Mini Transat: Vom Helfer zum Hochsee-Sieger – Frédéric Denis segelt vorneweg

Aus dem Schatten getreten

Mini Transat, Sieger Frederic Denis

Kurz vor der Ziellinie vor der Insel Guadeloupe: Frederic Denis, Sieger bei den Prototypen © mini transat Vapillon

Der Franzose Frédéric Denis (31) gewinnt die Mini Transat 2015 in der Prototypen-Klasse. Er segelte um 5 Uhr 12 über die Ziellinie vor Pointe a Pitre, der Hauptstadt der Antilleninsel Guadeloupe und bewältigte 3.230 Seemeilen mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 10.52 Knoten. 

Auf Rang Drei nach der ersten Etappe, damals aber nur sechs Minuten hinter Axel Trehin platziert, kann Denis von seinem Verfolger Trehin, der derzeit 50 Seemeilen zurückliegt, auch in der Gesamtwertung beider Etappen nicht mehr eingeholt werden.

“Es fühlt sich so irreal an,” rief er den Reportern bei pechschwarzer Nacht auf dem Zielschiff zu. “Ihr könnt Euch gar nicht vorstellen wie das ist, wenn man wochenlang auf dem Atlantik mutterseelenallein unterwegs ist, und dann dieses Blitzlichtgewitter plötzlich auf einen niedergeht! Hab ich jetzt wirklich gewonnen?”

Vom Preparateur zum Hochseehelden

Er ist einer dieser Stillen, die gerne im Hintergrund aktiv sind, nicht um jeden Preis im Rampenlicht stehen müssen, dafür aber konsequent an sich selbst und an ihrem Projekt arbeiten. Die Mini-Szene liebt solche Typen: Harte Arbeiter, die mit reichlich Segeltalent gesegnet kompromisslos ihr Ziel verfolgen.

Mini Transat

Robust, verlässlich und richtig schnell: “Nautiparc”, ein Lombard-Design . © Jacques Vapillon/Mini Transat

Frederic Denis ist eigentlich ganz andere Größenverhältnisse gewohnt, als sie ein Mini Prototyp bieten kann. Als „Preparateur“ und später als „Boat Captain“ auf Thomas Covilles Trimaran „Sodebo“ war er schon in einer ganz anderen Liga unterwegs, machte aber nie einen Hehl daraus, was „wahres Segeln“ für ihn bedeutete. „Für mich sind die Mini Transat-Segler echte Hochseehelden!“ sagte er noch kurz vor dem Start zur zweiten Etappe. „Wer hier siegt oder vorne dabei ist, hat es wirklich geschafft!“

Der 31-Jährige spielte damit auf den Stress, die Strapazen, aber auch mentalen Herausforderungen an, die eine Transatlantik-Überquerung auf einem 6,50 Meter kurzen Boliden mit sich bringt. Aber auch auf die Monate und Jahre harter Arbeit am Boot und an sich selbst, die jeder Mini Transat vorausgehen.

Als begnadeter Handwerker (Coville über Denis), hatte sich der Franzose, der schon seit Jahren in der Regattahochburg La Trinité sur Mer lebt, seinen Mini „Nautipark“ auf ungewöhnlichem Weg „besorgt“: Das Boot wurde zur Mini Transat 2013 vom (damaligen) Favoriten Gwenole Gahinet gesegelt, der es aber nach Kielverlust auf hoher See aufgeben musste.

Vom Preparateur zum Hochsee-Sieger: Frederic Denis siegt beim Mini Transat 2015 in der Prototypen-Klasse © mini transat vapillon

Vom Preparateur zum Hochsee-Sieger: Frederic Denis siegt beim Mini Transat 2015 in der Prototypen-Klasse © mini transat vapillon

Das Lombard-Design mit der laufenden Nummer „800“ wurde geborgen und später von Frederic Denis in sechsmonatiger, intensiver Arbeit wieder aufgemöbelt. „Seitdem segelt es verlässlich wie kaum ein anderer Protoyp“ schwärmte er kürzlich.

Der Autopilot steuerte besser als ich

Verlässlich und… schnell. Mit beeindruckenden Race-Ergebnissen (Rang 2 bei den Regatten Lorient Bretagne Sud, Pornichet Select, Trophée Marie Agnes Péron, Mini Fastnet und Sieg bei Mini en Mai) zählte er eindeutig zu den Favoriten dieser Mini Transat.

Mini Transat, Sieger Frederic Denis

Bei der letzten Mini Transat wurde sein Boot noch nach Kielverlust auf hoher See gelassen © vapillon mini transat

Übrigens auch, weil er eine Art „Geheimwaffe“ mit sich führte: Denis arbeitete über Monate hinweg eng mit NKE an der Modifizierung seiner Autopiloten. Wohl wissend, dass genau diese „Helferlein“ über Sieg oder Niederlage bei Einhand-Hochseeregatten entscheiden.

Und tatsächlich lobte Denis vor allem seinen Autopiloten im ersten Interview nach seinem Sieg: „In der Nacht vom 2. auf den 3. September ist mir der entscheidende Sprung nach vorne gelungen, den ich über nahezu die gesamte restliche Strecke halten konnte. Das war, als ich schlicht feststellen musste, dass der Autopilot besser steuert als ich. Da ich Brillenträger bin, hatte ich so meine Schwierigkeiten, nachts einen korrekten Kurs zu halten. Hinzu kamen erste Übermüdungserscheinungen. Kurz: ich verließ mich auf meinen kleinen Helfer und ließ weitaus mehr Segelfläche stehen, als meine Konkurrenten – wie ich über Funk hören konnte, weil wir ja noch nah aufeinander segelten. Ich fuhr also mit dem Medium-Spi und mit zwei Reffs im Gros bei sechs Beaufort und ziemlich aufgewühlter See in Surfs zwischen 12 und 13,5 Knoten Bootsgeschwindigkeit, während die anderen 1-3 Knoten langsamer unterwegs waren, weil sie selbst steuerten und deutlich weniger Segelfläche gesetzt hatten!“

Zwei Tage später wendete sich jedoch das Blatt an Bord der “Nautiparc”: Denis konnte sein Großsegel nicht mehr vollständig nach oben ziehen. Außerdem verlor er den Windrichtungsmesser, so dass… der Einhand-Segler wieder verstärkt selbst steuern musste!

Mini Transat, Sieger Frederic Denis

Nach dem obligatorischen Bad im Zielhafen: Frederic Denis im “ich kann es noch gar nicht fassen”-Modus © vapillon mini transat

“Das sind die Momente, die den Unterschied ausmachen,” erklärte Denis heute. “Ich überlegte kurz, ob ich rüber zu den Kapverden soll, um dort in einem kleinen Zwischenstopp alles zu reparieren, verließ mich dann aber lieber auf mein Bastelgeschick, was das Groß anbelangt und auf meine Ausdauer beim Steuern. Letztendlich war es vorne im Feld einfach zu schön, um für einen Boxenstopp abzubiegen!”

Lediglich Dany Beaudart (u.a. Sieger der ersten Etappe nach Lanzarote) hätte ihm wohl bei dieser Mini Transat auf seinem Plattbug-Mini das sprichwörtliche „Wasser reichen können“.Doch wie gesagt: bei einer Mini Transat kommt es eben nicht nur auf die Geschwindigkeit an. Beaudart fiel wegen technischer Probleme kurz nach dem Start zur Atlantiküberquerung aus – und der Weg war frei für Fréderic Denis!

 

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