Offshore und Olympia: 470er-Champ mit erstaunlicher Atlantik-Premiere – Weiter geht’s Mixed

"Einfach nie locker lassen"

Die Welten des Hochsee- und Olympiasegelns wachsen immer mehr zusammen. 470er-Weltmeister Jérémie Mion wurde Dritter bei der Transat Jacques Vabre ohne vorher eine Nacht auf See verbracht zu haben.

Die neue Pogo segelte nahezu ungetestet auf Rang drei. © JEAN-LOUIS CARLI/ALEA

Jérémy Mion (32) aus Le Havre hat mit dem Match Racer Cédric Chateau auf dessen nagelneuer Class 40 (Pogo S4) überraschend Platz drei bei der Transat Jacques Vabre ersegelt. Das ist umso bemerkenswerter, weil Mion eigentlich 470er-Spezialist ist. Zweimal nahm er an Olympischen Spielen teil (7. 20016, 11. 2021), wurde 2018 mit Kevin Peponnet Weltmeister und 2021 Vize-Europameister.

Wie konnte er auf Anhieb so stark bei dem Atlantik-Rennen in der am härtesten umkämpften Klasse mit 45 Zweihand-Crews abschneiden? In einem Interview mit V&V bestätigt der Vorschoter, dass er zuvor erst eine einzige Nacht unter Segeln auf See verbracht hat. “Das ist wirklich wahr! Vor einem Jahr habe ich schon mal mit Kumpels nachts geankert. Aber erst am 1. September bin ich mit Cédric (Château) bei der Qualifikation für die Transat eine Nacht durchgesegelt.”

Mion (l.) mit Skipper Cédric Chateau. © JEAN-LOUIS CARLI/ALEA

Dennoch habe er das Rennen “im Großen und Ganzen sehr genießen können”. Es sei zeitweile ziemlich hart gewesen und auch sehr lang. “Immerhin haben wir 22 Tage gebraucht und es war super intensiv. Ich war sehr erstaunt. Man musste viel steuern, trimmen, manövrieren. Das hatte ich eigentlich nicht erwartet. Man muss das angehen, wie bei einer 470er-Regatta, nur dass sie drei Wochen dauert.”

Mentale Herausforderung

Sehr nervig sei der Kampf mit dem Seegras gewesen. “Das zieht einen mental runter. Man kann sich noch so oft sagen, dass es den anderen genauso geht, aber man ist sich nie sicher. Du musst anhalten, rückwärts segeln, die Algen entfernen und dann fährt man sofort wieder rein.”

Der Ablauf an Bord sei schon ein wenig mit dem Olympiasegeln zu vergleichen. Man arbeite mit den aktuellen Wetterdaten und bespreche die Strategie. Geht es darum, ein größeres Risiko einzugehen, oder beim Hauptfeld zu bleiben? “Es ist wie bei einer 470er-Regatta, nur dass sie länger dauert! Ich glaube, ich konnte meine olympische Erfahrung nutzen, indem ich einfach nie lockerlasse, das Boot dauerhaft so schnell wie möglich mache, ständig die Ausrüstung nach rechts, links, vorne und hinten schleppe, einfach ständig am Ball bleibe.”

Mion im Trapez von Kevin Peponnet bei den Olympischen Spielen in JApan.© SAILING ENERGY / WORLD SAILING

Jede Stunde habe man die neuen Positionsdaten bekommen und den Speed der Gegner messen können. “Ich hatte das Gefühl, als würde ich eine Runde um die Bojen segeln… Diese Klasse ist sehr stark umkämpft. Das kommt Olympia sehr nahe. Es gibt viele Teilnehmer, geringe Abstände zwischen den Booten und sehr gute Segler.”

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Carsten Kemmling

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