Mini Transat: Simon Koster startet zum zweiten Mal auf „Eight Cube“ – Verzicht auf Foils

Ohne ist besser

Mini Transat, Simon Koster,

Will ohne Foils bei der Mini Transat ganz vorne mitmischen: Simon Koster auf “Eight Cube” © vapillon

Der Schweizer Proto-Minist zeigt sich im Gespräch mit SR höchst zuversichtlich: Verbessertes Boot, viele Trainingsstunden auf dem Wasser, „mehr Ruhe in Mann und Schiff“. 

Wie die Zeiten sich ändern. Vor ziemlich genau zwei Jahren stand Simon Koster genauso wie heute in den Hallen der „Base“ in Lorient und bastelte. Nur dass damals der junge Schweizer ungleich gestresster wirkte, als in diesen Tagen: Seinen nagelneuen Prototypen „Eight Cube“ hatte er erst drei Monate zuvor von der Werft übernommen, es gab 1.001 Dinge noch zu richten, trimmen und basteln, seine Qualifikationsregatten hatte er im denkbar engsten Zeitrahmen gerade so absolviert. Und „alle Welt“ schaute damals auf ihn und sein Boot. Denn das spektakuläre Plattbug-Design mit Foils und dem ungewöhnlich hoch aufragenden Kajütaufbau erregte reichlich Aufsehen, lieferte Stoff für Spekulationen und polarisierte. 

Mini Transat, Simon Koster,

“Bei Leichtwind bremsen die Anhänge zu sehr!” © vapillon

Viele Vorschusslorbeeren wurden an den Schweizer „vergeben“, der nochmals zwei Jahre zuvor bei seiner ersten Mini-Transat auf einem hervorragenden dritten Rang in der Serienwertung ins Ziel gekommen war und damals (wie heute) als eines der vielversprechendsten Talente in der Mini-Szene galt. 

Gestern…

Doch Koster wusste vor da schon längst, dass er den Wettlauf mit der Zeit verloren hatte. Zu wenige Trainingsstunden waren ihm und seinem Boot „Eight Cube“ mit der Seriennummer 888 vergönnt gewesen, um wirklich „Podiums-fähig“ an den Start der Mini-Transat zu gehen. Nicht zuletzt, weil vor zwei Jahren die Foil-Technik auf dem Mini in der frühesten aller Versuchsphasen steckte und so ein Prototyp ungleich mehr Trimm- und Technik-Aufmerksamkeit erfordert, als ein Serienboot. Als Simon Koster schließlich als Achter auf der anderen Seite des Atlantiks ins Ziel kam, war ihm bei seinem Spruch „dann habe ich eben eine weitere Acht für mein Boot“ zumindest ein wenig Enttäuschung  anzumerken. Letztendlich wartet man als Segler immer doch noch auf ein Wunder… 

… und heute

Ganz anders stellt sich die Situation heute dar. Simon ist zwar wieder am Basteln, doch das seien „nur Kleinigkeiten, die eben so bis zuletzt auf einem Mini anfallen,“ sagt er. Der 28-Jährige wirkt nun ungleich ruhiger, entspannter. Er lächelt offen, ist gesprächsbereit und macht dennoch einen konzentrierten Eindruck.

Mini Transat, Simon Koster,

Geht dieses Mal deutlich gelassener ins Rennen – Simon Koster © vapillon

Ein Hochsee-Segler der weiß, dass er diesmal in der Vorbereitungsphase für die in zwei Wochen startende Mini Transat so ziemlich alles richtig gemacht hat: Viel Training im Sinne von Stunden auf dem Wasser, erfolgreiche Vorbereitungs-Regatten (u.a. Mini-Fastnet Rang 4, Transgascogne Rang 2) und gewisse technische Änderungen am Boot, die „Eight Cube“ sicherer und vor allem schneller gemacht haben. 

Im Gespräch mit SegelReporter zeigt er sich zuversichtlich und vor allem… gelassen! 

Simon Koster über den Verzicht auf Foils

„Die wichtigste Änderung an Eight Cube für die Mini Transat ist mit Sicherheit der Verzicht auf die L-Foils. Mittlerweile stecken wieder „normale“ Seitenschwerter im Boot. Der Grund hierfür war hauptsächlich, dass die L-Foils bei wenig Wind einfach zu stark bremsen. Mein Boot bzw. die Foils waren ja noch nach dem Reglement von 2015 gebaut und somit hatte ich grundsätzlich immer ein Foil im Wasser. Natürlich hätte ich ein anderes Foil-System mit nach außen führenden Foils in der Zwischenzeit zum Einsatz bringen können, aber dafür hat mir ehrlich gesagt das Geld gefehlt. Neue Foils und der entsprechende Umbau der Aufnahme- bzw. Schwertkästen wären auf ca. 30. bis 40.000 Euro gekommen. 

Außerdem sind wir Mini-Segler – aber nicht nur wir – immer noch in einer Lernphase, was das Foilen anbelangt. Es gilt bei jeder Wind- und Wellensituation eine Art Mittelmaß zu finden fürs Foilen und das ist wiederum extrem trainingsaufwändig und technisch sehr anfällig. Klar, du kannst mit den Foils bei idealen Bedingungen super-schnell segeln, aber das eben meist nur über relativ kurze Strecken. Bei einer Hochsee-Langstrecke wie der Mini Transat siegt man jedoch mit einer hohe Durchschnittsgeschwindigkeit in allen Situationen.“ 

Über sonstige technische Änderungen am Boot

„Wir haben das Rudersystem völlig umgebaut, damit es verlässlicher arbeitet. Jetzt segle ich mit einem ähnlichen System wie bei den IMOCA. Das System hat den Test bei der Mini-Fastnet jedenfalls gut bestanden: Weil das eine Zweihand-Regatta über mehrere Tage ist, war das Boot mit uns beiden Seglern, dem Proviant etc. relativ schwer beladen und dennoch hat das Rudersystem bestens funktioniert und gearbeitet. Jetzt erscheint mir jedenfalls alles sicherer und verlässlicher als zuvor.“

Über ein kleines, aber wichtiges technisches „Ass im Ärmel“: 

„Ich kann die hintere Kielaufhängung meines Schwenkkiels 30 mm nach rechts oder links ziehen. Das bewirkt, dass ich einen verstellbaren „Tilt“ habe. So hebt sich das Boot bei steigender Windstärke schneller aus dem Wasser und „Eight Cube“ kommt rascher ins Gleiten.“ 

Übers Training in der Gruppe 

„In der Vorbereitung für die kommende Transat habe ich viel in der Lorient-Gruppe des legendären Tanguy Leglatin trainiert. Dieses gegeneinander segeln und Tanguys Blick von außen auf das, was ich auf dem Boot so alles anstelle… das hilft enorm weiter und gibt eine Menge Selbstvertrauen. Ein wichtiger Aspekt, warum ich mich heute deutlich entspannter und gelassener fühle als vor dem Start der letzten Mini Transat, vor dem ich im Prinzip null Trainingszeit absolviert hatte.“

Mini Transat, Simon Koster,

Rasantes Design, das noch vor zwei Jahren ziemlich polarisierte © vapillon

Über mentale Vorbereitung 

„Ich arbeite bereits seit 2015 mit dem Sportpsychologen Thomas Theurillat zusammen, der mir enorm dabei hilft, die Abläufe an Bord und den Rhythmus während der Langstreckenregatten zu verinnerlichen. Mit ihm erfahre ich, wo meine Grenzen sind, wie ich in welcher Situation besser reagieren, wie ich meine persönlichen Energien besser zum Einsatz bringen kann. Wie lange halte ich bei diesem Rhythmus noch durch, wann muss ich einen Gang rausnehmen – man muss nicht nur sein Schiff, sondern auch sich selbst einstellen können!“ 

Über Träume 

„Mein eher kurzfristiges Ziel ist die Teilnahme an der „Route du Rhum“ 2018. Der Plan ist, eine Class 40 zu chartern, wofür ich natürlich noch Sponsoren brauche und suche. Ich hoffe jedoch, dass mich die aufmerksamkeitsstarke Mini Transat hier noch einen Schritt weiter bringt. Und, ja, dann träume ich noch von der Vendée Globe. Ich bin gut mit Alan Roura  befreundet und habe noch bis wenige Stunden vor seinem Vendée Globe-Start an der Elektronik seiner IMOCA herumgeschraubt und gebastelt. Es war wirklich eine tolle Atmosphäre und Stimmung, das hat mich reichlich inspiriert.“ 

Über UFOs und den Respekt davor 

„Was mir wie fast allen anderen Einhandseglern permanente Sorge bereitet, sind all diese Objekte die da unter der Wasseroberfläche treiben. Und natürlich Wale… Das sind Hindernisse, gegen die ich als Segler im Prinzip nichts unternehmen kann, man muss auf Glück hoffen. Und obwohl ich weiß, dass Glück immer „dazu gehört“ beim Segeln, ist es doch ein Stressfaktor, mit dem man irgendwie klarkommen muss.

Mini Transat, Simon Koster,

Der Plattbug-Mini von Simon Koster – hier noch mit den L-Foils – soll “abgespeckt” schneller über den Atlantik kommen © mini-transat

Neben dem allgemeinen Respekt vor der See gibt es also auch reichlich Respekt vor all dem Unvorhersehbaren. Was mir speziell bei der kommenden Transat zudem Sorgen macht, sind die riesigen Algen-Teppiche, die erfahrungsgemäß ein paar Hundert Seemeilen vor dem Ziel auftauchen. Wenn du da einparkst… 

Über den Coolness-Faktor einer Mini Transat

„Man ist wirklich alleine während der Mini Transat. Es gibt keine täglichen Telefonate mit der Shore-Crew, der Minist ist und bleibt allein auf Hoher See. Höchstens wenn mal ein anderer in der Nähe ist, kannst man über Funk smalltalken. Aber as passiert nur sehr, sehr selten. Bei der letzten Transat war ich drei Wochen von der Außenwelt abgeschnitten – das finde ich richtig cool. Du musst mit allem selbst klarkommen, musst jede Situation ganz alleine überstehen, kannst nur gegen dich selbst kämpfen. Das ist echtes Einhandsegeln…“

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Mini Transat: Simon Koster startet zum zweiten Mal auf „Eight Cube“ – Verzicht auf Foils“

  1. avatar Breizh sagt:

    So jetzt fehlt von den Protofavoriten (nach Jörg Riechers & Simon Koster) noch der “große” Ian Lipinski in einem ausführlichen Interview. 😉 Also ran MiKu.

    Gibt es eigentlich zwischen dem Mini von Jörg Richers & Simon Koster große Unterschiede bzw. bei den Bugformen? Und hat eine davon einen Vorteil?

    Bin schon gespannt auf die Mini Transat

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 8 Daumen runter 1

  2. avatar Michael Kunst sagt:

    Bonjour Breizh, hier zwei Artikel, in denen wir schon etwas intensiver über den Überflieger Lipinski geschrieben haben: 1. Nach seiner spektakulären Havarie bei MT 2013. http://segelreporter.com/regatta/minitransat-ian-lipinski-faehrt-einen-stecker-kentert-und-ueberlebt-nur-knapp/. und 2. aktueller ein Artikel aus diesem Frühjahr. http://segelreporter.com/regatta/mini-6-50-fruehjahrsklassiker-mini-en-mai-wird-von-plattbug-mini-dominiert-deutsche-mit-pech/.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 5 Daumen runter 0

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