Nacra17-Unfall: Untersuchung abgeschlossen – Wie die Foiler-Verletzungen vermieden werden

Der Haken mit dem Haken

Die schwere Bein-Verletzung von Nacra17-Vorschoter Christian Peter Lübeck nach einem Sturz aus dem Trapez auf die Tragfläche, ist untersucht worden. Nun erklärt die Klassenvereinigung Vermeidungsstrategien.

CP Lubeck nach seiner Operation am Bein.

Die Nacra Klasse hat die Verletzung des Dänen CP Lubeck in Neuseeland untersucht und versucht den Unfall einzuordnen. Der Spitzensegler in der Mixed Klasse ist Vorschoter von Lin Ea Christiansen Cenholt, einer der wenigen weiblichen Steuerfrauen im Nacra17 und Weltranglisten-Fünfter.

Er fiel aus dem Trapez, als der Haken brach. Dabei traf ihn bei voller Fahrt die scharfe horizontale Ruder-Tragfäche am Bein und er erlitt eine tiefe Wunde. Er soll nach einer Operation auf dem Weg der Besserung sein und ist aus dem Krankenhaus entlassen worden.

Nacra17, Unfall

Die Dänen Lin Ea Christiansen / CP Lubeck bei der Oceanbridge NZL Sailing Regatta. Der Vorschoter wurde schwer verletzt. © Yachting New Zealand

In seinem Statement macht das Klassen-Komitee nun klar, dass es nicht mehr von einem Einzelfall ausgeht. Dafür seien schon zu viele ähnliche Trainingsunfälle passiert, bei denen Segler vom eigenen Ruder-Foil getroffen wurden. Die Gefahr sei größer wegen des erhöhten Speeds und der festen Ruder-Konstruktion.

Trapez-Haken im Fokus

Der Unfall ist aber eigentlich durch den Bruch des Trapez-Rings erfolgt, an dem der Haken der Trapezhose eingehakt wird. Deshalb empfiehlt die Klasse nun, dieser Konstruktion eine besondere Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. So sei zum Beispiel eine zusätzliche Sicherung per Tampen sinnvoll.

Der gebrochene Ronstan Trapez-Ring.

Bei dem gebrochenen Beschlag handelt es sich um einen älteren Trapez-Ring der Firma Ronstan. Sie hatte ihn schon im April 2017 mit einer neueren Version im Sortiment ersetzt.

Grund  für den Bruch könne auch ein schräger Zugwinkel durch Schoten sein, deren Enden gerne am Trapez fixiert werden, damit man sie schneller greifen kann. Das gelte es zu vermeiden.

Trillerpfeife am Mann

Aber ein Fall aus dem Trapez kann auch aus anderen Gründen erfolgen. Deshalb gibt die Klasse weitere Empfehlungen, die nach dem Unfall sinnvoll erscheinen.

Seit April 2017 auf dem Markt

So sei es sinnvoll, eine Trillerpfeife bei sich zu führen, um auf sich aufmerksam zu machen. Entweder damit man besser gefunden wird aber besonders auch, damit nachfolgende Segler einen nicht überfahren. Das kann besonders mit den schnellen Foilern zu schweren Verletzungen führen.

Aus demselben Grund sind auch Helme – bei den Foilern inzwischen obligatorisch – in Alarmfarben wichtig. Ein Schwimmer, der von Bord gefallen ist, soll schnell gesehen werden. Die Klasse will die Sichtbarkeit in ihr Regelwerk aufnehmen. Denn generell mögen es Leistungssegler nicht so gerne, dass sie gesehen werden. Besonders an der Startlinie, wenn es um die Bestrafung von Frühstartern geht.

Chris Draper mit seiner Luna Rossa Schutzweste beim 34. America’s Cup. © Luna Rossa

Immer mehr rückt auch die Kleidung in den Blickpunkt. Die America’s Cup-Segler denken schon länger in diese Richtung insbesondere nach den Unfällen in San Francisco. Gut in Erinnerung sind noch die silbernen Schwimmwesten von Luna Rossa, die auch zum Schutz dienen sollten.

Aber die Nacra Klasse empfiehlt auch, sich bei anderen Sportarten umzusehen. Beim Eishockey werden zum Beispiel mit Kevlar verstärkte Socken getragen, um Verletzungen von Schlittschuh-Kufen vorzubeugen. So etwas hätte Lubeck aber wohl auch Franck Cammas Verletzung glimpflicher ausgehen lassen.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.
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