Mini Transat: Warum der innovative Plattbug-Foiler „Arkema“ nicht aufs Podium fuhr

Haben Foils noch Zukunft?

Die ersten Transats von Minis mit Foiltechnik verliefen eher enttäuschend. Die Szene fragt sich, ob für die 6.50 m kurzen Hochseerenner Foils wirklich einen Speedvorteil bringen können. 

Keine Frage, die Diskussion ist schon seit Längerem im Gange. Spätestens nachdem Jörg Riechers und Simon Koster relativ kurz vor dem Start zur Mini Transat die Foils aus ihren Scow—Minis „Lilienthal“ und „Eight Cube“ ausbauen ließen, fragte sich die Szene, ob das „Abheben“ mit den Minis wirklich eine Zukunft haben wird. 

Obwohl sich die beiden Spitzensegler (Riechers wurde später Zweiter, Koster Dritter) durchaus vom Prinzip „Foiling“ überzeugt zeigten (siehe auch SR-Gespräche mit Riechers und Koster) und sie ja aus genau diesem Grund Foils für ihre Prototypen vorsahen, wollten sie doch im letzten Moment auf „Nummer sicher“ gehen. Riechers, weil er viel zu wenig Vorbereitungszeit für effizientes Foiling hatte; Koster, weil er während der Mini Transat 2015 und bei langen Probeschlägen eher unbefriedigende Erfahrungen mit seinen Foils gemacht hatte. 

Ziemlich schwer 

Beide waren sich jedoch in einem Punkt einig: Foils, die ja immerhin den ganzen Mini bei Seegang „tragen“ sollen und entsprechend robust konstruiert werden müssen, sind vor allem anderen… richtig schwer! Ganz zu schweigen vom bremsenden Effekt der Anhängsel bei sehr leichten Winden. 

Entsprechend richtete sich die Aufmerksamkeit aller Foil-Fans unter den Mini-Enthusiasten während der vergangenen Mini Transat auf den innovativen Plattbug „Arkema 3“ (SR-Bericht) mit Quentin Vlamynck an der Pinne. Dessen extremes Design mit vielen außergewöhnlichen Features wie drehbarer Mast und einem Rumpf aus dem thermoplastischen Komposit-Material Sandwich Karbon Elium, das zu 100 Prozent wiederverwertbar sein soll, erregte während der beiden Vorbereitungsjahre auf die Mini Transat 2017 bereits reichlich Aufsehen.

Nicht zuletzt, weil Skipper Vlamynck zuletzt „den Dreh raus“ hatte und seinen Prototypen – bei idealen Wetterbedingungen für Foils wie niedrige Welle und vier Beaufort – durchaus aufs Podium segeln konnte (Pornichet Select Rang 2) oder für spektakuläre Videos im Foil-Modus sorgte. 

Doch als Quentin Vlamynck schließlich die „nur“ als Sechster über die Ziellinie der Mini Transat vor Martinique segelte und die erste Etappe gar als 14. beendet hatte, war doch eine gewisse Enttäuschung in den Gesichtszügen des Mini-Skippers und bei den Fans in den Sozialen Medien zu lesen. Denn eigentlich hatte man diesem innovativen Prototypen und seinem durchaus talentierten Steuermann deutlich mehr zugetraut.

Haben Foils auf dem Mini eine Zukunft?

Zwar blieb auch Vlamynck nicht von typischen Mini-Transat-Scherereien verschont, die sich auf sein Resultat auswirkten. So fuhr er gleich zwei Mal vor der afrikanischen Küste in Fischernetze und verlor dabei mehrere Stunden auf die Konkurrenz und nach den Kapverden eilte er einem Mini-Kollegen zu Hilfe und musste dafür stundenlang um 90 Grad von seinem Kurs abweichen. 

Als er dann vor Martinique ankam, waren seine ersten Worte im Ziel jedoch gleich harsche Kritik am Foiling auf Minis. „Ich konnte meine Foils nur ganz am Ende der Transat einsetzen. Als das Meer relativ ruhig war und der Wind moderat aus der richtigen Richtung wehte, hob ich zum ersten Mal ab und flog richtig schnell über die Wasseroberfläche. 20 Knoten waren machbar. Dann half auch sein innovatives Flügelrigg, das allerdings auch das Manko eines hohen Gewichts aufweist.

“In diesen wenigen Stunden waren die Foils wirklich effizient – die restlichen 14 Tage auf See waren sie eigentlich nur hinderlich!“ stellte  Quentin Vlamynck klar. „Nach meiner Erfahrung sind die Minis im Vergleich zum normalen Wellengang auf dem Atlantik viel zu kurz, um auf Hoher See effizient die Foils zum Einsatz bringen zu können. Wir müssen uns wirklich überlegen, ob Foiling auf Minis überhaupt eine Zukunft haben kann!“ 

Mini Transat, Arkema, Foil

Abheben… aber nur auf kurzen Strecken und wenn wenig Wellengang stört © arkema

Er werde wie verabredet im nächsten Jahr die innovative „Arkema 3“ an einen anderen Segler abgeben, ergänzte Vlamynck später, und der werde dann vielleicht das Gegenteil beweisen. Doch sei er mittlerweile ziemlich sicher, dass Foiling auf Hoher See zumindest für Minis keine Option sein kann. 

Bereits im Vorfeld war angesichts der Videos, in denen nur relativ kurze Foiling-Phasen mit sehr unruhigen Bootsbewegungen zu sehen waren, spekuliert worden, dass auch hierfür das hohe Gewicht der Foils eine negative Rolle spielen könne. Auch „SEAir“, der „andere“ Foil-Mini, der bereits unzählige Trainingsstunden über der Wasseroberfläche hinter sich hat, fällt immer wieder durch sehr kurze und eher unruhige Flugphasen beim Training vor Lorient auf. Auch dann, wenn der Seegang eigentlich „passen“ müsste.

Abwarten oder abhaken?

Ein Problem, das selbst erfahrene Foiler aus der Katamaran-Szene (so saßen auch schon die Groupama-Jungs oder GC32-Steuermänner testweise bei Foil-Minis an der Pinne) nicht in den Griff bekamen. 

Bleibt also abzuwarten, was die nahe Zukunft in Bezug auf das Foiling bei den Minis bringen wird. Es wäre ein Paradox, wenn sich ausgerechnet auf den Booten, auf denen die ersten Foil-Versuche für den späteren (erfolgreichen) Einsatz auf den IMOCA gemacht wurden, Foiling nicht bewähren würde. Oder hat Jörg Riechers etwa schon einen Termin zum Einbau von Foils bei Marianne in Lorient gebucht? 

Website Arkema

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Spenden
http://blueocean.berlin/magicmarine-team-werden/

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *