Ocean Race Europe: Wie sich die Österreicher schlugen – OTG erklärt plötzlichen Rückstand

Magische Momente

Die zweite Etappe beim Ocean Race Europe ist für das Austrian Ocean Race Project mit Platz sieben nach dem Überraschungssieg weniger erfolgreich verlaufen. Ein Segelschaden bremste. Aufmerksamkeit generierten sie trotzdem.

Der Bremer Eike Schurr ist Onboard Reporter beim österreichischen VO65 “Sisi”. Sein Job beninhaltet normalerweise eine Rolle im Hintergrund. Aber nun ist er plötzlich in den Fokus geraten. Grund dafür ist die spezielle Optik, die er beim Start seiner Drohne lieferte. Er kroch zur Rettungsluke im Heck und steuerte seinen Flieger von dort, ohne die Crew bei der Arbeit zu behindern. Die Landung dürfte anders verlaufen sein.

Eike Schurr, der Bremer Onboard-Reporter beim Team Austria in ungewöhnlicher Perspektive bei der Drohnen-Arbeit…

…Seine Startrampe ist die Fluchtluke des VO65 im Heck.

Schurr gehört zur jungen Garde der professionellen Renn-Fotografen. 2019 schaffte er es mit einem Drohnen-Foto als Achter schon unter die Top-Ten im Mirabaud-Ranking der besten Segelbilder. Aufnahmen aus der Luft sind längst ein Muss für Fotografen, die den Segelsport abbilden. Auf diese Weise sind beim vergangenen Volvo Ocean Race spektakuläre Bilder entstanden. Und auch diesmal lässt die Kunst der Drohnen-Piloten das Rennen aus einem spektakulären Blickwinkel erscheinen:

Es geht aber auch klassisch. Der Veranstalter präsentiert sensationelle Bilder vom Zieleinlauf der beiden führenden VO65 Boote Mirpuri und AkzoNobel bei Sonnenaufgang. Wahrlich magische Momente:

Wie eng es am Ende war erklärt Yoann Richomme, Skipper des favorisierten Mirpuri Teams. Bei der ersten Etappe war er nach langer Führungsarbeit durch ein hohes Risiko noch noch bis zum Ende der Flotte durchgereicht worden. Nun steht er doch noch auch in der Gesamtwertung an der Spitze der Tabelle.

Das Österreichische Team bekam zu Beginn der zweiten Etappe erneut zu spüren, was es heißt, ohne ein wichtiges Segel anzutreten. Nach gutem Start führte das Austrian Ocean Race Project unter dem holländischen Skipper Gerwin Jansen, das mit einer fast völlig neuen Crew an den Start ging, die Flotte an der ersten Wendemarke an. Aber mit genau achterlichem Wind fehlte der große A4 Gennaker schmerzlich, den es sich bisher nicht leisten kann. Das Ergebnis: Bis zu zwei Knoten weniger Speed und mehr als zehn Grad weniger Tiefe. Nach rund 130 Meilen liegt das Boot schon gut 20 Meilen zurück.

Aber bei Gibraltar-Passage ist der Rückstand halbiert und Mexiko wieder eingeholt. Aber dann nimmt ein anderes Segel Schaden und die Österreicher segeln sich in zahlreichen Flauten fest. Am Ende bleibt nur der Zweikampf um Platz sechs mit den Litauern von Ambersail, der schließlich erfolgreich verläuft.

Team Manager Konstantin Kobale resümiert: “Der Kampf um den letzten Platz ist kein glanzvoller, aber ein ebenso intensiver. Wir haben gegen ein Team gekämpft, die auch alles gegeben haben, die auch bestimmt nicht letzter werden wollten. Wir hatten ein beschädigtes Segel und haben trotzdem gewonnen. In Anbetracht dieser Umstände ist das auch ein Sieg für uns.”

Das Team der Österreicher bei der Arbeit. © Eike Schurr / TAORP

Der junge Michiel Goegebeur ist neu an Bord. © Eike Schurr / TAORP

Auch das deutsche Team lässt die Etappe noch einmal Revue passieren:

Dabei wird klar, dass der plötzliche Verlust der Führung und das Umdrehen des Bootes in Gegenrichtung weniger mit dem Verlust der Windinstrumente als mit einem hartnäckigen Flautenloch zu tun hatte.

“Einstein” auf Gegenkurs in der Flaute.

Stanjeks Crew segelte in der Anfangsphase gut und drohte LinkedOut, als die Crews nach dem Verlassen der Meerenge Richtung Osten fuhren. Doch dann fiel sie in ein Windloch, nur ein paar hundert Meter von den Booten um sie herum entfernt, die unbeeindruckt weiter segelten. Annie Lush erklärt: “Nachdem wir die Meerenge durchquert hatten, arbeiteten wir uns im leichten Wind weg und hielten uns in einer sehr guten Position. Wir waren zu diesem Zeitpunkt auf Rang eins platziert. Aber dann sind wir einfach in Lee der Flotte stecken geblieben. Wir segelten nur etwa 100 Meter von dem Wind entfernt, mit dem alle anderen vorbeizogen. Es war ziemlich verrückt. Ich schätze, wir sind zwischen zwei Windsystemen stecken geblieben. Der Wind kam einfach nicht zu uns.”

So knapp war es kurz vor dem Ziel für OTG. “Einstein” kontrolliert die Gegner aus pefekter Luvposition. © Sailing Energy / TOR

Das Offshore Team Germany aus der Führungsposition auf den letzten Platz zurück und die Etappe schien gelaufen. Doch eine kluge Entscheidung mit einem Schlag unter die Lüste bei vor Cabo de Gata brachte sie zurück ins Spiel. “Das war ein wirklich ein großes Comeback für uns”, erklärt Lush. “Unglaublich. Es schien die letzte Chance zu sein und es hat funktioniert. Plötzlich waren wir wieder dabei.”

Aber die Britin betont auch, wie anstrengend diese Etappe war, bei der sich die Crew nicht auf den Autopiloten verlassen konnte. Im 90-Minuten-Rythmus wechselten sich die vier Steuerleute ab. Der zweite Platz im Ziel war eine Belohnung.

Weiter geht es am Sonntag den 13.6. Richtung Genua. In Alicante findet kein Coastal Race statt.

Der Stand der aktuellen Ergebnisse:

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Carsten Kemmling

Der Mann von der vordersten Front. Mehr zu ihm findest Du hier.

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