Barcelona World Race am Kap Horn

Murphy's Law mischt das Feld auf

"Virbac" vorne hat seine Kurslinie gekreuzt und die Weltumsegelung schon vervollständigt.

Beim Barcelona World Race haben derzeit fast alle Teams ihr Päckchen zu tragen. Während die Spitze mit der „Virbac Paprec 3“ (Jean-Pierre Dick/Loick Peyron) in der Top-Position vor der „Mapfre“ (Iker Martinez/Xabi Fernandez) mitten im Atlantik ihren Weg durch ein Hochdruckgebiet sucht und dabei zusehen muss, wie Verfolger „Renault Z.E.“ (Pachi Rivero/Tono Piris) mit einer kräftigen Brise das schnellste Boot im Feld ist, zahlen die Teams dahinter kräftig am Zoll, die der südliche Pazifik ihnen abverlangt hat.

Boris Herrmann und Ryan Breymaier haben immerhin wieder Fahrt aufgenommen, nachdem sie nach der Kap-Horn-Rundung kurz hinter der Isla Nueva in Deckung gegangen waren, um das gebrochene Solent-Stag zumindest notdürftig zu reparieren. Und das, nachdem im Pazifik schon einer der zwei Hydraulik-Zylinder des Schwenkkiels seinen Dienst versagt hatte. Boris sprach daher in einer Mail von Bord schon von „Murphy’s Law“: „Probleme kommen selten alleine. In einem von zwei unserer Kielhydraulikzylinder sind die Dichtungen geplatzt; bei einem anormalen Sprung über eine Welle im letzten Tief. Dazu hatten wir die letzten vier Tage Sturm. Bis zu 62 Knoten Wind, brechenden Seen und vier Knockdowns. Einmal wurde ich aus der Koje geschleudert.

Aufräumarbeiten auf "Neutrogena"

67 Tage treiben wir uns und das Boot schon gnadenlos voran. Nun mussten wir des Kiels wegen versuchen, langsamer und schonender zu segeln. Absurd: Dennoch waren wir zwei Nächte vor Kap Horn schnellstes Schiff mit 18 Knoten Durchschnitt und 27 Knoten Spitze im Surf auf brechenden Seen. Die Surfs lassen sich kaum vermeiden, auch wenn wir noch so sehr reffen. Wir hatten zuletzt nur noch das Großsegel im dritten Reff. Bei den Knockdowns halten wir uns fest und Ryan flucht. Bei einem Nosedive wurde er mit dem Kopf gegens Schott gedonnert, wieder Anlass zum Fluchen.“

Der Stagbruch nach Kap Horn kostete dann weitere Zeit und Meilen. Unter Land fanden Herrmann/Breymaier Schutz, konnten sich nur 100 Meter von der Küste entfernt an die Reparaturen wagen und das Stag mit einer Lasching an den Mast binden – ohne Hilfe von außen oder Landgang. Allerdings fällt das Solent bis zum Ziel aus.

"Groupe Bel" hat einen 48 Stunden Stopp in Ushuaia eingelegt.

Noch ärger erwischte es die „Groupe Bel“ mit Kito de Pavant und Sebastien Audigane, die mit unidentifizierten Kielproblemen um 17.45 Uhr am Mittwoch Ushuaia, die südlichste Stadt der Welt, anliefen. Die Shore-Crew ist da und nun wird nach der Ursache gesucht, warum der Kiel Geräusche macht und nicht mehr richtig fest zu sitzen scheint. Damit liegen sie zumindest für 48 Stunden an der Leine, mussten schon die „Mirabaud“ (Dominique Wavre/Michèle Paret) und die „Estrella Damm“ (Alex Pella/Pepe Ribes) passieren lassen, die nun Boot an Boot auch Boris und Ryan kräftig im Nacken sitzen.

Auch die „Hugo Boss“ (Wouter Verbraak/Andy Meiklejohn) und die „GAES“-Mädels (Anna Corbella/Dee Cafari) können noch an „Groupe Bel“ vorbeiziehen, allerdings ist der Wind vor Kap Horn zuletzt etwas abgeflaut.

CTMJessJob

Kito de Pavant trug die Situation mit Fassung und versuchte das Positive aus dem ungewollten Ausflug nach Ushuaia zu ziehen, der die „Groupe Bel“ in Gebiete führt, die die anderen Teams nicht zu sehen bekommen: „Diese wilden, unberührten Küsten sind so beeindruckend und imposant. Das Kap selbst ist nur ein großer, einsamer Felsen, aber die Inseln dahinter sind imposant, es liegt Schnee auf den Gipfeln und wir konnten den Moment bei Sonnenschein so richtig genießen. Das haben wir uns verdient! Ich kann nicht aufzuhören zu betonen, dass es bis hierher ein langer harter Weg für uns gewesen ist. Nachdem wir uns bisher einen großen Kampf mit den anderen geliefert haben, glauben wir daran, im Atlantik wieder einige Meilen auf Estrella Damm, Mirabaud und Neutrogena gut machen zu können.“

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Ralf Abratis

... ist unser Mann aus der "Segelhauptstadt" Kiel. Mehr zu ihm findest Du hier.
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4 Kommentare zu „Barcelona World Race am Kap Horn“

  1. avatar hawo sagt:

    Kann mir jemand die Begriffe Solent Segel und Stag erklären.

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    • avatar Carsten sagt:

      Es gibt fünf Amwind-Vorsegel bei einem Open 60. Code Zero: 170 qm, Genua: 130 qm, Solent: 87 qm und
      Trinquette: 47 qm, Sturmfock: 29 qm
      Sie werden an den vier verschiedenen Vorstagen gesetzt, den Verbindungen vom Mast-Topp zum Bug. Die Franzosen haben sich die komischen Namen wohl ausgedacht.

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  2. avatar hawo sagt:

    Danke, wieder was gelernt 🙂

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  3. avatar stefan sagt:

    ….dafür das “das Solent bis zum Ziel ausfallen” soll, segelt es aber schon wieder ganz gut 😉

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