Nachruf: „Vater“ des Lasers starb mit 92 Jahren– eine Zeichnung veränderte die Segelwelt

Farewell, Bruce Kirby

Kurz vor Eröffnung der Olympischen Sommerspiele 2021 trauert die Segelwelt um einen Mann, der den Segelsport mit einer hastig gekritzelten Zeichnung nachhaltig veränderte: Bruce Kirby. 

R.I.P. Bruce Kirby © kirby

Der „Vater“ des Lasers starb am 18.Juli 2021 im Alter von 92 Jahren. 

Der in Ottawa/Kanada geborene Segler, Journalist und Konstrukteur galt als typischer Selfmademan. Ohne formale Ausbildung stieg er aus reiner Begeisterung fürs Segeln in die kanadische Sport-Verlagsbranche als Journalist und Reporter ein.

Seit seiner Jugend arbeitete Kirby zudem hart an seiner sportlichen Karriere als Segler. Als 15-Jähriger segelte Kirby erste Regatten in International 14-Jollen, die in den 20iger-Jahren auf dem amerikanischen Kontinent populär waren.

Nachdem er als junger Mann bei einer seiner ersten Auslands-Regatten vor Cowes eine Schlappe einstecken musste, entwarf und baute er sein erstes Boot – die Kirby Mark I.  Von dieser Jolle mit besonders guten Am-Wind-Eigenschaften in der Welle, wurden knapp 40 Exemplare verkauft. 

Eine (nachgebesserte) Zeichnung, die während eines Telefonats zunächst gekritzelt wurde und dann die Segelwelt verändern sollte © kirby

Im Laufe der nun folgenden Jahre beschäftigte sich Kirby, neben seiner journalistischen Tätigkeit, intensiv mit den Grundlagen des Yacht-Designs. So entwarf der junge, autodidaktische Yachtkonstrukteur seine eigene Kirby International 14, von der im Laufe des darauf folgenden Jahrzehnts 7 Versionen und insgesamt 739 Boote gebaut wurden. 

Mittlerweile war Kirby zu einem internationalen Spitzensegler gereift. In „seiner“ International 14-Klasse wurde er 1958 und 1961 Weltmeister. 1956 nahm Kirby im Finn-Dinghy erstmals für Kanada an den Olympischen Spielen in Melbourne teil. Damals begann eine enge Freundschaft mit der Segel-Legende Paul Elvström. 1964 Ssgelte Kirby bei Olympia vor Enoshima (ebenfalls im Finn), 1968 saß er bei den mexikanischen Spielen vor Acapulco im Starboot an der Pinne. 

Philipp Buhl (links) ist amtierender Weltmeister auf dem von Bruce Kirby entworfenen Laser© www.segel-bilder.de

Seinen weltweiten Ruhm verdankte Bruce Kirby jedoch einer während eines Telefonats gekritzelten Zeichnung (die später „ins Reine“ gezeichnet wurde, siehe Foto). Mit ein paar Strichen hatte er den Riss des Laser auf Papier gebracht – der jedoch damals noch nicht so heißen sollte. Die ersten Exemplare, die Kirby bauen ließ, wollte er unter dem Namen „Weekender“ verkaufen. Weil das Boot problemlos auf jedes Autodach passte und Wassersport so nicht mehr von einem Liegeplatz an Seen oder der See abhängig sein sollte. 

Nach anfänglichen Verkaufsschwierigkeiten, gab ihm ein Student schließlich den Tipp, doch einen etwas „wissenschaftlicher“ und „moderner“ klingenden Namen zu geben – Laser, zum Beispiel. 

Heute sind mehr als 220.000 Exemplare dieser (mittlerweile längst zu Olympiaklasse avancierten) Einhand-Jolle verkauft worden. Die Laser-Flotte gilt als zweitgrößte der Welt. 

Zwar ist der Name Kirby international mit der Laser-Jolle bekannt geworden, weitere Risse des Segel-Allround-Talents setzten in der Segel-Welt ebenfalls Akzente. Aus Kirbys „Feder“ stammen etwa die Kirby 25, die Ideal 18, zwei America’s Cup-12m-Designs (Canada I und II), die Apollo, Blazer 23 und die Sonar, die größte von drei Klassen, die bei den Paralympics eingesetzt wurden. Kirby war auch Teil des internationalen Komitees, das die IACC (International America’s Cup Class) ins Leben rief. Nach deren Klassenregeln segelten die America’s Cup-Boote zwischen 1992 in San Diego und 2007 in Valencia, Spanien.

Mit Bruce Kirby ist einer der einflussreichsten Designer und Segler von uns gegangen. Er wird fehlen!

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Michael Kunst

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