Jules Verne Trophy

Badewanne im Meer der Stürme

So sollte es eigentlich im Indischen Ozean sein – "Groupama 3" mit Full-Speed © www.cammas-groupama.com

„Ärgerlich, belastend, verunsichernd, Nerv tötend, frustrierend“ – die Zustandsbeschreibungen welche von Bord der „Groupama 3“ gemeldet werden, laufen alle in die gleiche Richtung: es läuft bescheiden. Nunmehr trennt den Herausforderer Franck Cammas schon fast ein ganzer Tagesritt von dem virtuellen Herausforderer und Jules-Verne-Rekordhalter Bruno Peyron, der mit seinem 36 Meter langen Kat „Orange II“ im Jahr 2005 nur 50 Tage und 16 Stunden für die Nonstop-Umsegelung des Erdballs benötigte.

Es ruckelt und zuckelt an Bord, nichts geht so richtig voran. Immer noch hängen die Männer um Skipper Franck Cammas in einem Hoch gefangen – Badewanne und Flaute, wo sonst die heftigsten Stürme ihr Unwesen treiben. Bitte nicht vergessen, der Trimaran, ausgelegt für Geschwindigkeiten bis über die 40 Knoten hinaus, segelt derzeit auf einer Position von 42° 50.10 Süd/50°38.33 Ost mit – Achtung ! – 4,9 Knoten Boots-Speed. Eine Geschwindigkeit, die jedem Fahrtensegler auf der Ostsee und auch auf deutschen Binnenrevieren vertraut ist.

Das ist die Realität – Skipper Franck Cammas (mit Mütze) langweilt sich im Cockpit seines Trimarans © www.cammas-groupama.com

„Gegen Mittag besteht eine Chance, dass „Groupama 3“ wieder stabilere Winde aus nördlicher Richtung bekommt“, meint Sylvain Mondon, der den Rekordversuch des Tris von Paris aus mit meteorologischer Beratung begleitet. Die Worte „besteht die Chance“ lassen jedoch erahnen, dass es ebenso anders kommen kann, und es ebeno noch einen weiteren Tag so mies läuft, wie es in den vergangenen Tagen lief – bescheiden.

Stattliche 426 Seemeilen fehlen dem Tri nun schon auf „Orange II“, und es sieht so aus, als würde sich diese Bilanz noch ein wenig verschlechtern. Es hilft indes nichts. Franck Cammas und seine Crew müssen auf neue Chancen im Pazifik hoffen. Allen Beteiligten, wohl auch Bruno Peyron, der das Spektakel sicherlich interessiert verfolgt, ist klar, dass „Groupama 3“ das schnellere Boot ist. Die 50 Tage und 16 Stunden des Rekordhalters werden jedoch auch für ein solches Schiff nicht leicht zu knacken sein. Denn Peyron, wenn man seine Fahrt 2005 noch einmal Revue passieren lässt, hatte damals nicht nur ein gutes Schiff und gute Segler zur Verfügung – er fand auch sehr gute Wetterbedingungen vor (auch bei Ab- und Aufstieg durch den Atlantik).

Während Fanck Cammas aufgrund des zu ruhigen Wetters derweil im ungewöhnlich ruhigen Indischen Ozean mehr schwitzt als ihm lieb ist, liegt der nächste Herausforderer, der 40 Meter lange Trimaran „Banque Populaire V“ von Skipper Pascal Bidégorry, fest an seinem Steg in der Bretagne vertäut. Die Startampel zeigt weiterhin das rote Licht, was bedeutet: weit und breit kein geeignetes Wetterfenster in Sicht, bei dem sich ein Start zur Jules Verne Trophy lohnen würde.

Mehr Infos zum Rennen: www.cammas-groupama.com

Bild des Grauens: Der Trimaran (grünes Schiff) hängt steckt in einem Tief fest, wie der Stiefel eines Landwirtes im Morast des Ackers © Groupama; www.cammas-groupama.com

Dieses Video zeigt die guten Tage des Rekordversuches, als “Groupama 3” volle Pulle durch den südlichen Atlantik Richtung Kap der guten Hoffnung raste.
© Groupama; www.cammas-groupama.com

Mathias Müller
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