Neuer Job: Franck Cammas bei Oman Sails – neue Ocean Race-Kampagne?

Den Schleier lüften

Oman Sails, Cammas,

Franck Cammas mitten im neuen Aufgabengebiet als Coach © oman sails

Angeblich soll Franck Cammas jungen Omanern und Omanerinnen das Regattasegeln beibringen. Doch ist der Superstar damit nicht ein wenig unterfordert? 

Es war ein wenig still geworden um den einst so gefeierten Superstar Franck Cammas. Der Südfranzose mit neuer Heimat an der Atlantikküste hatte nach eher suboptimal verlaufenen America’s Cup-Kampagnen für Frankreich kaum mehr mit beeindruckenden Siegen von sich reden gemacht. Zwar verstand er es immer wieder, sich mit kleinen „entre-actes“ in Szene zu setzen, wie etwa auf den GC32-Foilern, auf dem Nacra17 oder beim letzten Volvo Ocean Race, bei dem er eine Etappe auf „Dongfeng“ mitsegelte. Doch große Coups, wie man sie von ihm früher im Dutzend gewohnt war, blieben aus. 

Und was hatte er nicht alles „eingesackt“: Trophée Jules Verne, Route du Rhum, Transat Jacques Vabre, Solitaire du Figaro und mit einem vergleichsweise kleinen Budget, angenagtem Boot und eher zusammengewürfeltem Team, das Volvo Ocean Race 2011-2012. 

Oman Sails, Cammas,

Das neue Oman Sail Team, das weiterhin in Lorient stationiert sein wird © oman sails

Immer an seiner Seite: Sponsor Groupama. Mehr als 20 Jahre finanzierte ihm die Versicherungsgruppe seine durchweg erfolgreichen Eskapaden auf Hoher See, inklusive der letzten America’s Cup-Kampagnen. Da war es fast schon symbolisch, als das Groupama/America’s Cup-Headquarter in Lorient vollständig ausbrannte – ein Desaster, nahezu alle Unterlagen, Daten und Papiere der Französischen America’s Cup Kampagnen gingen dabei verloren. 

Groupama hatte sich schon vor dem Brand dazu entschlossen, zunächst kein Geld mehr im AC zu versenken, andere Sponsoren ließen sich für eine nächste AC-Kampagne nicht finden. Cammas veranschlagte das Projekt auf mindestens 20 Millionen Euro… per anno! Zuviel Geld sogar für Franzosen, die ihr Prestige und ihren Nationalstolz sowieso lieber auf Hoher See mit Einhand-Stars feiern als auf den Up and Down-Kursen auf der anderen Seite der Weltkugel. 

Neuer Player bei der Weltregatta?

Wie gesagt, es wurde still um Cammas. Bis im Sommer das „Radio Ponton“ (vulgo: die Segler-Gerüchteküche) von La Base in Lorient hinter vorgehaltener Hand flüsterte, Cammas würde derzeit allzu häufig „bei den Arabern“ Ferien machen. Und ob sich da wohl eine neue Liaison anbahne? Die Preparateurs und Segler bei Oman Sails – ebenfalls in Lorient stationiert – grinsten auf Anfrage nur breit und schauten mehr oder weniger geheimnisvoll in ihren Drink. Was diese Deutschen immer alles wissen wollen… 

Vor wenigen Tagen dann die Bestätigung der Vermutung, die mittlerweile nun wirklich jede Möve von den Dächern der Base-Bunker lachte: Franck Cammas steht ab sofort bei Oman Sails unter Vertrag. Nachdem Sidney Gavignet, bisher Teamchef bei Oman Sails, mit dem Sieg in der Rhum-Klasse bei der letzten Route du Rhum einen Strich unter seine Karriere gezogen hatte, war man ganz offensichtlich auf der Suche nach einem würdigen Ersatz.

Cammas’ Aufgabengebiet werde Training mit jungen Nachwuchsseglern des Emirats sein, die beispielsweise an der Tour de France de la Voile (auf Diam), beim GC 32 Circuit und im Figaro-3-Zirkus mitmischen respektive mitmachen wollen. Für letztere Kampagne wurden bereits eigens zwei neue Foiler-Figaros geordert. 

Zugegeben, Oman Sails hat sich in den zehn Jahren seines Bestehens mehr  als gemausert, es wurde zu einem echten Vorzeige-Projekt. Die Arabischen Segler sorgten gemeinsam mit ihren europäischen Tutoren und Vorseglern für eine Menge Image auf dem MOD70 Trimaran (u.a. Rekord Round Britain), sie segelten damit um die Welt; auf den GC 32 und Diam schlagen sie sich mittlerweile sehr beachtlich und in der Class 40 zeigen sie auch längst Flagge. Vielleicht ist ihr größter Erfolg in alledem, dass sie zudem ein Omanerinnen-Team aufgestellt haben. Aber das ist eine andere Geschichte… 

Ist Cammas unterfordert?

Doch aktuelle Oman-Erfolge hin oder her – ein Franck Cammas, der als Coach für junge Omaner fungiert? Ist das nicht selbst für einen ausgesprochen gesunden Staat wie Oman ein wenig teuer? Und unterfordert das einen Cammas nicht ein wenig? Womit wir wieder bei „Radio Ponton“ angelangt wären. Zwar war aus den Preparateurs wieder nichts Konkretes heraus zu kitzeln („Ces allemands! Toujours curieux!“), und die Gerüchteküche brutzelte immer deutlicher. 

Volvo Ocean Race

Franck Cammas konnte Dongfeng beim Start allerdings nicht den “magischen Push” geben. © Martin Keruzore/Volvo Ocean Race

Denn es ist schon lange kein Geheimnis mehr, dass sich Oman Sails und der Staat Oman sehr für das Volvo Ocean Race interessieren. Was auch nur Sinn macht: Mit welchem anderen „Produkt“ kann man einen relativ kleinen und entsprechend wenig bekannten Staat mit maritimer Vergangenheit in der Welt so bekannt machen, wie mit dem Etappen-Rennen rund um den Globus? Und munkelt man nicht schon seit Monaten, dass irgendwo ein geheimnisvoller IMOCA gebaut wird? 

Tatsache ist, dass das „Ocean Race“, wie das ehemalige VOR nun genannt werden will, ein idealer Spielplatz für Oman Sails sein könnte. Und dass sie nun einen Franck Cammas angeheuert haben, um den Nachwuchs zu trainieren, nimmt ihnen (zumindest auf den Hochseepontons) sowieso keiner ab. Ist hier also mit einem weiteren Team zu rechnen? 

Immerhin sprachen die neuen Organisatoren des Ocean Race bei einem Treffen mit potentiellen Teilnehmern kürzlich erneut von über 12 IMOCA, die am VOR teilnehmen werden bzw. möchten. Und es wurde gemunkelt, dass ein „exotisches“ Team ebenfalls dabei sein werde. 

In jedem Fall ist festzustellen, dass sich „Ocean Race“ langsam aber sicher in den „Hinterköpfen“ wichtiger Player festsetzt. Immer mehr Interessenten haben das Rennen im neuen Modus – IMOCA für fünf bis sechs Personen, 65-Fuß-Ocean-Racer für Nachwuchsteams – auf dem Zettel.

Es bleibt also abzuwarten, bis der Schleier ein wenig angehoben wird. Lange können sich die Protagonisten ja nicht hinter ihrer Geheimniskrämerei verstecken. Merke: Früher oder später weiß „Radio Ponton“ alles! 

avatar

Michael Kunst

Näheres zu miku findest Du hier

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Sicherheitsfrage (SPAM-Schutz): *