Mini Transat: Bogackis Podium-Platz – Wie der Arzt gegen die Profis bestehen konnte

"Wundervolle Überraschung"

Morten Bogacki hat Großes geschafft. Der Arzt platzierte sich unter den besten Mini-Einhand-Seglern. Die Franzosen sind überrascht. Dabei spricht vieles für das deutsche Multitalent.

Die Franzosen nennen seinen Erfolg “eine dieser wundervollen Überraschung” dieser zweiten Etappe. Morten Bogacki hatte bei seiner Mini-Transat-Premiere offenbar nicht auf ihren Tipp-Zetteln gestanden. Nach dem elften Platz bei der ersten Etappe war er etwas aus dem Fokus geraten. Dass ein kaputter Autopilot für den Rückstand verantwortlich war, ging unter.

Morten Bogacki (r.) komplettiert das Podium der Prototyp-Klasse bei der Mini Transat. © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Dabei hatte der 33-Jährige zu Beginn gezeigt, dass er mit “Lilienthal” gut gegen die Besten bestehen kann. Das Schiff hat offenbar nichts von dem vorhandenen Potenzial eingebüßt, das Jörg Riechers vor zwei Jahren mit dem zweiten Rang bei der Mini Transat bescheinigen konnte.

Multitalent Bogacki nach bestandenem Abenteuer. © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Aber Bogacki ist eben kein Einhand-Profi, im Sinne der jungen französischen Kollegen. Sie bereiten sich in monatelangen Trainingslagern auf diese Mini Transat vor undträumen von einer Karriere als Hochsee-Held. Der Mann ist Radiologe. Er arbeitet seit 2016 als Assistenzarzt bei der imland Klinik Rendsburg.

Atlantik-Novize aber Vize-Europameister

Das Offshore Team Germany stellte ihm “Lilienthal” zur Verfügung, auch nachdem die Pläne mit Jörg Riechers gescheitert waren. Bogacki hatte nun seine liebe Mühe, die notwendigen Qualifikationsmeilen für das Atlantik-Abenteuer zusammenzubekommen.

“Lilienthal” nach Platz zwei vor zwei Jahren nun Dritter. © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Aber er verfügt über eine intensive Segelausbildung im Optimisten und 420er, bestritt eine Olympia-Kampagne im 470er und wurde im 505er Juniorenweltemeister und 2013 Vize-Europameister. Für den Düsseldorfer Yacht-Club auch als Bundesliga-Steuermann im Einsatz. So viele Meriten hat die Mini-Konkurrenz nicht gesammelt.

Natürlich ist Bogacki ein Atlantik-Novize, aber er gewöhnte sich schnell an den Abenteuer-Modus bei dieser Art des Langstreckensegelns. Er hat das Boot voll im Griff, und gerade der dauerhafte Glitsch-Modus über die fast gesamte 2700 Seemeilen lange Strecke unter Gennaker, war für ihn ein Genuss, wo andere vielleicht Angst verspüren.

Zwei Serienboote waren schneller

Dabei konnte er nicht einmal die Stärken seines Prototyps gegenüber den schnellsten Serienbooten ausspielen. Der Neigekiel, über den nur die Protos verfügen, kam kaum zum Einsatz, da fast über die gesamte Zeit der Wind von hinten kam – deshalb also maximal tief un gerade gesegelt werden musste. So erklärt sich, dass sogar zwei Serienboote vor ihm im Ziel sein konnten.

Die Freundin hat gewartet. © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Bogackis Leistung schmälert das nicht. Schließlich hat er eine solche Ausdauerleistung zum ersten Mal überstanden. Aber besonders der Kraftakt bei der ersten Etappe – überwiegend ohne Autopilot bis zu den Kanaren zu kommen – hat das Happy End auf dem Podium erst möglich gemacht. Denn nicht die Platzierung beider Etappen wird addiert, sondern die Gesamtzeit.

So äußerte sich der einzige Deutsche bei dieser Mini Transat – Henrik Witzmann musste nach einer Knieverletzung die Segel streichen – auch sehr zufrieden über das Erreichte.

Zu stark gepuscht?

“Platz drei ist Klasse, aber ich bin auch sehr überrascht. Am Anfang der Etappe lief es gut, aber ich hatte ein paar kleinere Schäden an Bord und war mir meiner Strategie nicht sicher. Aber am Ende habe ich einen nach dem anderen überholt. 

Land in Sicht. © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Die letzten beiden Tage waren aber noch einmal sehr schwierig bei sehr leichtem Wind. Wir hatten nicht viele Informationen über das Wetter, abgesehen vom Tagesbericht am Morgen mit den Ranglisten. So glaubte ich bis kurz vor dem Ziel, dass meine Rivalen im Süden mehr Wind haben und mich überholen würden.”

Das obligatorische Sieger-Bad. Beim Mini sind alle Sieger. © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Dass es am Ende tatsächlich bei der Etappe und schließlich auch noch in der Proto-Gesamtwertung für das Podium gereicht hatte, war auch für ihn eine große Überraschung. Er habe sich nach den technischen Problemen bei der ersten Etappe und dem Nachrüsten mit neuer Hardware beim Etappenstopp etwas ruhiger und selbstbewusster in Bezug auf die Autopilot-Probleme gefühlt. Dann seien bei dem starken Wind aber wieder Schäden aufgetreten. “Vielleicht auch, weil ich das Boot manchmal etwas zu stark gepuscht habe.”

Habacht-Stellung

Er habe sich allerdings immer etwas in Habacht-Stellung befunden, da es nicht klar war, ob der neu installierte Autopilot nahezu ungetestet seine Arbeit erfüllen würde. “Aber am Ende hat alles gut geklappt.” Der Komplett-Austausch sei die richtige Entscheidung gewesen.

Der Blick nach oben. Die Götter waren ihm gnädig 🙂 © Christophe Breschi / Mini-Transat La Boulangère

Er sei allerdings wirklich überrascht  Erwan Le Mene und Tanguy Bouroullec geschlagen zu haben. “Ich konnte mich nur sehr wenig vorbereiten. In diesem Jahr habe ich kaum gesegelt. Das Projekt war sehr kurzfristig angelegt. Deshalb bin ich mit dem Ergebnis umso zufriedener. Nun frage ich mich aber auch, was mit diesem Boot möglich gewesen wäre, wenn ich mehr Training gehabt hätte.”

Es sei eine fantastische Erfahrung gewesen. Allerdings müsse er schnell die letzten zwei Tage bei sehr leichtem Wind vergessen. “Der Wind drehte ständig, es war sehr heiß, und das machte es vor allem mental sehr anstrengend. Mir ist noch nicht klar, dass ich den Atlantik einhand überquert habe! Als ich am Ilet Cabrit ankam, blickte ich zurück und sagte zu mir selbst: ‘Wow, das waren 3.000 Meilen offener Ozean’.”

 

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

Ein Kommentar „Mini Transat: Bogackis Podium-Platz – Wie der Arzt gegen die Profis bestehen konnte“

  1. avatar uws sagt:

    Starke Leistung, riesiger Respekt! bin gespannt was wir in Zukunft von Morten noch hören!

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 6 Daumen runter 0

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