Neue 49er Technik: ISAF verbietet Norregards “Tower Trapezing”

Das Ende für den Zirkus-Akt

Am Rande des ISAF Meetings in Irland wurde das so genannte “Tower Trapezing” verboten. Die von den Dänen Alan Norregard und Anders Thompsen bei der 49er EM angewandte extreme Ausreittechnik, die erfordert, dass der Steuermann die Pinne an den Vorschoter übergibt und auf dessen Schultern steigt, wird von der ISAF als zu gefährlich und gesundheitsschädigend angesehen.

49er Tower Trapeze Technik am Gardasee © Norregard

49er Tower Trapeze Technik am Gardasee © Norregard

Die Olympia-Bronze Gewinner hatten unter anderem mit dieser Technik die Silbermedaille bei der Europameisterschaft gewonnen. Es heißt, dass sie einen Weg gesucht haben, ihren Gewichtsnachteil auszugleichen. Zuvor hatten die Dänen das “Tower Trapezing” im Training probiert, aber nie in einem offiziellen Wettkampf angewandt.

Die internationale Jury entschied am Gardasee, dass die Klassenbestimmungen diese Arte des Segelns nicht verbieten. Und auch die Klassenvereinigung wollte erst einmal abwarten, wie sich die Akzeptanz dieser neuern Trapez-Nummer darstellen würde. Aber nun hat die ISAF ein Machtwort gesprochen.

Das Schultertrapezen erhöhe das aufrichtende Moment um mehr als zwanzig Prozent. Das würde die notwendigen körperlichen Voraussetzungen stark verändern. Um konkurrenzfähig zu sein, müssten Teams ihr Gewicht um 20 Prozent verringern.

Angst vor Verletzungen

Außerdem befürchtet die ISAF gesundheitliche Probleme, wenn ein Segler den anderen über mehrere Stunden auf dem Schultern tragen müsste. Das sei besonders schwerwiegend bei Bootsklassen, deren Steuermann nicht im Trapez stehe. Auch diese Klassen hätten die Technik schon probiert.  Dazu kommen noch Sicherheitsaspekte und die Angst vor vermehrten Verletzungen.

Andererseits habe diese Arte des Segelns auch viel Aufmerksamkeit gebracht und sei eine Innovation, die dem Segeln mehr Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit bringen könne, lautete ein Argument dafür in der ISAF Diskussion.

Alan Norregard antwortet auf die Entscheidung der ISAF mit Unverständnis. Er stimme zu, dass das Schultertrapezen nicht in den Jugendklassen erlaubt sein sollte. Aber das Olympische Segeln sei ein Elite Sport. Man könne von den Athleten erwarten, dass sie sich selbst die nötige Fitness antrainieren, um die Belastung aushalten zu können.

“Alles in Watte packen”

“Klar ist diese Art des Segelns gefährlich”, sagt Norregard. “Aber es ist auch gefährlich, überhaupt segeln zu gehen. Wenn wir alles in Watte packen wird diese Welt ein langweiliger Ort sein.”

Tatsächlich funktioniere das Tower Trapezing nur bei ganz bestimmten Bedingungen. Das Wasser müsse flach sein und der Wind mit 15 bis 20 Knoten wehen. “Es ist einfach nur eine weitere aufregende Variante des Spiels, die man eben manchmal einsetzen kann. Ich bin enttäuscht, dass die ISAF es verboten hat, bevor es richtig ausprobiert wurde.”

Es habe eine Zeit gegeben, als man beim Rennsegeln noch mit der Pfeife im Mund auf seinem Schiff saß. Aber dann sei ein Paul Elvström gekommen, und habe Ausreitgurte angebaut. “Seitdem musste man ausreiten, um gewinnen zu können und irgendwann auch ins Trapez steigen. Es ist einfach eine natürliche Weiterentwicklung, dass man auch aufeinander steht. Aber leider gibt es bei der ISAF zu viele konservative Menschen, die keine Weiterentwicklung wollen.”

49er EM Finaltag, an dem die Dänen mehrfach das Schultertrapezen einsetzen.
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Carsten Kemmling

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14 Kommentare zu „Neue 49er Technik: ISAF verbietet Norregards “Tower Trapezing”“

  1. avatar Marc sagt:

    Schade, sah wirklich sehr gut aus. Aber wenn das aufrichtende Moment soviel größer wird, alleine schon 20% bei einem Trapezer. Geil wäre eine Libera mit allen Trapezen übereinander, also so etwas im Hochformat 😉
    http://segelreporter.com/blog/2012/07/11/video-foto-fundstueck-libera-principessa-auf-dem-plattensee/

    Der letzte ist dann bestimmt 15 Meter aussenbords hehe

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    • avatar Henk sagt:

      *Gähn*, alles schon gemacht vor 20 Jahren

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      • avatar Marc sagt:

        Bilder? Videos? Sonstige Beweise?

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        • avatar 123 sagt:

          gibt es in einem Buch von Mike Peyton.
          Finde gerade kein Bild im Internet.

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        • avatar Mittwochssegler sagt:

          Dieses ständige Fragen nach Beweisen ist albern. Lasst uns doch zunächst einmal die Wahrhaftigkeit annehmen. Vor 20 Jahren hatte eben noch nicht jeder eine Handy-Kamera. Wer in der 90er Jahren hinterm Sand beim Mittwochs-Segeln dabei war, der wird sich daran erinnern, daß die V-1 von Jan Garbers immer Pyramide trapeziert hat.

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  2. avatar Drahtzieher sagt:

    Hmm, warten wir ab. In ein paar Wochen ist Tower-Trapezing anstelle der RS-X Surfer olympisch.

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  3. avatar Holger sagt:

    Denke das ist vernünftige Entscheidung das schnell zu unterbinden
    Hoffe man hat den richtige Wortlaut bei Regeln gefunden

    Aber viel wichtiger und politisch weitgreifender ist doch der vernünftige und sinnvolle Beschluß
    bei ISAF jetzt 8 Jahre vorher schon 4 Core Classes für Olympia 2020 festzulegen und den Verbänden, Regionen und Clubs damit Planungssicherheit zu geben
    Gesetzt sind Skiff Herren 49er, Skiff Damnen 49erFX sowie Singlehand Dinghy M+ W mit Laser und Radial

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    • avatar Philip sagt:

      Apropos Planungssicherheit,
      was macht eigentlich die 29xx-Klasse, die vor kurzem noch so gehypt wurde, als die wahrscheinlichste Frauenskiffklasse für Olympia???
      Und was machen jetzt die Besitzer dieser Boote / Kits?

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      • avatar Wilfried sagt:

        Falsche Frage; die richtige Frage ist ob sich das Skiffsegeln als soches durchsetzt. Wir schielen immer zu digital auf Olympiaklassen. 505 und anderes haben sich auch als Klassen durchgesetzt obwohl der FD und 470er olympisch waren/sind. Wenn Skiffsegeln genug Anhänger findet gibt es eben auch mehrere Klassen. Wenn sich Skiffsegeln nicht deshalb durchsetzt weil es Spaß macht, wird es sowieso kaum Leute geben die es sich antun national in kleinen Feldern gegen Olympiaanwärter zu segeln.

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  4. avatar Willii Gohl sagt:

    Also nun mal bitte keine Legendenbildung! Etwas genauere Berichterstattung wäre schon angebracht und nicht einfaches Übernehmen von der 49er website.
    “Am Rande des ISAF Meetings in Irland wurde das so genannte “Tower Trapezing” verboten”.
    So einfach stimmt es nicht. Einige Mitglieder verschiedener Committees der ISAF haben sich mit Vertretern von “Trapez-Klassen” getroffen, u.a. auch mit Barry Johnson von den 49ern!!!
    Dieses Treffen kaum insbesondere auch auf Bitten anderer “Trapez-Klassen” zu Stande.
    Dabei wurde vereinbart, dass die jeweiligen Klassenregeln entsprechend geändert werden sollen. Dies wurde nach meinem Kenntnisstand auch so von den anwesenden Vertretern, insbesondere auch durch die 49er, mitgetragen. Also nicht “ISAF hat verboten..” sondern die Klassen werden ihre Vorschriften entsprechend formulieren. Der alleinige Grund für die Änderung waren und sind Sicherheitsbedenken.
    Wenn die 49er mit einer solchen Änderung nicht einverstanden sein sollten, muss die Klasse ja nur nicht die Klassenvorschriften ändern.

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  5. avatar Oh, nass is sagt:

    Oh, mein Gott, der arme Däne….also echt schad um diese tolle Erfindung und Weiterentwicklung des Segelsports.

    Ich hoffe, daß sich dieser olympische Elitesport dadurch nicht aus seinem Tritt bringen läßt, was die künftigen Weiterentwicklungen angeht. Ein herber Rückschlag für den Segelsport insgesamt, wie ich finde.

    Ich persönlich wär ja ganz stark dafür, daß man am Masttop des 49er ein paar Lianen anbringt und Vorschoter und Steuermann, anstatt unter dem Baum durchzuschlüpfen, was ja echt nicht besonders telegen aussieht, sich demnächst vorn und hinten um die Segel rumschwingen beim Wenden. Natürlich mit Tarzanschrei, wie es sich für einen olympischen Elitesport gehört. 🙂

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    • avatar Pete sagt:

      Na wenn man sonst am Boot nichts weiterentwickeln darf, muss man seine Kreativität halt beim trapezen ausleben
      😉
      Die Lianen könnte man beim 14 oder 505 bestimmt anbringen, aber beim 49er ist das gegen das strikte One Design.

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  6. avatar Rolf Albert sagt:

    Polemik hin oder her…ich kann nur sagen : richtige Entscheidung, ISAF bzw. deren angeschlossene olympische/internationale Klassen.
    Ich hab meinen Vorschoter schon so über den Gardasee (aus meiner Sicht fast das einzige Revier, wo das ganze auch Sinn macht) “transportiert” u. ich sage es hier gern nochmal : Das hält kein Mensch lange aus ! Und ich bin fit, Leute … es ist definitiv auf Dauer gesundheitsschädigend für den unteren Segler.

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