Offshore Team Germany: Hoffnung auf Steuerkünste, leichten Wind und neue Segel

Den Foilern das Fürchten lehren

Das Offshore Team Germany hat sich zum Trainingsstart für das Ocean Race Europe per Zoom-Konferenz vorgestellt. Es wird über die Finanzen und Chancen gesprochen

Video: OTG wird zu Wasser gelassen

Nachdem sich die deutsch-internationale Vierermannschaft des Offshore Teams Germany (OTG) um Skipper Robert Stanjek ist mit einem Shooting-Star aus der französischen Hochsee-Szene komplettiert hat, ist sie vor Les Sables d’Olonne in das Training für das Ocean Race Europe eingestiegen. Am 29. Mai startet das Drei-Etappen-Rennen der IMOCAs und VO65 in Lorient über Cascais und Alicante nach Genua.

Die neue OTG Crew mit Benjamin Dutreux, Annie Lush, Robert Stanjek und Philip Kasüske (v.l.)© OTG

„Lernen ist Erfahrung. Alles andere ist einfach nur Information“, sagte der weise Physiker Albert Einstein, Namensgeber des deutschen Open 60. Und gemeinsam Erfahrung sammeln steht obenan für die Kampagne, die 20 Jahre nach dem Sieg von illbruck Challenge beim The Ocean Race 2022/23 rund um die Welt dabei sein will. „Ich bin immer noch ein Offshore-Rookie“, gibt Stanjek unumwunden zu, und freut sich über die jüngste Verstärkung.

“Einstein” an seinem Liegeplatz in Les Sables d’Olonne. © OTG

Mit dem 31-jährigen Navigator Benjamin Dutreux zog Teammanager Jens Kuphal einen Emporkömmling der jüngsten Vendée Globe an Bord. Der Franzose wurde mit einem vier Generationen alten Boot ohne Foils überraschend Neunter und bot der Weltspitze bis zum Südatlantik lange Zeit Paroli. Er ist es gewohnt, den Foilern das Fürchten zu lehren. „Ich sehe gute Chancen, dass wir auf dem Kurs konkurrenzfähig sein werden“, schiebt der Werkstofftechniker aus dem Yachtbau Bedenken beiseite, die foilende Konkurrenz könnte die „Einstein“ im Kielwasser stehen lassen. Mit „11th hour“, „Bureau Vallée”, „Corum“ und „LinkedOut“ trifft die Ex-„Acciona” nämlich auf durchweg modernere Konkurrenz.

Die Route bei The Ocean Race Europe. © TOR

Deshalb bleibt Skipper Robert Stanjek realistisch. Besonders die erste Atlantik-Etappe von Lorient nach Cascais sollte mit dem erwartet hohen Vorwind-Anteil den vier gegnerischen Foilern besser schmecken, die zu den aktuellen schnellsten IMOCAs  gehören. Danach aber glaubt er im Mittelmeer an eine Chance, wenn die zu erwartenden Kreuz- und Leichtwindanteile höher werden.

Flügel mit Stummel

Ohnehin glaubt Manager Jens Kuphal, dass für The Ocean Race völlig andere Foils benötigt werden als bei der Vendée Globe. Darüber sei man sich in der Szene einig. So experimentiere das 11th Hour Racing Team auf der alten Hugo Boss schon länger mit verschiedensten Foil-Versionen – unter anderem mit einem kleinen Schwertstummel am Flügelknick, um die Kreuzfähgkeit zu verbessern.

Kuphal ist froh, vom ursprünglichen Plan abgewichen zu sein und nicht schon jetzt ein gebrauchtes Flügelpaar gekauft und eingebaut zu haben. Die jüngsten Vendée Globe-Erfahrungen werden erst jetzt in neuen Designs verarbeitet.

Der neue IMOCA-Foil bei der alten Hugo Boss mit kleinem Flügelchen für bessere Amwind-Eigenschaften. © 11th Hour Racing

Vor dem Härtetest bekommt die „Einstein“ auch noch einen neuen Satz Segel. Und der Skipper glaubt, dass der beschränkt erlaubte Einsatz des Autopiloten (nur im Kompass-Modus) die Steuerfähigkeiten der Segler stärker betont. Auf diesem Gebiet fühlt er sich mit seinen drei Teamkollegen bestens aufgestellt.

Aber Annie Lush weist darauf hin, dass es durch die Verkleinerung der Crew von fünf auf vier (+ Onboard Reporter) noch mehr auf Allroundkönnen ankommt. „Das ist noch härter“, berichtet Phillip Kasüske der als ex Finn-Profi auch die Kraftmaschine für den Grinder ist. Schon das Fastnet-Race mit fünf erlaubten Seglern an Bord habe gezeigt, wie unterbesetzt die IMOCAs sind, wenn der Autopilot kaum zum Einsatz kommt. „Aber ich kurbele die Winschen immer auf 100 Prozent.“

Annie Lush, Volvo Ocean Race

Annie Lush gehört zu den stärksten Frauen im Volvo Ocean Race. © Rich Edwards/Volvo Ocean Race

Die meiste Erfahrung bringt die Britin Annie Lush ein, die im Frauenteam „SCA“ schon beim Volvo Ocean Race um die Welt raste und schließlich mit Brunel trotz Rückenverletzung auf Platz drei segelte. Stanjek kennt die Britin schon seit seinen Olympiakampagnen als Lush mit der Yngling und schließlich beim Match Race in London 2012 antrat. Sie lebt inzwischen mit Mann und Kindern auf Mallorca, konnte aber von Stanjek für ein weiteres Abenteuer begeistert werden. Stanjek: „Annie übt mit ihrem Knowhow gleichzeitig eine Trainerfunktion aus.“

Unterstützung von Mittelständlern

Den Job des Mediamanns an Bord, der nicht in die sportlichen Abläufe eingreifen darf, übernimmt Felix Diemer, der Fotojournalismus studiert hat und sich schon seit einigen Jahren von der internationalen Segelszene gebucht wird. Auch er versucht sich, beim Trainingslager im Hochsee-Mekka Les Sables d’Olonne, der Heimat von Dutreux, den Feinschliff für die Belastung auf See zu holen.

Fünf Jahre nach dem Start der OTG-Kampagne trägt das Syndikat weiter die Botschaft „made in Germany“. Nach CEO Michael End, dessen Unternehmen in Ostwestfalen mit 110 Mitarbeitern Armaturen herstellt und auch zu den Team-Sponsoren zählt, sollen weitere Mittelständler für das Offshore Team Germany begeistert werden. „Covid-19 hat die Suche nach weiteren Partnern erschwert“, so End und Kuphal, „aber wir profitieren auch vom Boom durch Boris Herrmanns Vendée-Auftritt.“

Nicht zuletzt durch den Doppelerfolg des Hamburgers mit dem Team Malizia, das neben dem Sport auch den Klima- und Meeresschutz in den Fokus stellt, bauen auch die Organisatoren vom The Ocean Race / Europe auf ein umweltschonendes Gesamtbild mit verschiedenen wissenschaftlichen Forschungsprojekten und Initiativen rund um die Regatta. Ziel ist die Reduzierung von Treibhausgasen, um die globale Klimakrise in den Griff zu bekommen.

 

 

5 Kommentare zu „Offshore Team Germany: Hoffnung auf Steuerkünste, leichten Wind und neue Segel“

  1. avatar Otg sagt:

    Von so einem Quatsch muss man erstmal selbst überzeugt sein

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  2. avatar breizh sagt:

    Was hat Dutreux denn geritten hier mit zu machen?
    Wenn ich mir alte Pressemitteilungen von OTG in Erinnerung rufe, ginge es doch um das G in diesem Team. In dem Interview mit Adrian Bleninger hätte man vielleicht einmal stärker nachfragen soll, wieso er seinen steinigen Weg jetzt geht und nicht mehr bei OTG unterwegs ist.

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  3. avatar Andreas Borrink sagt:

    DIE Foiler das Fürchten lehren!

    Aber so what – wir wissen ja, was gemeint ist…..

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  4. avatar Festnetwinner sagt:

    Auf SR sind ja nicht Kommentare von Leuten, die auch wirklich schlau sind. Viele hauen auch einfach mal drauf, weil da etwas noch nicht perfekt ist, und es ja so schön leicht ist, aus den tiefen des Netzes einen rauszuhauen.

    Ich finde gut, dass sich da Leute aus der Deckung wagen und hoffe, dass da was rauskommt. Und danach kann immer noch bewertet werden, was und wie und warum. Das mit dem G ist in der Tat schade, war es übrigens bei Aerosail auch schon…

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  5. avatar Henk sagt:

    @Fastnetwinner: Kann Dir nur zustimmen. Erst mal selber machen ehe man sich auf das Niveau von Millionen von virtuellen Bundestrainern begibt. Jede ernst gemeinte Initiative für das Seesegeln hat erst mal Respekt verdient.

    Ich hätte auch niemals so viel Erfahrung sammeln können, wenn mich als (Boden-)Seesegler nicht der Silverrudder Virus infiziert hätte und ich daraus nicht den Mut geschöpft hätte, mit meiner 27 Fuß-Schüssel das 2020er Baltic 500 zu segeln und zu beenden.

    …sagt Henk, Dein Pruuder 😁

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