Mixed Olympia Offshore: IOC ist nicht überzeugt – Finn Dinghys haben wieder Hoffnung

Angst vor Piraten

Die neue Olympia-Disziplin Mixed Two-Person Offshore für 2024 ist kaum noch zu retten. Das IOC bestätigt seine Bedenken. Franzosen glauben, dass der neue chinesische World Sailing Präsident dahinter steckt.

Dehler30 OD, einer der neuen Yachttypen, die zur geplanten Olympia-Disziplin Mixed Offshore und in den Trend passen. © Dehler

Als die Hochseesegler überraschend einen Platz im Olympiaprogramm erhielten das Finn Dinghy herausdrängten und die beiden 470er-Disziplinen zu einer Mixed-Klasse verschmolzen, freuten sich ganz besonders die französische Segelszene. Diese Entwicklung entspricht ihren Vorlieben. Das Event hätte mit dem Start 2024 in Marseille wohl das Potenzial gehabt, zumindest in Frankreich ein Erfolg zu werden.

Umso erboster reagieren sie auf die jüngsten Entwicklungen, die eine Realisierung der neuen Olympia-Disziplin nun sehr unwahrscheinlich machen. Ein persönlicher Brief von Kit McConnell, dem Sportdirektor des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an Quanhai Li, den neuen chinesischen Präsidenten von World Sailing, ist an die Medien durchgesteckt worden.

Darin heißt es, dass nach Ansicht des IOC ein zwei- bis dreitägiges Offshore-Event kaum zu realisieren sei. Kritikpunkte sind die Komplexität der Regatta, Sicherheitsaspekte, Übertragungskosten und die bisher fehlende Möglichkeit, eine Offshore-Weltmeisterschaft als Test durchzuführen.

World Sailing Präsident Quanhai Li ein Gegner?

Insbesondere die Bedenken zur Sicherheit der Athleten spielen eine große Rolle spielen. Segler könnten über Bord fallen und “die Olympischen Spiele verderben” zitiert die französische V&V aus dem Brief. Auch Angriffe von politischen Gruppen oder Piraten könnten schwer verhindert werden.

Der Chinese Quanhai Li ist neuer World Sailing Präsident. © World Sailing

Die Franzosen glauben, dass der neue World-Sailing-Präsidenten Quanhai Li für die Entwicklung verantwortlich ist. Er habe zuvor schon als langjähriges World Sailing Vorstandsmitglied nie einen Hehl daraus gemacht, dass er gegen die neue Offshore-Disziplin ist. Nun soll er seine guten Verbindungen zum IOC genutzt haben, um die viel diskutierte Entscheidung zur Mixed-Offshore-Disziplin rückgängig zu machen.

Das IOC hatte World Sailing eine Frist bis zum 31. Mai gegeben, um die Bedenken auszuräumen. Aber aus dem geleakten Schriftwechsel geht hervor, dass eine Genehmigung der Veranstaltung sehr unwahrscheinlich ist.

Nun muss der Weltseglerverband schnellstens einen Plan B präsentieren, um nicht zu riskieren, dass die zehnte Medaille einfach gestrichen wird. Die Finn-Dinghy-Klasse frohlockt schon, dass die vermeintliche Fehlentscheidung ihres Rauswurfs rückgängig gemacht werden könnte.

Finn Dinghy und Europe vereint

In einem offenen Brief an World Sailing bringt die Klassenvereinigung eine gemeinsame Bewerbung mit der Europe-Klasse ins Spiel. Darin heißt es, falls das Mixed-Offshore-Kielboot abgelehnt werde, könnten Finn und Europe die zehnte Medaille in einem Format als Mannschaftswertung aussegeln. Die Kombination wäre nötig, weil das IOC genau auf die ausgewogene Geschlechter-Quote achtet.

Europe Feld an der Startlinie. © YC Immenstaad

“Das vorgeschlagene Format würde aus einer kombinierten Wertung über eine Reihe von Rennen bestehen”, heißt es in dem Vorschlag. “Mannschaftssportarten sind bei den Olympischen Spielen weit verbreitet, daher können sich das IOC und die Zuschauer leicht damit identifizieren…Segeln ist eine der wenigen Sportarten, die für Männer und Frauen mit unterschiedlichem Körperbau geeignet sind…Die Aufnahme unserer Klassen in das olympische Programm ist die einzige Lösung, die es schwergewichtigen Männern und mittelschweren Frauen ermöglicht, wettbewerbsfähig zu sein.”

Das Finn-Dinghy. Ein echtes Sportgerät für Schwerathleten. © Sander van der Borch / TeamNL Zeilen

Die Europe-Klasse war 1992 bis 2004 als Frauen-Disziplin olympisch, wurde dann aber vom Laser Radial abgelöst. Das ideale Körpergewicht für Laserseglerinnen liegt nur wenig über dem der Europe.

Es ist längst nicht klar, ob dieser Vorschlag ein realistischer Ausweg aus der verfahrenen Situation sein kann. Wie es weitergeht, ist noch nicht klar. Heute am 16. April soll bei einem online Townhall Meeting unter den World Sailing Mitgliedsnationen das weitere Vorgehen besprochen werden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Mixed Olympia Offshore: IOC ist nicht überzeugt – Finn Dinghys haben wieder Hoffnung“

  1. avatar Jollen Fuzzi sagt:

    Nur mal kurz die Listenpreise für eine OD 30 und eine LM 30 gegoogelt – zwischen 100 – 130 T Euro, wahrscheinlich nur der nackte Rumpf ohne Segel.
    Ok, dann fällt mir leider in Verbindung mit Olympia und dem notorisch klammen DSV nur noch ein: GEHT’S NOCH???

    Wie kann man nur auf so ein schmales Brett kommen so etwas als Olympia Klasse in Erwägung zu ziehen. Figaro oder ähnliches – super. Aber Olympia??

    Und nein, ich bin kein Finnsegler oder Fan……

  2. avatar PL_kontakt sagt:

    Mal schauen was noch passiert…

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