Mini Transat: Über den Atlantik nach Guadeloupe – Samstag Start zur zweiten Etappe

Schmetterlinge im Bauch und Kopf

Sympathisches Video von den “Begegnungen der dritten Art” während der ersten Etappe

Nach einer teils nervenaufreibenden, unter dem Strich aber vielversprechenden ersten Etappe von Douarnenez nach Lanzarote, stehen die Ministen jetzt vor dem Sprung über den Großen Teich.

Obwohl alle noch da sind, sind die meisten schon weg – zumindest in Gedanken. Die Ambiance im Mini-Transat-Etappenhafen auf Lanzarote wirkt ein wenig angespannt, vielen Ministen steht eine gewisse Nervosität ins Gesicht geschrieben. „Sie haben Schmetterlinge im Bauch… und im Kopf“ beschreiben die Organisatoren dieser anstehenden Transatlantik-Regatta auf 6,50 Meter kurzen Hochseerennern die Gemütslage der 43 im Rennen verbliebenen Serien- und 19 Prototypen-Mini-Skipper.

Mini Transat, Start, Lanzarote

Chris Lükermann beim Mastcheck auf Lanzarote © lükermann

Bei ihrem Törn hinüber zur „Insel der Schmetterlinge“ Guadeloupe müssen die Einhand-SeglerInnen 2.800 Seemeilen absolvieren – die Schnellsten werden dafür etwas mehr als zwei Wochen brauchen, bei den Langsameren im Feld kann die Überfahrt durchaus auch mehr als drei Wochen dauern…

To-Do-Listen abarbeiten

Die letzten Tage vor dem Start waren – wie bei allen Transatlantik-Regatten – vom peniblen Abarbeiten mehr oder weniger langer Check-Listen geprägt. Welche elektronischen Geräte haben während der ersten Etappe „gezickt“, wo ist Ausfall zu erwarten, was hat sich bewährt und was sollte möglichst ausgetauscht werden?

Chris Lükermann, einer der drei deutschen Teilnehmer hat seine „To-Do-Liste“ öffentlich gemacht:

„Obwohl ich keine größeren Schäden zu vermelden hatte, so gab es in den letzten Wochen doch wieder einiges an Bord zu tun:
– Dyneema-Verstärkungen gegen Schamfilen auf diverse Leinen genäht:
Achterholer des Bugspriets, Tackline, Baumniederholer.
– Technora-Verstärkungen für besseren Halt in der Klemme auf diverse Leinen genäht: Fractional Fall, Achterholer des Bugspriets, Bugspriet-Niederholer.
– Mastdurchführung neu abgedichtet
– 80 Liter Wasser vom Supermarkt an Bord gebracht
– Überbleibsel der 1. Etappe in neue Essenspakete umgepackt
– Essen der 2. Etappe vervollständigt und kontrolliert
– Wegepunkte der kanarischen Inseln und der Antillen erstellt und programmiert.

Hinzu kommen die normalen Kontrollen (Mast, Ruderblätter und Kiel), Winschen gewartet, alle Blöcke gespült und geölt. Und zu guter Letzt das tägliche Ritual das Boot abzutauchen und sauber zu wischen.“

Mini Transat, Start, Lanzarote

Vakuumverpackte Frischnahrung – Astronautenfutter ist “auf Dauer zu öde” © mini transat

Astronautennahrung, Nüsse und Schinken

Ein weiteres „Elementarteil“ der Vorbereitungen für diese zweite Mini-Transat-Etappe ist die Ernährung. Ein Bereich, bei dem sich viel getan hat unter den Ministen. „Back to the roots“ könnte man auch hier schreiben: Nachdem sich die Mini-Transat-Segler während der letzten Ausgaben hauptsächlich von sogenannter „Astronautenkost“ ernährt haben – gefriergetrocknete Menüs, die im Beutel mit heißem Wasser aufquellen – zeigt sich diesmal, dass viele auf Abwechslung im Speiseplan setzen.

Vor allem erfahrene Ministen, die bereits die eine oder andere Solo-Atlantiküberquerung im Kielwasser haben, setzen zumindest für die erste Zeit auf frische Kost, die sie in Tagesrationen verpacken. Wie etwa die spanischen Teilnehmer, die auf haltbares, dunkles Brot und Schinken schwören. Andere nehmen, neben der Astronautennahrung, gepökelten Fisch, wie die alten Seefahrer mit. Hoch im Kurs stehen auch getrocknete Früchte, Studentenfutter und Nüsse, die man den ganzen Tag über knabbern kann. Manchmal ist es aufgrund hohen Seegangs einfach unmöglich, nach unten zu kriechen um dort Wasser heiß zu machen…

Tanguy Le Turquay , einer der Favoriten bei den Serien-Minis und derzeit auf Rang Zwei klassiert, hat sich sogar speziell für ihn zubereitete, vakuumverpackte Nahrung aus Frankreich mitgebracht.

120 Liter Süßwasser sollen die Ministen mit aufs Boot nehmen, was ungefähr sechs Liter pro Tag entspricht – auf den Ozeanen kann man bekanntlich nie genug vom süßen Nass dabei haben…

Mini Transat, Start, Lanzarote

Bis zu 120 Liter Wasser können die Ministen mit auf ihre Reise nehmen © vapillon/mini transat

In welche Richtung?

Die letzten Tage und Stunden stehen für Lückermann und alle anderen Ministen allerdings unter dem Motto: „Welche Route nehme ich, um möglichst „elegant“ die Kanaren hinter mir zu lassen?“ Ist ein direktes Anpeilen der kürzesten Luftlinie wirklich clever oder wäre es besser, erstmal Richtung Süd zu segeln, in der Hoffnung, dort möglichst schnell auf die „Autobahn der Passatwinde“ zu gelangen?

Könnte sein, dass die idealroute irgendwo zwischen diesen beiden Optionen liegt – aber wer kann das schon mit Gewissheit sagn?

Die unterschiedlichen Trainingsgruppen aus den Mini-Hochburgen Douarnenez, la Trinité sur Mer und natürlich Lorient ziehen sich jedenfalls während der letzten Tage immer wieder für ein paar Stunden zurück, um gemeinsam mit ihren Wetterexperten die besten Optionen in unterschiedlichen Szenarien zu eroieren. Doch selbst die ausgebufftesten Wetterkenner unter den Ministen wünschen sich mitunter eine zuverlässige Kristallkugel, für den wirklich verlässlichen Blick in die Zukunft…

Mini Transat, Start, Lanzarote

Das Unterwasserschiff muss auch im Hafen gepflegt werden © vapillon/mini transat

Chris Lükermann: „ Innen, Mitte oder West? Dieser Diskussion kann man heute in diversen Sprachen auf den Pontons des Mini Transat auf Lanzarote lauschen. Die Frage, die uns alle momentan beschäftigt ist wie wir den Absprung von den Kanarischen Inseln fahren. Fährt man durch einen der “Channels” zwischen Fuerteventura, Gran Canaria und Teneriffa kann man sich eines deutlich stärkeren Winds sicher sein, der einen kleinen Umweg wert wäre.
Allerdings können uns dort auch 40 Knoten Wind erwarten und die Gefahr, somit gleich am Anfang etwas an Bord kaputt zu machen, ist sehr groß. Momentan endet noch jede Diskussion mit “warten wir morgen ab”.

Start Samstag, 11 Uhr

Tracker

Website Mini Transat

Website der Deutschen Teilnehmer

Dominik Lenk, Prototyp

Jan Heinze

Chris Lükermann

Mini Transat, Start, Lanzarote

Noch herrscht Chaos auf manchen Booten © vapillon/mini transat

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Michael Kunst

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2 Kommentare zu „Mini Transat: Über den Atlantik nach Guadeloupe – Samstag Start zur zweiten Etappe“

  1. avatar Egon Zangenberg sagt:

    Ich habe mir den Schwarm in Arrecife angesehen: Aufgefallen sind mir die häufig wenig Vertrauen erweckenden Ruderanlagen der PROTOS. Die recht filigranen Anlagen sind oft schlecht gewartet. Rostende Schrauben, vermutlich
    A2 statt A4 und rohe, nicht UV-schutzlackierte Carbonstäbe waren schon fast Standard. Einzig Simon Kosters Plattbug war wirklich ok. Das kanns doch nicht wirklich sein? – Die Serien Mini6.5 gagegen waren da schon eher in einem akzeptablen Zustand für den Schlag nach Guadelupe. Die nächsten 3 Wochen werde ich allen beide Daumen drücken… – Kommt gut rüber! EgonZ

    Like or Dislike: Daumen hoch 3 Daumen runter 3

  2. Kurzes Update aus Lanzarote: der Start wurde auf 13 Uhr Ortszeit (also 12 Uhr deutscher Zeit) verschoben weil noch eine Kaltfront gegen 12 Uhr durchzieht.
    Außerdem wurden die Racing Instructions geändert: Fuerteventura muss an Steuerbord bleiben. Der Kurs wird jetzt also die ersten Tage zu einem puren Drag Race mit wenigen taktischen Optionen.

    Super Beitrag, mehr davon! Like or Dislike: Daumen hoch 7 Daumen runter 0

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