Minitransat: “Umpa Lumpa” kurz vor dem Ziel gesunken

"Plötzlich ein Schlag..."

Der Italiener Andrea Lacopini ist beim Minitransat 350 Meilen vor dem Ziel in Guadeloupe gesunken aber gerettet worden. Er segelte mit dem alten Pogo2 Mini 682 “Umpa Lumpa” mit dem der Hamburger Andreas Lindlahr sein Minitransat 2009 absolviert hat.

Andrea Lacopini

Andrea Lacopini auf der “Umpa Lumpa”, die inzwischen auf dem Meeresgund liegt. © Andrea Lacopini

Lacopini berichtet: “Ich war 350 Meilen von Guadeloupe, alles war in Ordnung , der Wind legte sich ein wenig und drehte auf SE. Ich beschloss, meinen großen Spinnaker zu setzen. Das Schiff beschleunigte auf 12-13 Knoten, es flog und sprang über die raue See.

Plötzlich ein Schlag , nicht gewaltiger als die vorherigen, aber mit einem sehr seltsamen Geräusch dabei. Ich war an der Pinne und aktivierte dann den Autopiloten, um innen nachzusehen. Das Boot füllte sich schnell mit Wasser. Ich checkte die Kielbolzen, den Kiel und dann entdecke ich den Riss im Rumpf an Steuerbord neben dem Kiel. 30 Zentimeter lang. Ich hielt das Boot an, aktivierte mein Epirb und leitete alle anderen Sicherheitsverfahren ein.

“Umpa Lumpa versank im Ozean”

Ich bekam über UKW Kontakt zum Boot, das die Minitransat begleitet und war überrascht, als ich plötzlich eine vertraute Stimme hörte. Mein Freund Federico Fornaro, der viele Tage knapp in der Nähe gesegelt war. Er war drei Stunden vor mir gerettet worden!

Andrea Lacopini

“Umpa Lumpa” auf dem Weg nach Gouadelupe. © Andrea Lacopini

Einmal in Kontakt mit dem Begleitboot bestieg ich meine Rettungsinsel und schnitt die Verbindung durch. Mein Boot war am Ende. In weniger als 30 Minuten war alles vorbei. ‘Umpa Lumpa’  driftete langsam weg und versank im Ozean.

Ich habe mein Bestes gegeben. Ich überstand die stürmische Biskaya, segelte nach Gijon, schaffte den Sturm-Ritt nach Sada, segelte über 3.500 Meilen in Richtung Guadeloupe. Südlich der Kanarischen Inseln waren die Salinge gebrochen. Ich kletterte in den Mast bevor ich für die Reparatur nach Gran Canaria umdrehen. Ich fühlte mich als echter Seemann. Dieses Missgeschick entmutigte mich nicht.

Und nun nach 3500 Meilen später dieses erneute Unglück. Dazu diese unglaubliche Überraschung Federico im gleichen Boot als Begleiter zu finden. Wir leben beide in Rom, wir sind Freunde , vielleicht bedeutet es etwas für die Zukunft? Ein Boot zusammen ? Wer weiß?”

Doppelter Ruderbruch

Federico Fornaro hatte kurz zuvor sein eigenes Drama erlebt. Zwei bis drei Tage vor dem Ziel riss sein Backbord-Ruder bei 25 bis 30 Knoten Wind ab. Stunden lang versuchte er die Reparatur während er auf dem anderen Bug mit dem zweiten Ruder segelte. Aber mitten in der Nacht brach auch das zweite Blatt ab.

Frederico Fornaro

Frederico Fornaro, mit doppeltem Ruderschaden ausgeschieden. © Vapillon/Minitransat

Das Schiff drehte sich unkontrolliert im starken Wellengang. “Ich versuchte in der Nacht und am Morgen den Kurs des Schiffes auf irgendeine Art zu stabilisieren”, berichtet Fornaro. Er habe einen Treibanker ausgebracht, die Sturmfock am Bugspriet gesetzt und sie wie eine Art Drachen geschotet.

Er probierte es mit einer Art Riemen, schwimmender Ausrüstung und Segeln. Aber alles hatte keinen Effekt bei den starken Wellen und dem achterlichen Wind. “Das Boot rollte und drehte sich. Brecher krachten in das Cockpit. Die Situation wurde immer unsicherer. Dann drückte ich auf den Knopf des Notsignals.”

Das Begleitboot war schnell in der Nähe. Fornaro gab sein Schiff auf. Dennoch fällt seine Bilanz nicht so schlecht aus. “Auch wenn ich das Schiff verloren habe fühle ich mich jetzt nach den 3500 Meilen nonstop als echter Segler. Und das ist wohl der beste Lohn, den man von diesem Abenteuer erwarten kann.”

Stählerne Gegenstände im Wasser

Andreas Lindlahr, Mini

Andreas Lindlahr auf seiner “Umpa Lumpa”, mit der er 2009 beim Minitransat teilnahm. © konstruktiv-pr.de

Andreas sagt zum Untergang seines ehemaligen Schiffes “Umpa Lumpa”, das ihm nach den vielen gemeinsamen Meilen ans Herz gewachsen war. “Das ist schon sehr traurig. Es wird einem wieder bewusst, wie vielen Gefahren man als Teilnehmer ausgesetzt gewesen ist. Ich bin mehrmals an riesigen stählernen Gegenständen vorbei gesegelt. Sie trieben im Abstand von 50 Metern an mir vorbei, und immer wenn ich unter Deck versuchte zu schlafen, kamen mir diese Bilder vor Augen.

Was wenn ich nachts mit Vollgas auf so etwas drauf gezimmert wäre? Ich bin ja damals auch unversichert gesegelt. In Deutschland gab es keine Versicherung die das Transat versichern wollte. In Frankreich schon.”

12 Protos und 13 Serienminis sind bisher ausgefallen. Fünf von insgesamt 76 Schiffen sind noch im Rennen.

Mitarbeit Andreas Lindlahr

Minitransat Race-Tracker

Minitransat Event

 

 

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Carsten Kemmling

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23 Kommentare zu „Minitransat: “Umpa Lumpa” kurz vor dem Ziel gesunken“

  1. avatar GER 1692 sagt:

    Die minitransat ist ein teures Vergnügen. Zum Glück geht es ihm Gut

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  2. avatar Indianahorst sagt:

    “Traibanker”, soso.
    “schwimmende Asurüstung” ist mir auch unbekannt.

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    • avatar Erbsenzähler sagt:

      …mach mir den Rechtschreib-Horst…

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      • avatar Erbsenzähler sagt:

        Ich muss jetzt noch einen zum Thema loslassen.
        @ Indianahorst & to whom it may concern:
        – Ich finde Carsten’s Artikel zu 99 Komma Periode 9 % gut bis erstklassig
        – sogar gehobene Printmedien haben Rechtschreibfehler.
        – wer die QWERTZ Tastatur kennt stellt fest, dass es sich nicht wirklich um Rechtschreibfehler Fehler handelt sondern eher um: Kopf ist schneller alls Finger flink sind.
        -Wenn sich unsere Kommentare zukünftig nur um ebendieses dreht, graben wir Leser wegen Langweiligkeit, SR das Wasser ab.
        Herr Indianahorst: machen Sie sich locker, es ist bald Weihnachten. Ich versuch’s grad. Ach und hej: Danke Segelreporter.de für dieses Jahr!

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        • avatar SR-Fan sagt:

          @Erbsenzähler:

          Sehe es doch mal so, dass es nicht darum geht den Verfasser zu brüskieren. Es sind ja auch nur die “großen” Stolperer – Kommasetzung wird z.B. gar nicht bemängelt (keine Ahnung ob es dazu Grund gäbe).

          Stell Dir mal vor, Du gehst morgens mit Zahnpasta im Gesicht aus dem Haus. Was wäre Dir lieber, dass die Arbeitskollegen den ganzen Tag über Dich schmunzeln und Du Dich im ÖPNV blamierst oder das Dich schnellstmöglich jemand darauf hinweist?

          VG

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          • avatar SR-Fan sagt:

            Allerdings – und da habe auch ich mich “gebessert” – ist es unauffälliger solche Anmerkungen mit dem rechten “Feedback-Button” durchzuführen.

            Carsten ist da übrigens deutlich entspannter als unser spießiger “Erbsenzähler”.

            VG

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    • avatar Alex sagt:

      Mich stören die Tipp- und Rechtschreibfehler nicht, solange der Artikel gut ist.
      Ich schreibe selber ja nicht besser.

      Wer genügend eigen Stärken hat, braucht sich nicht versuchen damit besser zu machen, in dem er Anderen ihre Schwächen vorhält

      Abgesehen davon sind wir hier auf einer Seite VON Segler für Segler und nicht auf einem Lektorentreff.

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  3. avatar Uwe sagt:

    Italiener gesunken 🙂

    “Der Italiener Andrea Lacopini ist beim Minitransat 350 Meilen vor dem Ziel in Guadeloupe gesunken aber gerettet worden.”

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  4. avatar Erbsenzähler sagt:

    Agree, SR-Fan!
    Mehrzahl von Komma ist Kommata.
    Manchmal, nach ner Hundewache auf See, putze ich mir die Zähne. Komm ich dann nach Hause, sagt der mir bekannte Busfahrer des ÖPNV: “na, auf See gewesen? Du hast gar keine Zahnpasta im Gesicht.”

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    • avatar SR-Fan sagt:

      Kommata schon, trotzdem aber Kommasetzung oder nicht? 😉

      Das mit der Zahnpasta im Gesicht scheint wohl im Norden üblicher zu sein als hier im Süden. Gut zu wissen, werde mich beim nächsten Hamburg-Besuch entsprechend präparieren. Gibt es da entsprechende Trendfarben? 😉

      VG

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      • avatar Erbsenzähler sagt:

        Hallo? SR-Fan – guckst Du HSV- guckst Du FC St. Pauli – hast Du genug Trendfarben….
        Ergebnisse is ne andere Sache.. wir reden ja grad über Farben… segeln, ….(SR sollte noch nen Fussi-Segel-Blog nebenstellen)

        Trendfarbe für Zahnpasta: Blau/Weiß/Schwarz. 😉

        Gruß in den Süden der Republik!

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        • avatar SR-Fan sagt:

          Schwarze Zahnpasta – das muss ne lokale Spezialität sein. Da haben wir es hier mit rot/weiß oder auch blau/weiß deutlich einfacher 😉

          VG auch MUC

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  5. avatar Marcus Mattis sagt:

    Seit wann sinken denn Minis? Vorbei die Zeit von riesigen Styroporblöcken und Schaum unter Deck?

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    • Genau das habe ich mich auch gefragt … Mein Nacira musste noch extra Schaumpackungen bekommen, da da wohl noch ein paar Liter gefehlt haben, was bei Pogo wohl nicht so sein sollte.
      Also für die Pogo-2-Kutscher – Wie kann das passieren, das dass Gerät auf Tiefe geht ???

      Ich erinnere mich da auch noch an das 2011er Transat, als der Australier Scott CAVANOUGH nach einer Kollision mit einem Tanker einen Mastbruch erlitt und in der Folge unter Notrigg mit einem Rumpf ohne intakte Bugsektion noch 1..2 Tage unterwegs war, bevor er vom Begleitschiff aufgefangen wurde. Das Schiff wurde irgendwann ?? in Brasilien ?? an Land gespült.

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      • avatar Wolfram sagt:

        Ein Mini nach Klassenvorschrift sinkt nicht!
        Bei einem Riss im Boden kommen normal nur ca. 400-500 L Wasser ins Boot und dann “hängt” er sich schon in seine Auftriebskörper auf. Die Konstruktion Mastschott und Längsträger verhindert sogar das Überlaufen in die Bereiche ausserhalb der Zentralbilge, was allerdings nur beim glatten Wasser-Test im Hafen klappt.
        Jörg Riechers Proto MK1 hatte eine extrem schlechte Klappkielabdichtung (SR berichtete) Er hat mit “geflutetem Boot” sicher den Hafen erreicht.

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      • avatar Alex sagt:

        Wird schon seinen Grund haben, dass Pogo die Form von dem Nacira 6.50 gekauft und zersägt hat 😉

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        • avatar Frank Eckardt sagt:

          Danke für die Erklärung … Ach ja und Nacira wird inzwischen weitergebaut Nr 20 momentan … Von Zersägen also kein Wort …

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          • avatar Sui-8 sagt:

            Wer baut den jetzt die Nacira 650 weiter.
            Ja es hiess, Sie sei von Structures gekauft worden und vernichtete worden. Was ich auch verstehe, da ja die Pogo3 in den Starlöcher steht.

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      • Hi Frank,
        ich habe selbst schon eine geflutete Pogo2 gesehen und die läuft bis ca. 10cm unter den Niedergang voll. Kann also theoretisch noch gelenzt werden.

        Ich nehme an dass das Schiff nicht wirklich “in den Fluten versank” sondern die Wellen über das Deck spülten und dieses Detail vielleicht “lost in translation” ist.
        Das würde mich bei Atlantikdünung nicht überraschen, schließlich ist das Boot deutlich träger mit dem ganzen Wasser im Rumpf.

        Aber ebenso wie Nacira oder jeder andere Mini (sowohl Serie als auch Proto) so muss auch die P2 den Festauftrieb im Rumpf haben und Berechnungen vorlegen dass das Boot mit offenen Seeventilen noch gelenzt werden kann.

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  6. avatar Lindlahr sagt:

    Na, in der etwas wackeligen Kette von Übersetzungen, erst vom Italienischen ins Französische und dann wieder zurück ins Deutsche, sind ein paar Sachen nicht ganz korrekt rüber gekommen. Eine Mini sinkt zwar nicht ganz, aber weit genug, um als versunken betrachtet werden zu können. Sie wird wahrscheinlich sehr weit absacken und auch kentern. Grund genug das Boot zu verlassen und sich bergen zu lassen allemal. Und Andrea meinte das wohl eher etwas metaphorisch mit dem, mein Boot versinkt im Ozean….

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  7. avatar Sui-8 sagt:

    Mini sinkt nicht, denke es sind mehrere Faktoren. Keine Ruderblätter bei 20kn Wind und vollgelaufen, ein SIcherungsboot das seinen Job macht. Ich denke ab der 23 Welle die über mein Boot donnert, von hinten ins Cockpit, sage ich es sinkt. Ein riss in der nähe des Kiels von 30cm 20kn Wind etc. warten bis . . . warten bis das Vollgelaufene Schiff den Kiel verliert, um dann zu melden, he Jungs es ist soweit?
    Ich denke es wahr gut und die Jungs sind von einer Titelseite Rettung weg und wohl behalten zu hause.

    PS: Auch der gestrandete mini in den Kanaren ist auch nur noch mit Bugsektion geschwommen! SR berichtete, der wahr ja auch noch nicht gesunken, hmmm?

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    • Nacira wird jetzt von SLM voiles gebaut und Nr 20 ist bereits verkauft. Wegen der Pogo 3 – ja, das wird sicher ein spannender Konkurrent, doch zumindest für 2015 wird die Spitze wohl noch mal Nacira segeln (oder vlt. RG 650), denn die P3s sind dafür zu neu und die Serien-Quali wird 2014 sicher auch noch nicht geschafft, womit das SAS damit nur in der Proto-Klasse gesegelt werden kann, wenn man denn überhaupt eine komplette Quali damit schafft. Das erste Boot wird wohl erst im Mai fertiggestellt …

      VG, Frank

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