen, am Ende nicht hungern zu müssen. “Denn natürlich hatte ich mir am Anfang nicht vorgestellt, dass ich mehr als 15 Tage brauchen würde, um auf die Kanaren zu kommen.”

Marc Eric Siewert. © Mini-Transat, Vincent Olivaud

Es spielte am Ende keine Rolle mehr, dass er Letzter werden würde. “Das Wichtigste für mich ist, dass ich es so weit geschafft habe. Ich bin sehr gerührt über den Empfang, den ich erfahren habe. Ich dachte, alle würden schon schlafen, als ich so spät ankam. Es bedeutet mir sehr viel, so viele Menschen auf dem Ponton zu sehen, nur wegen mir, einem Mini-Segler.”

Siewert segelt für den Hamburger Segel-Club, bei dem er auch als Jugendtrainer gearbeitet hat. Zum Studium zog er allerdings nach Stralsund, wo er seit 2016 erst Motorsport-Ingenieurswesen und danach Wirtschafts-Ing. für Elektrotechnik studiert.

Boot erlebt vierte Mini-Kampagne

Parallel arbeitete er an seinem Traum, im Hochseesegeln Fuß zu fassen. Selbst eine Profi-Karriere schließt er nicht aus. Dafür gründete er 2018 zusammen mit seinem Vater das Absolute Sailing Team mit dem Ziel an der Mini Transat 2021 teilzunehmen. Anfang 2019 kauften sie den sechs Jahre alten Prototypen-Mini 614, der schon dreimal die Atlantik-Regatta bestritten hat.

Siewert auf seinem Mini. © Mini-Transat, Vincent Olivaud

Die erste Mini-Transat beendete das Schiff auf Rang 23 von 85 Booten, die zweite musste wegen technischer Komplikationen aufgegeben werden, bei der dritten brach der Mast auf der ersten Etappe – dennoch segelt der Proto mit dem Neigekiel noch auf Rang 11 in seiner Klasse.

Die Entscheidung für einen Prototypen sei wegen der Technik-Begeisterung im Team gefallen, sagt Siewert auf seiner Website. Man könne wegen der offeneren Regeln einfach “viel mehr spielen, um das Boot erneut ein bisschen schneller zu machen. Wir können selbst Systeme bauen, und eigene Innovationen ausprobieren.”

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Mini-Transat: Marc Eric Siewert im Ziel – Von Seekrankheit gebeutelt“

  1. avatar Andreas Borrink sagt:

    Klasse Marc Eric, großes Kino! Habe Deine Position jeden Tag angeschaut und die Daumen gedrückt. Toll, dass Du durchgehalten hast. Seekrankheit ist nicht lustig, da kenne ich mich aus……..und mach Dir nichts draus, dass sie die Ziellinie vor deiner Nase abgebaut haben; das geht den ganz großen Skippern (beim SailGP) in letzter Zeit auch öfter so.

    Viel Glück für die zweite Etappe; ich bleibe dran!

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  2. avatar Manfred sagt:

    Dem Kommentar von Andreas ist nichts mehr hinzuzufügen. Tolle Leistung von Marc Eric mit dem älterem Schiff!

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