Niedersachsen Steinhude: Ausnahme genehmigt für erste Klassen-Regatta – 43 O-Jollen

"Keine Probleme"

Die Aussagen zu Segelwettkämpfen waren bisher verwirrend. Auf dem Steinhuder Meer kann Pfingsten jetzt aber tatsächlich die erste Klassenregatta stattfinden. Die finale Genehmigung ist erteilt.

O-Jollen am Steinhuder Meer. Pfingsten dürfen sie dort wieder aufs Wasser. © O-Jollen Klasse

Ende April äußerte sich Thomas Gote, Vorsitzender des Segler-Verband Niedersachsen, gegenüber SR noch skeptisch, bezüglich der Möglichkeit 2020 überhaupt Regatten organisieren zu können. Aber nun ging es dann doch schneller als.

Gote pflegt mit seinem Verband einen engem Kontakt mit den zuständigen Behörden und die scheinen im Gegensatz zu den Kollegen in anderen Bundesländern mehr Verständnis für die besonderen Möglichkeiten zu entwickeln, die gerade der Segelsport in Bezug auf Anti-Corona-Maßnahmen bietet. Social Distancing, Abstand halten ist quasi die Basis des Regelwerks für Wettkämpfe.

Niedersachsen bleibt im Ländervergleich ein Vorreiter, wenn es um die spezielle Anpassungen der Corona-Regeln an den Segelsport gilt. Nun findet in dem Bundesland während der weltweiten Krise die erste normale Klassenregatta statt – vermutlich die erste in Europa, vielleicht sogar in der Welt. Wettfahrtleiter Bernd Bühmann ist es gelungen, bei der Behörde in Hannover eine Ausnahmegenehmigung für die Pfingstwettfahrten auf dem Steinhuder Meer zu erwirken.

“Keine Probleme, für ihren kontaktlosen Sport auch im Rahmen einer Regatta”

Im entsprechenden Schriftverkehr, der der Redaktion vorliegt, heißt es von dem Behördenvertreter:  “Ich sehe keine Probleme, Ihren kontaktlosen Sport auch im Rahmen einer Regatta nach den aktuellen gesetzlichen Regelungen durchzuführen.

Sie gaben an, dass es insbesondere nicht zu einer Veranstaltung (an Land, etwa Preisverteilung; Anm. d. Red. ) kommt und die Abstandsregelungen eingehalten werden. Achten Sie bitte insbesondere auf der Ziel-/Startplattform auf einen ausreichenden Abstand.

Die vorgenannte Regelung gilt zunächst bis zum Erlass einer Änderung der Verordnung, spätestens jedoch bis einschließlich zum 27.05.2020.

Es ist absehbar, dass die neue Verordnung weiterhin keine Zusammenkünfte in Vereins- und Freizeiteinrichtungen sowie öffentlichen Veranstaltungen zulässt. Außerdem ist absehbar, dass sich die grundlegenden Regelungen zur Sportausübung im Freien nicht stark verändern werden. Die Abschätzung der Änderungen sind eine vage Prognose, hinsichtlich tatsächlicher Änderungen verfolgen Sie bitte die weitere Presseberichterstattung bzw. die Entwicklung bezüglich der Verordnungen des Landes Niedersachsen.

Hinweis: Diese Auskunft stellt keinen Verwaltungsakt dar und ersetzt keine ggf. anderweitig erforderlichen Genehmigungen.”

Schlüssiges Hygienekonzept

Bernd Bühmann vom Schaumburg-Lippischer Seglerverein hat die Behörde mit einem schlüssiges Hygienekonzept überzeugt. Es gab für die fünf Klassen Meldebeschränkungen (Flying Dutchman 25 Boote, P-Jollenkreuzer 20, O-Jolle 35, Taifun 20, IC-Kanu 20) und weiter hieß es in der Ergänzung zur Ausschreibung: “Das Hygienekonzept/Durchführungsbestimmung zu dieser Regatta wird den Teilnehmern im Vorfeld zur Verfügung gestellt, bzw. bei der Anmeldung übergeben. Die Wettfahrtleitung behält sich vor bei Verstößen gegen diese Unterlagen Platzverweise auszusprechen, und sie nach den Regeln des DSV zu ahnden.”

Aber Bühmann musste der Behörde danach den Ablauf noch genauer erklären: Dabei weist er darauf hin, dass die Boote am Steinhuder Meer auf vier Segelclubs verteilt werden, um Gruppenansammlungen zu vermeiden.

Außerdem komme der 60 bis 70 Prozent der Teilnehmer vom Steinhuder Meer, so dass hier eine Anreise entfällt. “Die Segler von außerhalb kommen mit eigenem PKW oder Wohnmobil, für diese hat der SLSV einen eigenen Parkplatz der ca. 200 m vom Clubgelände entfernt ist. Auf diesem können die Abstandsregelungen eingehalten werden. Die „Parkboxen“ werden markiert.”

“Spuckschutz im Fenster”

Darüberhinaus sei im Regattabüro ist eine kontaktlose Registrierung per Scanner möglich.  Das Büro werde nicht betreten, es gibt einen Spuckschutz im Fenster und eine Abstandsmarkierung. “Es gib kein Treffen und eine Begrüßung aller Teilnehmer. – Die Boote werden über sogenannte Slipanlagen ins Wasser gebracht und auch wieder rausgeholt. Das erfolgt unter zur Hilfenahme langer Seile, die Segler helfen sich untereinander und halten die Abstandsvereinbarungen ein. Dies wird auch schon heute beim Segeltraining so praktiziert. – Die Schiedsrichter sind auf den von der Region genehmigten Rettungsbooten verteilt und überwachen das Geschehen von dort. – Auf der Start-/ Zielplattform sind 3-4 Personen, hier können die Abstandregelungen eingehalten werden, die Leute kommen sich schon auf Grund ihrer Aufgabengebiete nicht zu nah. – Eine kontaktlose Ausübung des Segelsports bei den Wettfahrten ist jederzeit gegeben, es ist keine Veranstaltung sondern kontaktlose Sportausübung.”

Das Hygienekonzept sehe unter anderem die Sperrung der Dusch- und Umkleideräume vor und die Nutzung der Toiletten durch nur jeweils eine Person. “Der Zugang zu den Clubhäusern wird in Form von Einbahnstraßensystemen geregelt: Der Haupteingang ist der Eingang. Der Nebeneingang der Ausgang – Im Clubhaus ist alles ausgeschildert und abgesperrt – Die Segler werden durch Aushang besonders auf die Einhaltung der Abstandregelungen auf dem Grundstück und den Bootsstegen hingewiesen – An den vorhanden Tischen stehen je nur 2 Stühle und ist untersagt die Stühle zu verrücken – Es wird gebeten einen Mund- und Nasenschutz mitzubringen und ihn bei eventuellen Begegnungen auch zu tragen.”

Bühmann schreibt weiter: “Ich hoffe ihnen mit diesen Ausführungen noch genauer aufgezeigt zu haben, dass es uns nur um die zu segelnden Wettfahrten geht, nicht um eine Zusammenkunft und oder Veranstaltung.”

43 O-Jollen, vier aus den Niederlanden

Die längere Hängepartie bei der Kommunikation mit der Behörde hat dazu geführt, dass die P-Boote nicht an den Start gehen. Da die FDs mit 20 Crews nicht die Maximalzahl von 25 Booten erreichen, und auch IC (13) und Taifun (9) weniger als die erlaubte Flottengröße erreichen, freuen sich die O-Jollen. Alle gemeldeten 43 Boote dürfen an den Start gehen. Vier Skipper reisen sogar aus den Niederlanden an.

Bühmann erklärt: “Da die Teilnahme der P-Boote wegfällt und die Klassen FD, IC und Taifun die maximalen Meldezahlen nicht erreicht haben, hat die Region uns genehmigt bei den O-Jollen alle Boote starten zu lassen, die bisher gemeldet haben. Nachmeldungen, egal wie und durch wen, werden auf keinen Fall angenommen.”

Bleibt zu hoffen, dass Pfingsten die Regatta am Steinhuder Meer ohne Beanstandung über die Bühne geht. Dann könnte sie als Paradebeispiel dafür durchgehen, wie Segelregatten unter Corona-Auflagen stattfinden können.

Anm. d. Red.: Vor einer Woche hatten SR diese positive Entwicklung schon in ähnlicher vermeldet. Wir haben den Artikel dann auf Bitten der Wettfahrtleitung aber wieder vom Netz genommen. Es hieß, der Deal sei noch nicht vollkommen in trockenen Tüchern und eine Vorabmeldung könne eine positive Entscheidung gefährden.

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

2 Kommentare zu „Niedersachsen Steinhude: Ausnahme genehmigt für erste Klassen-Regatta – 43 O-Jollen“

  1. avatar PL_christoph.quinger sagt:

    Dass man an Land durch entspr. organisatorische Regelung die Abstandsregeln sicher stellen kann, ist nachvollziehbar, wenn das Gelände das zulässt und es nicht zu viele Teilnehmer werden. Aber während der Startprozedur im heute gängigen Regattaformat haben die Boote und deren Besatzung nicht den Abstand von > 1,5 Meter. Auch auf Motorbooten, die idR ja mit zwei Personen zu besetzen sind, wird das ggf. schwierig. Wie löst man diese Probleme?

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    • avatar Werner Hagenburg sagt:

      Oh, da ha ja tatsächlich noch einer Angst vorm bösen Grippevirus :-)))))
      Was Merkel sagt, muss eingehalten werden, die Renten sind sicher :-))))))

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