Mini Transat: Strategie-Wechsel erfolgreich – Deutsche Skipper segeln in der Mitte

Wendung des Schicksals

Bei der Mini-Transat deutet in der hart umkämpften Serienboot-Klasse  viel auf einen Gesamtsieg des Favoriten Hugo Dhallenne hin – nach einem unglaublichen Comeback.

Das Ziel kommt langsam in Reichweite. Die gesamte Flotte hat wieder ähnliche Windbedingungen.

Das Feld der Serienboote bei der Mini-Transat. Die Boote im Süden haben sich vorgeschoben.

Auch Hugo Dhallenne hatte sich zuerst falsch entschieden. Er folgte der Empfehlung, den Nordkurs einzuschlagen, die laut SR-Experte Oliver Tessloff vor dem Start von den Routing-Spezialisten der führenden Trainingsgruppe ausgesprochen wurde. Er geriet dabei genauso ins Hintertreffen wie die beiden deutschen Spitzensegler Lennart Burke und Melwin Fink und segelte vor gut einer Woche etwa zehn Meilen achteraus genau in ihrem Kielwasser – vermeintlich noch in den Top Ten.

Dhallenne mit seinem schnellen Maxi-Plattbug. © Mini Transat

Aber seitdem ist viel passiert. Der 31-Jährige kämpfte sich hartnäckig nach Süden, passierte einen Großteil der Flotte achteraus, wurde zeitweilig nominell auf Rang 38 geführt und segelt nun real in den Top Ten auf Kurs Gesamtsieg. Er war zuletzt zeitweilig schneller als die Prototypen mit ihren Neigekielen.

Erfolgreichen Strategie-Wechsel

Lennart Burke hatte anfangs noch Seite an Seite den Kurs gen Süden mitgesteuert und war neben Dhallenne auch wieder gen Westen gehalst. Vor fünf Tagen drehte dieser aber noch einmal nach Süden ab und liegt im Vergleich zum Wind nun knapp 100 Meilen voraus.

Hugo Dhallenne freut sich über seine gelungene erste Etappe. © Mini Transat

Es ist eine erstaunliche Wendung des Schicksal für Dhallenne, der nach der ersten Etappe auf Rang zwei liegt nur 1:53 Stunden hinter Melwin Fink. Bei dem jetztigen Stand ist er  klarer Gesamtsieger. Und das wäre nach solch einem psychologisch harten aber erfolgreichen Strategie-Wechsel mehr als verdient.

Aber die Leistung des Franzosen ist nicht überraschend. Er galt mit seinem zwei Jahre alten Maxi 6.50 Plattbug “Y.C. Saint Lunaire” schon vor dem Start der Mini Transat als großer Favorit. Der große Schlag über den Atlantik ist zwar sein erster, aber seinen vier Rennen 2021 bewies er mit den Plätzen 1/1/1/2 große Stärke.

Hugo Dhallenne. © Mini Transat

Auch die erste Etappe gelang ihm bestens. Er segelte stabil in der Spitzengruppe als diese gemeinsam den Stopp organisierte, verließ als Neunter den Hafen von Baiona und segelte hinter Fink und Kargl als Dritter ins Ziel. Er distanzierte dabei sogar noch Julie Simon um 40 Meilen, die kurz nach dem Restart mehr als 30 Meilen enteilt war.

Höllenspeed der Italiener

Nun hat sich der der Nordost-Passat so sehr stabilisiert, dass kaum noch große Verschiebungen im Feld erwartet werden. Der Wind weht parallel zur direkten Linie nach Martinique. Und die Tracker-Plätze entsprechen einigermaßen der realen Welt auf dem Wasser. Lennart Burke wird auf Rang 22 geführt, Melwin Fink auf 25.

Christian Kargls Lauf im Süden ist etwas ins Stocken geraten. Er dürfte aber noch vor den beiden Deutschen liegen und sich noch Hoffnungen auf einen starken Gesamtplatz machen.

Dhallenne (l.) neben Fink und Kargl bei der Siegerehrung der 1. Etappe. © Mini Transat

Dabei ist die aktuelle Dominanz der Italiener erstaunlich. Knapp 800 Meilen vor dem Ziel bekleiden sie die ersten beiden Plätze in der Serienboot-Wertung und zudem Rang 6 und 13. Insbesondere Alberto Riva legt einen Höllenspeed vor und war mit zuletzt 11,4 Knoten so schnell wie der beste Prototyp.

In dieser Klasse hat sich Pierre Le Roy mit dem extremsten Südkurs der gesamten Flotte deutlich an die Spitze gesetzt und steuert auf den Gesamtsieg zu. Die gut einstündige Verspätung im Ziel der ersten Etappe gegenüber Tanguy Bouroullec hat er längst im Kasten – es sei denn dessen Pogo-Foiler kommt noch einmal richtig ins Fliegen.

Mini Transat Tracker

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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