Offshore Team Germany: Jörg Riechers steigt aus – Vendée Globe versus Volvo Ocean Race

Auf getrennten Kursen

Offshore Team Germany

Jörg Riechers und Robert Stanjek waren die Protagonisten des neuen deutschen Hochseeteams – jetzt geht Riechers (links) wieder seinen Solo-Weg © otg

Der Eine will die IMOCA unbedingt einhand bei der VG segeln – die anderen wollen aus dem OTG-Open60-Racer lieber ein Crew-Boot machen. Beides ist offenbar nur schwer zu vereinbaren.

Die Meldung, die heute Nachmittag bei SR per What’sApp einging, war denkbar knapp gehalten: 

„Nach einer überdurchschnittlich erfolgreichen und spannenden Mini-Kampagne haben das Offshore Team Germany und Jörg Riechers beschlossen, in Zukunft getrennte Wege zu gehen.

Grund für die Trennung ist die unterschiedliche Sichtweise über das weitere Vorgehen der geplanten Open60-Kampagne. Für den weiteren Weg in Richtung Vendée Globe 2020 wünschen wir Jörg alles Gute.“

OTG-Team-Manager Jens Kuphal machte bei einem anschließenden Telefonat mit SegelReporter deutlich, dass die heutige Veröffentlichung zur Trennung zwar von Jörg Riechers ausging, letztendlich aber nur konsequent sei. 

Der Zweitplatzierte bei der letzten Mini Transat (auf dem OTG-Prototypen „Lilienthal“) hatte seit Beginn seiner Kooperation mit dem OTG immer wieder erklärt, dass sein eigentliches Ziel die Teilnahme bei der Einhand-Nonstop-Weltumseglungsregatta „Vendée Globe“ sei. 

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Die ex “Acciona” vor dem Umbau © Jesus Renedo/Acciona

Nachdem sich jedoch die IMOCA-Klasse zudem als „Crew-Boot“ für das Volvo Ocean Race qualifizierte, gab es offenbar unterschiedliche Auffassungen innerhalb des OTG in Bezug auf die weitere Ausstattung, Aufrüstung und Verwendung des OTG Open60 (ex Acciona). 

Jens Kuphal: „Robert Stanjek und ich empfanden die Entscheidung der Volvo Ocean Race-Organisatoren, in Zukunft auch auf IMOCA in Etappen um die Welt zu segeln, wie ein Geschenk. Wir sehen hierin die Chance, auf unserem Boot endlich wieder ein deutsches Team beim VOR aufzustellen – 20 Jahre, nachdem die „Illbruck“ dieses legendäre Rennen um die Welt gewinnen konnte!“ 

Eine Teilnahme beim VOR (also im Team) UND bei der Vendée Globe sei nach heutigem Kenntnisstand kaum möglich, so Kuphal weiter. Ihm sei im Moment kein Boot bekannt,  das bei beiden Events eingesetzt werden soll. 

„Wer seriös beim Volvo Ocean Race um die Welt segeln will, braucht ein entsprechend ausgestattetes und modifiziertes Boot,“ sagte Kuphal. Eine Zwitter-Lösung für VOR und Vendée Globe könne es per se auch rein organisatorisch und Sponsor-spezifisch nicht geben. 

Mini fastnet

Beim Mini Fastnet lieferte das OTG-Duo Riechers/Stanjek noch eine klasse Team-Leistung ab. Doch auf einer IMOCA will Riechers lieber alleine segeln.© winches club

Einen „Tanz auf beiden Hochzeiten“ erachten übrigens mittlerweile die meisten IMOCA-Kampagnen als nahezu unmöglich. Eine Entscheidung für die eine oder andere Regatta sei nahezu zwingend, ist aus IMOCA-Kreisen zu hören. 

Für Jörg Riechers bedeutet dies, dass er von nun an zwar konsequent und zielbewusst an seinem Traum „Vendée Globe“-Teilnahme festhält. In welchem Rennstall bzw. mit welchem Sponsorship er das erreichen will, steht jedoch offenbar noch in den Sternen. 

Er werde auf einer Class 40 als Werksfahrer die nächste Hochsee-Saison bestreiten, war aus der französischen Szene schon seit einigen Tagen gerüchteweise zu hören. Ob ihm dies einen Platz auf einer IMOCA bei der Vendée Globe bescheren kann, bleibt abzuwarten. 

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Michael Kunst

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6 Kommentare zu „Offshore Team Germany: Jörg Riechers steigt aus – Vendée Globe versus Volvo Ocean Race“

  1. avatar Horst sagt:

    Alles Träumer. Der eine will mit einem ehemaligen Wrack das Volvo gewinnen, ohne relevante Offshore Erfahrung. Der andere meint das Wrack genügt nicht seinen Ansprüchen für eine Vendée…

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    • avatar pitman sagt:

      Träumerei ist wohl eine realistische Einschätzung dieses Projektversuchs.

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  2. Schade insbesondere für Jörg, der nun bereits zum 2. Mal am Umbaus eines älteren IMOCAs bis dicht an die Leistungsspitze beteiligt war und darauf eigentlich konkurrenzfähig das VG segeln wollte. Warum da nun unbedingt ein VOR-Schiff daraus werden sollte, erschließt sich mir überhaupt nicht. Es gäbe ja sicher auch die Möglichkeit ein Jungteam auf einem VOR65 zu sponsoren…

    Aber das was Jörg da jetzt macht – sich in die Entwicklung bei CapeYachts reinzuhängen und für die Rennen in der Class40 zu fahren ist sicher besser, als die Chancen auf ein konkurrenzfähiges VG-Schiff schwinden zu sehen … es hätte so schön sein können …

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  3. avatar Manfred sagt:

    Tja, so läuft das in GER. Haben Jörg und Boris schon vor Jahren erkannt und sich auf den Weg nach FRA gemacht um sich dort das notwendige Offshore und Einhand “knowhow” anzueignen. Was ja bisher auch sehr gut geklappt hat. Wünsche jedenfalls “unseren beiden” Einhand Recken viel ERFOLG!

    Ob die umgebaute “Acciona” nun nichts taugt vermag ich nicht zu beurteilen. Richtig finde ich allerdings Frank E’s Idee mit nem OTG Jungteam auf ner VOR65. Da herrschen gleiche Bedingungen für alle Teams und es muss nicht ein technischer Vorteil rausgearbeitet werden. Überhaupt erschließt sich mir nicht, was an dem Boot schlecht ist. Habe es mehrfach aus der Nähe in Starts und Inshore Rennen gesehen und klar, etwas schwieriger Inshore zu segeln als z.B. ne TP52 aber dafür ein grandioser und zuverlässiger Offshore Renner. Und ob die VOR65 nun wirklich bedeutend langsamer sind, als die IMOCAs bleibt abzuwarten. Ich hoffe nicht, dass die Entscheidung das OCEAN RACE jetzt auch mit IMOCAs zu segeln, verwässert die ganze Angelegenheit und als Fan finde ich die ein-oder zwei Teams mit den entsprechenden Persönlichkeiten, die mich dann an den Tracker fesseln.

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    • avatar Andreas Borrink sagt:

      Die ex-“Acconia” wird schon halten, ist ja schließlich bei Trimarine aufwändig gepimped worden; da arbeitet man mit seven layers, das sind Fachleute.

      Die Idee, mit EINEM Boot sowohl Crew- als auch singlehand Regatten zu segeln, konnte doch nur nach hinten losgehen. Bei dem Grad der Optimierung, den es da jeweils braucht, um vorn zu sein, kommt man ganz schnell an Grenzen. Und wenn es einen gibt, der ganz bestimmt nicht mit einem Kompromiss-Boot im Mittelfeld rumeiern will, dann ist es Jörg. Der wollte schon immer alles oder gar nichts.

      Insofern ist seine Entscheidung konsequent. Hoffentlich läuft es nicht auf “gar nichts” hinaus…..Viel Glück Jörg, hoffentlich bist Du wieder im Tracker zu sehen mit Deinen unkonventionellen Entscheidungen, die schon so viele Rennen erst wirklich spannend gemacht haben!

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  4. avatar Müller sagt:

    Sehr schade! Allerdings ist die letzte Meldung auf der OTG Seite vom März und auch sonst war über das Jahr doch hauptsächlich nichts zu hören und zu lesen. Weil man vor lauter Sponsoreninteresse nicht mehr zur Öffentlichkeitsarbeit kommt? Könnte wetten, dass das ganze Projekt schon lange wieder zur Offshore Ente Germany mutiert ist. Vielleicht muss Jörg Riechers einfach mal wieder sichtbar segeln und hat die Flucht nach vorne angetreten.

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