Neue Olympia-Disziplin IQ-Foil: 100 Surfer vor Lanzarote – Sebastian Kördel stürzt im Finale

Vom Hungerhaken zum Schwergewicht

Dem deutschen Top-Athleten Sebastian Kördel (31) gelang bei den IQ-Foil Games ein starker Auftakt. Dann wurde er ein Opfer des neuen medienwirksamen Formats.

Keine Olympia-Disziplin mehr für Schwergewichte! Soll das wirklich so sein? Dieses Argument war der wichtigste Trumpf der Finn-Dinghy-Segler, um ihren Verbleib in der Olympia-Familie zu sichern. Er hat schließlich nicht gestochen. Und nun stellt sich auch noch heraus, dass das Kilo-Argument nicht so ganz stimmt. Die neue Segel-Olympia-Klasse IQ-Foil entwickelt sich ebenso zur Segel-Disziplin für Schwerathleten.

Ü-90kg-Surfer beherrschen die Szene. Das Optimalgewicht für das neue Material pendelt sich knapp über dieser Marke ein. Das hat sich gerade wieder bei den IQ-Foil Games in Lanzarote gezeigt, der ersten größeren internationalen Veranstaltung 2022 aller zehn olympischen Segel-Disziplinen.

Der Franzose Nicolas Goyard (26) bestätigte seine aktuelle Ausnahmestellung in der neuen Klasse bei den IQ-Foil Games vor Lanzarote. Im Feld der 70 Männer gewann er 10 von 13 Rennen und wiederholte seinen EM-Sieg von 2021. Damit behielt er auch im alles entscheidenden Finale die Nerven, das bei harten Bedingungen gesegelt wurde.

Über 90 Kilogramm sind notwendig

Goyard wiegt 91 Kilogramm und scheint damit das Ziel vorzugeben, dem der Rest der Konkurrenz folgt. Allerdings ist Gewicht nicht alles. Der Franzose führt schließlich auch noch die Rangliste der Professional Windsurfers Association (PWA) in der Disziplin Slalom an – bei der ebenfalls gefoilt wird – und scheint damit perfekt für das neue Olympia-Material vorbereitet.

Wie sehr sich damit die Hierarchie bei den Olympia-Windsurfern verändert, zeigt die Entwicklung seines Bruders Thomas Goyard. Der surfte elf Jahre lang auf dem olympischen RS:X Board und gewann 2021 Silber in Enoshima. Nun aber hat er gegen seinen gewichtigeren Bruder keine Chance. In Lanzarote belegte er Rang 17.

Nicolas Goyard bei seinem EM-Sieg 2021 © Martin-Raget

Kein ex RS:X-Surfer gehört aktuell zu den besten IQ-Foilern. Das Optimalgewicht unterscheidet sich um mindestens 20 Kilogramm. Dennoch können sich die Namen an der Spitze des Rankings bis zu den Spielen in Marseille 2024 noch ändern. Denn einige wollen ihre Karriere nicht aufgeben und arbeiten hartnäckig an einer Metamorphose.

Kiran Badloe transformiert seinen RS:X-Olympiasieger-Body (73kg) zum 90-Kilo-Schwergewicht für das IQ-Foil. © Badloe

Zum Beispiel der niederländische Olympia-Goldgewinner 2021 Kiran Badloe (27)

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Carsten Kemmling

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Ein Kommentar „Neue Olympia-Disziplin IQ-Foil: 100 Surfer vor Lanzarote – Sebastian Kördel stürzt im Finale“

  1. avatar Alf sagt:

    “Dem deutschen Top-Athleten Sebastian Kördel (31) gelang bei den IQ-Foil Games ein starker Auftakt. Dann wurde er ein Opfer des neuen medienwirksamen Formats.”

    Jein. Es stimmt, das Format ist grenzwertig, um es höflich zu formulieren. Auf Leichtathletik übertragen wäre es so, als ob man zehn 100-Meter-Sprints als Vorläufe macht, das Ergebnis in die Tonne tritt und die Medaillen dann in einem 110-Meter-Hürdenlauf vergibt. Ich persönlich halte das für schwachsinnig und unfair.

    Bei Basti stimmt aber etwas anderes noch grundlegend nicht: Er hat bewiesen, einer der Top-Foiler weltweit zu sein, nur versagen ihm auf das Ende im Medal Reace hin regelmäßig die Nerven. Fragt sich, wie viele Jahre er sich noch geben will, um die nötige Endhärte aufs Wasser zu bringen?

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